Mittwoch, 18. August 2010
Dienstag, 17. August 2010
Nachtschattengewächs

Wir leben für die Nacht. Wir leben für den Rausch, die Musik, die Party, den Ausbruch. Die Flucht. Wir sind Seiltänzer: schwanken zwischen Exzess und dem geordneten Tagesablauf, wir balancieren zwischen zwei Welten. Je höher der Sprung in der Nacht, desto tiefer der Fall am darauf folgenden Tag. Wir fliehen vor dem Alltag, schliessen die Augen vor unseren Problemen, schliessen die Augen vor unserem Leben. Wo wollen wir hin?
Die Klänge im Ohr, der Bass der durch den ganzen Körper fliesst und die Welt ist für einige Stunden in Ordnung. Wir sind sicher, sicher in einer Welt die es eigentlich nicht gibt. Fühlen uns sicher in unserem Rausch, umgeben von Menschen die uns nicht sehen und uns trotzdem ein Lächeln schenken. Wir teilen alle das selbe und doch geht jeder danach wieder seinen eigenen Weg.
Wir erhoffen uns Liebe wo wir keine finden werden. Wir halten uns auf mit Dingen, die uns nicht weiter bringen, stehen uns selber im Weg. Wir fühlen Glück wo keines ist, es wird uns vorgespielt und wir machen mit, um jeden Preis, nehmen den hohen Fall in Kauf. Schliessen die Augen, verstricken uns in Lügen, die wir uns selbst auftischen. Wir wollen glauben. Ach wie sehr wollen wir glauben.
Wir versuchen an der Oberfläche zu kratzen und kommen mit blutigen Händen Heim. Wir führen Dialoge an die wir uns später nicht mehr erinnern. Unser Gedächtnis verdrängt die unangenehmen Sequenzen. Wir wollen uns nicht mehr erinnern. Wollen nur vergessen. Die Seele reinigen. Bis zum nächsten Mal. Alles von vorne. Wir rennen im Kreis. Finden keine Balance.
Der Selbstzerstörungsdrang unserer Generation lässt dunkles erahnen. Wir alle kämpfen mit unseren inneren Dämonen, immer darauf bedacht dem Ganzen noch irgendwo was gutes abgewinnen zu können. Wir sind so getrimmt uns selbst etwas vor zu machen, dass wir schon als schizophren durch gehen könnten. Wir führen zwei Leben. Wir leben eine Doppelmoral.
Wir denken uns mit etwas zu belohnen mit dem wir uns eigentlich bestrafen. Wir haben den Blick für das wesentliche verloren. Schon viel zu lange spielen wir dieses Spiel, hauen uns unsere Kaputtheit gegenseitig um die Ohren und tragen sie wie Boarderline Kranke durchs Leben.
Manchmal meldet sich für einen kurzen Augenblick unser Gewissen und wir fragen uns, was zum Teufel wir hier eigentlich machen. Insgeheim wissen wir, dass wir hier nicht hingehören, dass wir hier nur Gast sind und hier nicht bleiben werden. Und doch finden wir nicht den passenden Moment um zu gehen. Um das alles hinter uns zu lassen. Immer noch sind wir hier und in uns der tiefe Glaube, nicht für immer hier zu bleiben.
Wir alle befinden uns in einem Wartezimmer. Warten bis unser Name aufgerufen wird. Es ist Zeit. Wir können nicht ewig warten. Die Sonne geht auf.
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