Mittwoch, 12. November 2014
Der Überdruss
Ich finde gerade alles ziemlich unerträglich. Zum Kotzen. Scheisse. Ich möchte schreien, mich in Embriostellung zusammen rollen und zehn Jahre schlafen. Oder noch besser: gleich in den warmen Mutterleib zurück.
Ich kämpfe. Seit Jahren bin ich am kämpfen. Mit der Welt. Mit mir selbst. Ich drehe mich im Kreis, suche meinen Platz doch kann ihn nicht finden. Weder Innen noch Aussen.
Letzten Freitag in Istanbul dachte ich, es gäbe keinen Ort an dem ich nun lieber wäre. Ich war glücklich. Vielleicht zu sehr.
Heute denke ich, es gibt keinen Ort an dem ich nun gerne wäre. Es gibt nichts was ich gerne tun würde. Einfach nichts. Ich mag nicht mal schlafen. Ich mag einfach nichts.
Meine Generation lebt im Überfluss. Wir können alles werden, alles machen, alles sein. Doch durch die Unmengen an Möglichkeiten laufen wir Gefahr uns zu verlieren. Wenn wir uns denn überhaupt schon gefunden haben.
Früher wurde vielen Menschen nicht gegönnt, sich selbst zu verwirklichen und ihre Träume zu leben. Sie mussten die Erwartungen erfüllen und Ihre Rolle spielen und träumten von einem anderen Leben.
Heute wo wir alles sein können wissen wir oft nicht mehr was das sein soll. Wer will ich sein? Wo will ich hin? Was will ich machen? Wo liegen meine Stärken? Wozu bin ich berufen?
Ich bin mit diesen Fragen total überfordert, denn ich habe nicht die leiseste Ahnung.
Ich habe schon Stunden, nein Tage damit zugebracht mir jeden Studiengang diverser Unis und Fachhochschulen an zu sehen. Ich habe wirklich jeden Beruf, auf der Seite des Berufs Information Zentrum studiert. Nichts. Es gibt einfach nichts was ich davon wirklich machen möchte und es macht mich allmählich wahnsinnig.
Dadurch keimt der Wunsch in mir auf, ein einfacheres Leben zu führen. Irgendwo in der Pampa für mein Überleben sorgen zu müssen. Mir eine Hütte zu bauen, ein Reisfeld an zu pflanzen und für mein Leben zu arbeiten. Nicht für die Arbeit zu leben.
Das Glück liegt in der Einfachheit.
Gleichzeitig schäme ich mich für diese Aussage, kann sie doch nur von einer verwöhnten Göre in einem 1. Weltland stammen und als Luxusproblem abgegolten werden.
Was stimmt nicht mit mir?
Wie finde ich meine Bestimmung? Wie finde ich meine Stimme? Die Grundessenz meines Wesens und wie kann ich mit ihrer Hilfe einen sinnvollen Beitrag zum funktionieren einer Gesellschaft leisten?
Denn daran glaube ich fest, würde jeder Mensch zu seiner Grundessenz finden, diesen Teil, den ihn als Menschen ausmacht, den ihn einzigartig macht, und ihn entsprechend nutzen würde, dann wäre diese Welt ein besserer Ort.
Würden wir bereits in der Schule in diesen Bereichen, in denen wir gut sind gefordert werden und nicht nur nach Lehrplan unterrichtet werden, dann würde ich diesen Text hier heute vielleicht nicht schreiben.
Dienstag, 14. Oktober 2014
Kleine Nachtmusik
Die Nacht ist die Stimme der Wahrheit. Sie lässt uns innehalten, lässt uns unsere Stimme finden.
Die Nacht ist die Schönheit, ist das Verderben. Sie ist die Weisheit, ist unser tiefster Fall. Sie macht uns Nackt und da wo es dunkel ist, da ist es am hellsten weil sich dir nichts mehr verbirgt. Die Nacht bringt dir Klarheit und hüllt dich ein wie ein Schatten deiner selbst.
Die Nacht macht dich wach, hält dich am Leben. Sie ist Trieb, sie ist Sehnsucht. Sie will finden, will gehört werden.
Die Nacht ist die Melancholie die in jedem Einzelnen von uns innewohnt.
Sie ist Zauber, ist Magie.
Nichts ist wie es scheint.
Und doch ist da Hoffnung.
Die Nacht bin ich. Die Nacht bist du.
Ich bin das Blut, dass durch deine Adern fliesst. Ich bin der Atem den du tief in deine Lungen ziehst.
Ich bin die Lunge, die du zum Atmen brauchst.
Ich bin du, und du bist ich.
Wir sind eins.
Zu zweit allein.
Die Nacht ist meine Musik. Die Musik bist du.
Dienstag, 8. April 2014
Strassenmusik
Manchmal tut es einfach nur gut die Geräusche der Strasse zu hören. Ich öffne dann die Balkontür, lege mich aufs Sofa und lausche der Strasse. Manchmal schnappe ich Wortfetzen auf, höre ein Lachen oder lausche einfach dem Treiben der Nacht, welches sich ähnlich wie Regen oder das Rattern der Schienen in Nachtzügen wie eine weiche Decke unter mein Ohr legt und mich einhüllt in ein Gefühl von Geborgenheit und Melancholie. Es gibt dir eine ganz eigene Art von Sicherheit. Eine Art Gewissheit, dass da draussen noch Leben ist. Das sich die Welt weiter dreht auch wenn du gerade nicht daran teil haben magst und sie mehr als stiller Beobachter wahr nimmst.
Manchmal tut es einfach nur gut.
Der Klang der Strasse. Ihr ganz eigener Sound. Ihre Musik.
Einfach nur zu zu hören ohne hin zu sehen. Einfach mal inne halten, die Augen schliessen und zuhören.
Und was hörst DU?
Montag, 24. Februar 2014
Never forget - oder von grossen und kleinen Schicksalen.
Es gibt Situationen im Leben, da denken wir es geht nicht mehr weiter und der Himmel über uns färbt sich vom blauen übers graue ins schwarze. Wir finden uns wieder in einem Loch in welchem uns Kälte umhüllt und lediglich unser Pulsschlag uns daran erinnert, dass wir noch am Leben sind.
Jeder schlägt sich irgendwie durchs Leben. Manche einfacher, mit einer gewissen Leichtigkeit. Manche schwerer, mit einer begleitenden Bekümmertheit. Doch die Meisten von uns tragen "nur" ihre seelischen Wunden mit sich rum. Meist kleine Schicksalsschläge aus der Vergangenheit und meistens sind wir uns derer nicht mal bewusst, doch oft sind sie Verursacher von Krankheiten und mit ihrer Hilfe will uns unser Körper daran erinnern. Er sagt: Hey, da ist doch noch was! Da muss noch was gelöst werden.
Die Meisten ignorieren diesen Hilferuf der Seele weil sie zu weit weg sind. Zu weit weg von sich selbst - und rennen lieber zum Arzt. So wird es hier in unserer westlichen Gesellschaft eben gemacht. Nie kämen sie auf die Idee, dass da mehr dahinter stecken könnte.
Doch dann gibt es da auch noch Menschen mit - ich nenne es mal - "äusserlichen Schicksalsschlägen". Menschen die ein hartes Los gezogen haben und die ihr Schicksal zu tragen haben und einzig Frieden finden können, in dem sie ihr Schicksal annehmen. Und das ist harte Arbeit. Oft sieht man aber gerade solche Menschen besonders glücklich oder ausgeglichen. Vielleicht, weil sie in dem Prozess, in dem sie sich ihrem Schicksal ergeben haben und gelernt haben damit um zu gehen enorm weiter entwickelt haben. Vielleicht, weil sie froh sind, überhaupt noch am Leben zu sein. Oft können wir dieses Glänzen in den Augen solcher Menschen nicht deuten und schon gar nicht nachvollziehen. Da siehst du einen AIDS-Kranken vor dir sitzen, der nicht nur eine Halbe Apotheke am Tag einnehmen muss, um die Symptome zu dämmen sondern nach der Vergewaltigung seines Eishockey Trainers auch noch den Suizid seines HIV-Positiven Freundes (welcher ihn mit der Krankheit angesteckt hat) hinnehmen musste und seine Augen leuchten als würde er gerade sein Neugeborenes Kind in den Armen halten. Doch er hält nicht sein neugeborenes Kind in den Armen, nein, er sitzt im Rollstuhl, hat die Liebe seines Lebens durch einen Sprung vom Triemli Spital verloren und hat mit dieser schlimmen Krankheit zu leben.
An manchen Tagen kann er halbwegs normal leben, normal im Sinne von ohne Anfälle. An anderen Tagen geht gar nichts.
Du siehst in diese Augen und du siehst all die Liebe die dort wohnt. Du siehst dieses Leuchten, dass den ganzen Raum erhellt und dein Herz wärmt und plötzlich wird dir der Wert dieses Lebens auf traurig-schöne Art bewusst. Und dir wird klar worum es geht in diesem Leben. Es ist der Weg, dieses Leuchten in den Augen zu erlangen. Diesen Punkt zu erreichen, wo das Leben Liebe ist. In Allem.
Alles was uns schwächt, macht uns schlussendlich stärker. Ausser wir brechen und geben auf. Und damit das nicht passiert, müssen wir uns an diese Menschen erinnern die leuchten. Denn ihnen sind wir es schuldig nicht aufzugeben und an uns zu arbeiten.
Auch ich trage so meine Sachen mit mir rum - das tun wir alle. Ich habe keinen Job, kein Geld, ich mache zu viel Party, habe weder eine Beziehung (hatte ich noch nie) noch irgendwen fürs Bett und ich habe keine Ahnung was ich mit meinem Leben anfangen will geschweige denn wie ich meine Rechnungen bezahlen soll. Doch ich bin irgendwie glücklich. Ich fühle mich geborgen und ich bin neugierig was das Leben bringt. Spannend wird es meistens, wenn wir gezwungen sind, aus unserer Komfort-Zone heraus zu treten. Und da befinde ich mich momentan.
Manchmal müssen wir an unser Glück erinnert werden. Sei es durch ein Schicksal wie das des oben beschriebenen AIDS-Kranken. Oder durch eine Anzeige auf dem Marktplatz der UZH wo eine Mutter für Ihre 22-Jährige Tochter, welche vor einigen Jahren einen Herzstillstand erlitten hat und seitdem im Rollstuhl sitzt, jemanden sucht, der gegen Bezahlung mit ihr etwas unternimmt. Zuerst hätte ich weinen können ab diesem Inserat. Ich möchte nicht wissen, wie sich eine Mutter fühlen muss, die zuerst das Schicksal ihrer Tochter hinnehmen muss, und dann auch noch jemanden dafür bezahlen muss, etwas mit ihr zu unternehmen, womit sich mir erschliesst, das dieses arme Mädchen nicht mal mehr Freunde hat. Das ist Todtraurig. Und die Welt ist voll von solchen Schicksalen. Desswegen möchte ich uns alle an diesem Montagabend daran erinnern, wie gut es uns doch eigentlich geht mit unseren kleinen Problemchen. It`s all in your mind! Never forget!
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