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Donnerstag, 22. September 2011

PAIN IN THE ASS WITH LOVE


Es ist echt schwierig einen Satz nicht mit dem Wort "Ich" zu beginnen wenn man über sich selbst oder seine Erfahrungen schreibt. Aber als ich nun wieder mal einen Satz mit "Ich sitze hier gerade..." beginnen wollte, ist mir aufgefallen, dass ich fast jeden Text so beginne und da ich kein Freund von Einfältigkeit bin lasse ich den ersten Satz dieses Mal einfach ganz weg. So. Man lernt ja einiges über sich selbst beim Reisen, speziell wenn man dies alleine tut. Einiges mag erfreulich sein, einiges eher befremdlich und gewisse Erkenntnisse können einem gar richtig Angst machen.

Angst. Eines der vielen Schlüsselwörter meiner Reise. Ich würde mich generell nicht als ängstlichen Menschen bezeichnen. Speziell in den letzten Monaten, in denen ich mich so richtig ins Leben geschmissen habe, war mir Angst eher fremd. Wer Angst hat lebt nicht. Die Angst ist der Feind des Lebens. Ich kann die Ängste die ich bis anhin hatte an einer Hand abzählen:

- Spinnen
- Der Weg von der Bushaltestelle zur Wohnung meiner Mutter bei Nacht
- Die Angst, geliebte Menschen zu verlieren (Tod)
- Höhenangst ab einer gewissen Höhe


Also nichts aussergewöhnliches.

Doch in den letzten Wochen habe ich auf Einmal eine ganz neue Angst entwickelt von welcher ich glaube, das sie die schlimmste überhaupt ist. Es fühlte sich an wie eine Schnur die um meine Kehle gebunden ist und immer enger zu geschnürt wird. Mein Herz währenddessen steckte in einem Schraubenstock fest und fühlte sich an als würde es jeden Moment implodieren. Da war auf einmal diese erdrückende Angst vor der Einsamkeit. Ich fühlte mich Gottverlassen und trieb mich selbst in den Wahnsinn.

Was wenn ich eines Tages ganz alleine sterbe?

Was, wenn ich in meinen Gedanken total abdrehe und mich meine Freunde nur noch schief anschauen weil sie nicht nachvollziehen können was ich da wiedermal für ne Scheisse zusammen labere und dabei denken "Ok, jetzt hat sies definitiv übertrieben mit den Drogen!" ?

Was wenn ich mich innerlich so von meinen Mitmenschen distanziere, weil ich ihnen zu wenig zutraue, weil ich ihnen vorwerfe mich nicht zu verstehen ohne ihnen jemals die Chance dazu gegeben zu haben?

Was, wenn mich die Liebe nie findet? Ich meine wirklich NIE, denn mit meinen 26 bald 27 Jahren noch nie eine Beziehung gehabt zu haben, macht mich doch eher zur Ausnahme. Ich dachte vor kurzer Zeit noch: Ach, Scheiss drauf, ich brauch keinen Mann zum glücklich sein! Ich dachte, mich mit einem Leben mit mir selbst angefreundet zu haben. Ich dachte, ich könnte es akzeptieren weil es doch noch soviel im Leben gibt, dass zu entdecken gilt. So viele Länder, die es sich zu bereisen lohnt. So viele Menschen, die es sich kennen zu lernen lohnt. Mittlerweile habe ich als letzter Mensch der Welt auch noch rausgefunden, dass das alles Quatsch ist. Klar, all diese Dinge sind toll, aber was nützt denn all diese Scheisse wenn man die Erfahrungen die man gemacht hat danach mit niemandem teilen kann. Der dumme Wichser aus INTO THE WILD hatte also doch recht. Ich wollte es nicht glauben. Wahrscheinlich aus, drei Mal raten, ANGST.

Naja, Dumm gelaufen. Also, auch ich brauche Liebe. Verdammt aber auch. Ich will mein Glück nicht von einem Trottel abhängig machen der mir zu Anfang Songs über meine wunderschön grünen Augen widmet die eigentlich blau sind um mich danach mit meiner Schwester zu betrügen. Ok, ich hab zwar keine Schwester. Aber einen Bruder, was die Sache nicht unbedingt besser machen würde. Dann wäre ich nicht nur der Idiot mit gebrochenem Herzen, dann wäre ich der Idiot mit gebrochenen Herzen, welcher ihren Freund in die Homosexualität getrieben hätte. Zu dem würde Weihnachten in Zukunft ausfallen, weil mein Bruder und ich fortan ein gestörtes Verhältnis hätten und meine Mutter müsste ganz alleine das ganze Fondue Chinois essen und dann würde sie an Überfressung sterben und ich will nicht das meine Mutter stirbt! Nie! Und schon gar nicht, weil ich Emodumpfbacke mal eben die Erkenntniss hatte, dass ich vielleicht doch ein wenig Liebe im Leben brauche.

Wieso reicht denn eigentlich Sex nicht? Das sollte doch reichen?! Das schadet keinem und alle sind glücklich. Naja, meistens. Je nach dem. Wenn man dabei gerade von einem Hund erwischt wird, (VON EINEM Hund erwischt, NICHT mit einem Hund) der einem so kurz vor dem Höhepunkt in die Augen starrt ist das schon eher etwas unheimlich. Da geht man dann lieber als zu kommen. Solche Sachen passieren, wenn man in Bosnien mal eben schnell vor einem Hauseingang vögelt. Das ist dann einer der Nachteile des Budget-Travellers mit diesen Mehrbett Hostels. Aber im Nachhinein kann man dann wieder darüber lachen und somit wird meine Theorie wieder bestätigt. Es ist nämlich nie der Sex, der Probleme macht. Es sind immer nur diese beschissenen Gefühle. Vor denen hab ich echt Schiss. Diese verdammten Ängste machen mir langsam echt Angst.

Bis zu meinem nächsten Angstanfall (zb, das der Spiegel im Bad auf dem Schiff zerbricht weil es so rüttelt infolge Sturm und mir die Glassplitter das Augenlicht rauben oder dass mich, während ich um das Schiff schwimme, jenes zufällig überfährt) geniesse ich meine Bevanda (Weisswein mit Wasser) und freue mich auf eine weitere Toga Party in meinem Lieblingsclub in Kroatien, dem DEEP, welcher in einer Höhle direkt am Wasser sein zu Hause hat.

So long...

Ach und nein ich bin nicht verrückt, ich verliere nur langsam den Verstand weil ich zu viel Zeit zum Nachdenken habe. Das Leben eines Reisenden ist schon furchtbar.

Embrio


Irgendwie krieg ich`s nicht hin zu schreiben. Ich dachte, ich hätte endlich genug Zeit um zu schreiben wenn ich wieder alleine unterwegs bin, doch meine Gedanken verstecken sich schön brav in meinem Kopf. Sie versuchen zwar den Weg auf das Papier, oder in diesem Falle; auf den Bildschirm zu finden, aber jedes Mal, wenn ich versuche sie nieder zu schreiben, verstecken sie sich wie kleine Kinder beim Versteckspiel.

Es ist keineswegs so, dass ich nichts zu sagen hätte. Im Gegenteil, die letzten drei Wochen in denen ich unterwegs war, waren auf unterschiedlichste Weise intensiv. An den ersten zwei Wochen kaue ich heute noch. Ich bin weit davon entfernt sie verbal zu verarbeiten, zu tief sitzen diese Erfahrungen in meinem Inneren. Sie haben sich ihr Nest gebaut und klammern sich an mein Innerstes wie Affen an Bäume.

Immer, wenn mir ein Thema durch den Kopf geht, und ich anschliessend versuche darüber zu schreiben sind die vorgängigen Gedanken nicht mehr greifbar. Als wollten sie nur allein bei mir bleiben, als fürchten Sie sich vor der Aussenwelt. Bei mir fühlen sie sich sicher. Gut aufgehoben in den Tiefen meiner Gedanken. Sie scheren sich nicht darum, wie ich mich dabei fühle, es ist ihnen egal, dass ich sie mit niemandem teilen kann und ihnen somit alleine ausgeliefert bin.

Schreiben ist ein Prozess. Ein Prozess der Verarbeitung der Gedanken des Schreibenden. Es ist dieses Gefühl, dass die Gedanken erst ihre vollendete Gestalt annehmen, wenn sie nieder geschrieben sind. Erst wenn ein Gedanke ausgesprochen oder nieder geschrieben wird nimmt er seine finale Form an, alles was zuvor war, ist bloss ein Entwurf. Ein Entwurf dessen, was unsere Gedanken im Begriff sind auszulösen. Eine Skizze des Lebens. Der Menschen. Des menschlichen Denkens. Ja unserer ganzen Existenz. „Achte auf deine Gedanken, sie sind der Anfang deiner Taten“ hat mein Lehrmeister während meiner Ausbildung immer und immer wieder zu mir gesagt. Damals hatte ich noch keine Ahnung, dass ich Jahre später erst wirklich den Sinn dieser Worte begreifen würde. Ich war Achtzehn. Ich hatte keine Ahnung. Keine Ahnung, wie oft ich in meinem Leben noch an diese Worte zurück denken würde.

Deine Gedanken sind alles. Alles beginnt und endet bei deinen Gedanken. Alles Gute, alles Schlechte. Die wahre Schönheit, die tiefsten Abgründe. Sie sind der Mutterleib und unser Sterbebett. Sie sind das Blut, das in unseren Adern fliesst. Sie sind die Luft die wir atmen, die Liebe die uns Berge versetzen lässt. Sie sind die Kinder, die unser Leben lebenswert machen. Sie sind was wir sind. Was wir waren und immer sein werden.

Ja, wir sollten auf sie achten. Sie beschützen wie einen Schatz, auf sie achten wie auf unsere Kinder, und dennoch sollten wir sie sich frei entfalten lassen, genau wie unsere Kinder. Den im Grunde sind sie genau das. Sie sind unser Ebenbild und dennoch besitzen sie eine Kraft, die wir nicht imstande sind zu unterdrücken, zu verändern oder zu beeinflussen. Sie sind wie ein eigenes Wesen, doch im Gegensatz zum Umgang mit unseren Kindern, bestimmen wir, wir alleine, was wir mit ihnen machen. Mit wem wir sie teilen und welchen Weg wir sie gehen lassen. Und genau das ist unsere Herausforderung. Unsere Lebensaufgabe. Die Art, wie wir mit ihnen umgehen, bestimmt schlussendlich unser Leben. Sie vermag uns in die Knie zu zwingen genau so wie sie es vermag, uns unendlich frei zu fühlen. Unsere Gedanken und unser Umgang mit ihnen sind der Samen. Sie schwimmen in uns herum in der Hoffnung auf Leben. Es liegt ganz bei uns, es ihnen zu schenken.