
Es ist schon seltsam, dieses Leben. Die aneinander Reihung von Zufällen. Die Begebenheiten zu einer bestimmten Zeit. Dinge, die einem zum genau richtigen Zeitpunkt begleiten, über den Weg laufen, durch den Kopf gehen. Manche mögen es Schicksal nennen. Manche winken mit einem müden Lächeln ab und schauen dich mit Augen an, die längst nicht mehr brennen.
Jeder hat seine Sehnsüchte, manche folgen ihnen, manche unterdrücken sie gekonnt. Aus Gründen der Vernunft oder weil es eben nicht geht. Weil es nicht funktioniert. Weil man ihnen das so eingetrichtert hat. Desswegen brennen ihre Augen nicht mehr. So ist es halt. Denken Sie. Hat man ihnen von Klein auf gesagt. Das ist richtig, das ist falsch. So nicht. Und so schon gar nicht. Das sagt man nicht. So macht man das. Das macht man nicht.
UND WENN DOCH?
Könnten wir doch die Welt für immer durch unsere einstigen Kinderaugen sehen. Mit dem Blick und dem Staunen als unser Geist noch frei und rein war. Könnten wir doch für immer mit diesem wachen und neugierigen Blick durchs Leben gehen.
Oscar Wilde sagte wir sollen unseren Sehnsüchten folgen, denn wer wisse schon ob sie wieder kämen. Die Frage die sich unsereins stellt ist:
WIE?
Aber ich muss doch. Ich kann nicht einfach. Und wer soll dann.
Ich habe keine Ahnung. Ich stelle mir lediglich wieder einmal die wichtigen Fragen. Die stelle ich mir eigentlich seit ich denken kann immer. Oder seit ich denke, denken zu können. Die Fragen sind seit dann immer da. Sie sitzen in meinem Kopf und wollen da nicht weg. Und vo Zeit zu Zeit wollen sie sich Gehör verschaffen. Dann werden sie laut. Dann brüllen sie leidenschaftlich raus bis ich es nicht mehr aushalte und ihnen wieder zuhöre. Weil sie Antworten von mir wollen. Meine Fragen.
Dann sinnieren wir eine Weile über sie herum bis ich sie wieder auf Zimmerlautstärke runter dämpfen konnte und sie mich wieder für eine Weile in Ruhe lassen.
Zum aktuellen Zeitpunkt sind sie ziemlich laut, so dass ich die Musik aus dem Radio fast nicht mehr hören kann. Desswegen Schreibe ich. Und das ist immer der Grund. Immer der selbe, einzig die Fragen ändern sich. Manche wechseln sich ab. Manche kommen immer wieder. Neue kommen dazu. Aber wem will ich hier was erzählen. Man kennt das.
Wir alle stellen uns diese Fragen. Die wenigsten werden Antworten finden. Ich wohl am aller wenigsten. Aber ich denke es ist dennoch wichtig sie nicht einfach zu ignorieren. Von Zeit zu Zeit brauchen sie etwas Pflege. Sie sind wie eine Pflanze, die von Zeit zu Zeit bewässert werden muss. Sonst gehen sie ein. Sie verstummen und sterben. Und viel schlimmer als keine Antworten zu finden wäre es, sich die Fragen nicht mehr zu stellen. Nicht immer, aber von Zeit zu Zeit. Damit wir nicht irgendwann irgendwen mit hoch gezogenen Brauen mit unseren Augen anschauen die nicht mehr brennen.
Am Montag dachte ich aus Wut, aus mir hängts so dermassen zum Hals raus und eigentlich vor allem aus Jux über Aussteigergruppen nach.
Am Mittwoch kaufte ich mir Birgit Vanderbekes neues Buch „Das lässt sich ändern“. Einfach weil ich sah, dass sie ein neues Buch geschrieben hat und mir ihre Sprache bei ihrem letzten Buch sehr gefiel.
Das war der Zufall. Es ist nicht das erste Mal, dass ich durch Zufall gerade ein Buch am lesen bin, bei dem mir nach der Hälfte des Buches bewusst wird, dass es genau um die Fragen geht, die aktuell in meinem Kopf auf einem unangenehm hohen Dezibel Wert am rum brüllen sind.
Doch es sind nicht nur die Fragen. Es sind auch einfache Feststellungen. Diese werfen wiederum auch Fragen auf. Zum Beispiel:
WILL ICH TEIL EINER WELT SEIN IN DER MENSCHEN SICH VON AUGEN AN EINEM HÄSSLICH GRAUEN ABFALLEIMER (http://eyebombing.com/) GESTÖRT FÜHLEN UND DAS STRASSENVERKEHRSAMT BUSSEN WEGEN SACHBESCHÄDIGUNG ERHEBEN WILL?
In Vanderbekes Buch geht es um drinnen oder draussen, wie sie es sehr treffend nennt.
Es geht um Adam der sagt, das lässt sich ändern. Und dann ändert er es. Adam erschafft etwas was ich eine Vision nennen würde. Eine Vision die zu Leben erweckt wird. Für dein Leben arbeiten. Und nicht für deine Arbeit leben.
Als ich heute den letzten Satz des Buches gelesen habe, erwischte es mich eiskalt. Ein kleiner Stromschlag ging durch meinen Körper. Es fühlte sich wirklich an wie erwischt werden. Diese Sekunde in der du voll gepumpt mit Adrenalin aufschreckst. Der letzte Satz war:
UND WENN DAS AUFGINGE?
Ich wäre gerne wie Adam. Die Sehnsucht hält mich wach und ich wünsche mir für mich, ihr eines Tages zu folgen. Wo auch immer sie mich hin führen wird. Auch wenn ich dafür nach draussen muss. Vielleicht gerade desswegen!