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Montag, 27. Februar 2012

IN WORT UND BILD


Und wieder einmal hatte ich länger nichts zu sagen. Nichts, dass es sich in Worte zu fassen gelohnt hätte. Nichts, dass ich in Worten hätte umschreiben können. Und wieder einmal sind es andere Schreiberlinge die mich dazu motiviert haben. Wieder zu schreiben, meine ich.

George Steiner, Professor für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Oxford schreibt in seinem Buch "Warum Denken traurig macht": GEFÜHL, INTUITION, INTELLEKTUELLE ODER PSYCHOLOGISCHE EINGEBUNG DRÄNGEN VON INNEN GEGEN DEN RAND DER SPRACHE, KÖNNEN ABER NICHT DURCHBRECHEN ZU VOLLSTÄNDIGER ARTIKULATION.

Und jetzt frage mich keiner wieso ich ein Buch lese mit dem Titel WARUM DENKEN TRAURIG MACHT. Genau Deswegen. Denn er hat ja so recht! Und bevor ich diese Passage in dem Buch gelesen habe war ich wirklich traurig, weil ich an mich selbst den Anspruch stellte dies zu DURCHBRECHEN. Danke George, nun gehts mir besser. Ich denke nun es gibt Dinge, die nicht dazu da sind, um in Worte gefasst zu werden. Und das ist wohl auch gut so. Wenn der Sender schon nicht in der Lage ist, etwas gefühltes in Worte zu fassen, oder es ja, gar überhaupt zu fassen, wie soll es dann der Empfänger schon überhaupt genau so verstehen wie wir es gemeint, ja gefühlt haben. Da wären wir wieder beim inneren Auge. Melanie und ich hatten kürzlich wiedermal ein geniales Produkt im Rahmen unserer "Dinge, die die Welt unbedingt braucht"-Serie erfunden, und zwar den PERSÖNLICHEN SCREENSHOT. Wenn man also ein Bild im Kopf hat unds eher nicht so mit Worten hat, oder dieses Bild schlicht weg nicht umschreiben kann, drückt man sich einfach kurz auf die Schläfe und schon wird ein Screenshot des inneren Auges erstellt. Das kann auch recht lustig werden wenn mann dann einfach mal nur so zum Spass, etwas aus einer Diskussion aufgreift, man sich sicher ist man redet exakt genau vom selben, und dann auf dem Screenshot des Gesprächspartner sieht das der n total anderes Bild im Kopf hatte. Klar, war uns das auch vorher bewusst, das der andere nicht das selbe Bild sieht, aber es wäre dennoch mal interessant zu sehen wie ANDERS es genau aussieht. Zieht man nämlich nach Erstellung des Screenshots am rechten Ohrläppchen, wird das Bild gedruckt und kommt wenig später aus deinem Mund heraus.

Der PERSÖNLICHE SCREENSHOT wäre ein Meilenstein der Menschlichen Kommunikation. Und der Unterhaltung. Vor Allem für die Unterhaltung. Der Kommunikation dient er lediglich daher, um Missverständnisse zu vermeiden und um Dinge zu vergleichen. Aber mit dem PERSÖNLICHEN SCREENSHOT ist es wie mit den Drogen: Kannst du sie dosieren, können sie eine Bereicherung sein – verlierst du die Kontrolle über deinen Umgang mit Ihnen, werden sie dich töten. Und da der Mensch nie genug kriegen kann und immer mehr will, wird genau das passieren. Die logische Schlussfolgerung: Der Tod der Sprache. Und ist erst die Sprache dahin und es wird nur noch mit den PERSÖNLICHEN SCREENSHOTS kommuniziert sind wir auch so gut wie tot. Denn was wären wir ohne all die Bücher, die Gedichte, die Lyrik? Was wären wir ohne all unsere Helden die ihre Liebe, Wut und Trauer, ihr Glück und ihr Leid in ihren Liedern besingen? Dann hätten wir vielleicht endlich alle das selbe Bild vor dem inneren Auge, doch es wäre einfach nur SCHWARZ.

Und genau das ist der Grund, wieso wir dieses Projekt dann letztendlich doch nicht realisiert haben.