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Montag, 24. Februar 2014

Never forget - oder von grossen und kleinen Schicksalen.


Es gibt Situationen im Leben, da denken wir es geht nicht mehr weiter und der Himmel über uns färbt sich vom blauen übers graue ins schwarze. Wir finden uns wieder in einem Loch in welchem uns Kälte umhüllt und lediglich unser Pulsschlag uns daran erinnert, dass wir noch am Leben sind.

Jeder schlägt sich irgendwie durchs Leben. Manche einfacher, mit einer gewissen Leichtigkeit. Manche schwerer, mit einer begleitenden Bekümmertheit. Doch die Meisten von uns tragen "nur" ihre seelischen Wunden mit sich rum. Meist kleine Schicksalsschläge aus der Vergangenheit und meistens sind wir uns derer nicht mal bewusst, doch oft sind sie Verursacher von Krankheiten und mit ihrer Hilfe will uns unser Körper daran erinnern. Er sagt: Hey, da ist doch noch was! Da muss noch was gelöst werden.

Die Meisten ignorieren diesen Hilferuf der Seele weil sie zu weit weg sind. Zu weit weg von sich selbst - und rennen lieber zum Arzt. So wird es hier in unserer westlichen Gesellschaft eben gemacht. Nie kämen sie auf die Idee, dass da mehr dahinter stecken könnte.

Doch dann gibt es da auch noch Menschen mit - ich nenne es mal - "äusserlichen Schicksalsschlägen". Menschen die ein hartes Los gezogen haben und die ihr Schicksal zu tragen haben und einzig Frieden finden können, in dem sie ihr Schicksal annehmen. Und das ist harte Arbeit. Oft sieht man aber gerade solche Menschen besonders glücklich oder ausgeglichen. Vielleicht, weil sie in dem Prozess, in dem sie sich ihrem Schicksal ergeben haben und gelernt haben damit um zu gehen enorm weiter entwickelt haben. Vielleicht, weil sie froh sind, überhaupt noch am Leben zu sein. Oft können wir dieses Glänzen in den Augen solcher Menschen nicht deuten und schon gar nicht nachvollziehen. Da siehst du einen AIDS-Kranken vor dir sitzen, der nicht nur eine Halbe Apotheke am Tag einnehmen muss, um die Symptome zu dämmen sondern nach der Vergewaltigung seines Eishockey Trainers auch noch den Suizid seines HIV-Positiven Freundes (welcher ihn mit der Krankheit angesteckt hat) hinnehmen musste und seine Augen leuchten als würde er gerade sein Neugeborenes Kind in den Armen halten. Doch er hält nicht sein neugeborenes Kind in den Armen, nein, er sitzt im Rollstuhl, hat die Liebe seines Lebens durch einen Sprung vom Triemli Spital verloren und hat mit dieser schlimmen Krankheit zu leben.
An manchen Tagen kann er halbwegs normal leben, normal im Sinne von ohne Anfälle. An anderen Tagen geht gar nichts.

Du siehst in diese Augen und du siehst all die Liebe die dort wohnt. Du siehst dieses Leuchten, dass den ganzen Raum erhellt und dein Herz wärmt und plötzlich wird dir der Wert dieses Lebens auf traurig-schöne Art bewusst. Und dir wird klar worum es geht in diesem Leben. Es ist der Weg, dieses Leuchten in den Augen zu erlangen. Diesen Punkt zu erreichen, wo das Leben Liebe ist. In Allem.

Alles was uns schwächt, macht uns schlussendlich stärker. Ausser wir brechen und geben auf. Und damit das nicht passiert, müssen wir uns an diese Menschen erinnern die leuchten. Denn ihnen sind wir es schuldig nicht aufzugeben und an uns zu arbeiten.

Auch ich trage so meine Sachen mit mir rum - das tun wir alle. Ich habe keinen Job, kein Geld, ich mache zu viel Party, habe weder eine Beziehung (hatte ich noch nie) noch irgendwen fürs Bett und ich habe keine Ahnung was ich mit meinem Leben anfangen will geschweige denn wie ich meine Rechnungen bezahlen soll. Doch ich bin irgendwie glücklich. Ich fühle mich geborgen und ich bin neugierig was das Leben bringt. Spannend wird es meistens, wenn wir gezwungen sind, aus unserer Komfort-Zone heraus zu treten. Und da befinde ich mich momentan.

Manchmal müssen wir an unser Glück erinnert werden. Sei es durch ein Schicksal wie das des oben beschriebenen AIDS-Kranken. Oder durch eine Anzeige auf dem Marktplatz der UZH wo eine Mutter für Ihre 22-Jährige Tochter, welche vor einigen Jahren einen Herzstillstand erlitten hat und seitdem im Rollstuhl sitzt, jemanden sucht, der gegen Bezahlung mit ihr etwas unternimmt. Zuerst hätte ich weinen können ab diesem Inserat. Ich möchte nicht wissen, wie sich eine Mutter fühlen muss, die zuerst das Schicksal ihrer Tochter hinnehmen muss, und dann auch noch jemanden dafür bezahlen muss, etwas mit ihr zu unternehmen, womit sich mir erschliesst, das dieses arme Mädchen nicht mal mehr Freunde hat. Das ist Todtraurig. Und die Welt ist voll von solchen Schicksalen. Desswegen möchte ich uns alle an diesem Montagabend daran erinnern, wie gut es uns doch eigentlich geht mit unseren kleinen Problemchen. It`s all in your mind! Never forget!