Ich hatte wieder mal viel Zeit um nach zu denken und sitze zur Zeit mit gemischten Gefühlen vor diesem Text. Ich habe mich wieder sehr auf meinen Solo-Urlaub gefreut. Seit meinem Turkey-Adventure bin ich ja grosser Fan des „Alleine Weg fahren“. Aber ich muss gestehen, die Magic Moments, oder wie es bei Kuoni heissen würde die „Perfect Moments“ blieben aus. Ich hatte einfach nicht diese Euphorie. Ich hatte keine speziellen Glücksgfeühle. Nicht das es mir schlecht ging oder so, nein, aber ich war halt einfach so, da. Ich war einfach da. Es ging weder rauf noch runter. Es war einfach gradlinig um nicht zu sagen langweilig.
Am ersten Abend auf Fuerteventura flüchtete ich erstmal aus der Hotelanlage und ging dem Strand entlang in das nahe gelegene Fischerdörfchen. Das ist ein verschlafenes Nest mit ca. drei Restaurants, einer Bar und einem kleinen Supermarkt.
Ich setzte mich in das kleine Restaurant direkt am Meer und bestellte einen halben Liter vom Hauswein und Entercote Scheiben mit Knoblauch Marinade. Ich sah aufs Meer hinaus und den spanischen Kindern zu wie sie im Sand herum tollten. Zwischendurch las ich in Özdogans „Die Tochter des Schmieds“. In der Türkei waren das immer meine grössten Glücksmomente: im Restaurant sitzen, die Menschen beobachten, gut essen und Özdogan lesen. Aber hier; nichts. Klar, ich dachte, ach, ist das nicht schön. Und: jööh die süssen kleinen Spaniögel Kiddies. Oder: wow das Essen ist der Hammer. Aber ich hatte keinen Magic Moment. Ich hatte nicht das Bedürfnis auf und ab zu hüpfen wie ich es gerne tue wenn ich glücklich bin. Ich hatte nicht Lust zu quietschen und komische Laute von mir zu geben, wie ich es auch gerne tue wenn ich das Glück in mir aufsteigen fühle. Da war einfach nichts. Ich hätte gerade so gut in Zürich in der Tram sitzen können.
Die ganze Woche über dachte ich: du musst es geniessen. Ach schau nur wie schön. Ich wollte mich selbst davon überzeugen. Wieso konnte ich das Alles nicht geniessen? Bin ich undankbar? Erkenne ich das Glück nicht wenn es vor meiner Nase steht? Whats fucking wrong with me?!
Zuerst dachte ich, ich hätte wohl Mühe abzuschalten, also gab ich mir Internet-Verbot bis Ende Woche. Kein Facebook, keine E-Mails, kein Handy. Ich gab lediglich meiner besseren Hälfte kurz bescheid, dass das Flugzeug nicht abgestürzt ist und ich wohlauf bin.
Naja, der Rest ist etwa so spannend wie ein Rosamunde Pilcher Roman. Ok ich gebs zu, der ist natürlich spannender und da knutschen sie wenigstens am Schluss. Zu meinem Stand-by Modus kamen dann noch die ganzen Sportversessen Idioten dazu. Ich bin nämlich in einem Sporthotel. Da kann man sich jetzt fragen, was ich denn in einem Sporthotel mache. Die Antwort ist simpel: Nichts. Auf der faulen Haut liegen und aus Protest noch mehr Essen.
Aber zurück zu den Sportsklaven. Diese Leute gingen mir ja so was von auf den Sack. Mit ihren selbstgefälligen Gesichtern die sagen: Ich tue mir was gutes, wenn ich morgens um Acht Uhr bei der nervigsten Trainerin in der Geschichte der nervigsten Trainer, in den Spinnig Kurs gehe und danach mit gutem Gewissen den ganzen Tag am Pool liegen kann. Und diese Spinnig Trainerin erst, Mein Gott, da wurde mir schon beim vorbei laufen schlecht bei deren Motivations-Geschrei. Und das schlimmste am Ganzen: die Kleidung. Kann man nicht auch halbwegs stilvoll Sport betreiben? Im Ernst wann werden Radlerhosen endlich verboten? Ich habe Augenkrebs von all diesen Sportoutfits hier. Und dann die Schwimmtrainer, aber davon fange ich besser gar nicht erst an.
Auf jeden Fall wurde mir mal wieder vor Augen geführt wie sehr ich Sportler hasse. Ich meine ich habe echt nichts gegen Sport der Sinn macht. Wie zb Basketball oder Tennis. Meinetwegen auch Fussball. Aber auf einem sich nicht vom Fleck bewegenden Fahrrad rumzustrampeln währenddessen eine von der Tarantel gestochene Trainerin auf Speed in der Gegend rumschreit und dazu noch Lady Gaga durch die Boxen dröhnt, sehe ich echt nicht ein.
Ich meine tönt vielleicht etwas abwegig, aber wie wärs mal so mit Fahrrad FAHREN? So auf einem echten? Nur mal sone Idee.
Und dann war da noch Pedro. Mein Gott, ich versteh die Menschen nicht. Echt nicht. Ich verzweifle langsam aber sicher ab ihnen. Wie dem auch sei, Pedro ist Kellner im Hoteleigenen Restaurant. Als mein lieblings Restaurant in der Bucht geschlossen hatte musste ich wohl oder übel im Hotel essen. Pedro brachte mir den Wein und fragte mich ob das mein erster Abend hier sei. Ich verneinte und erklärte ihm, das ich mich nur nicht so gerne im Hotel aufhalte, da sich mein Urlaubs-Feeling inmitten von Schweizern und Deutschen nicht unbedingt entfalten kann. Er lächelte und bot mir an, mich am nächsten Tag zu einem schöneren Strand mit zu nehmen. Da mir der schwarze Sand auch allmählich auf den Sack ging sagte ich zu. Wir verabredeten uns für den nächsten Tag an der Bushaltestelle. Nach einer halben Weltreise durch die Wüste, einer wortlosen 70 Minütigen Busfahrt, kamen wir endlich am besagten Ort an. Der Strand war wirklich nicht mit dem hier zu vergleichen: Das Wasser war türkis und der Sand war weiss. Traumhaft. Weniger Traumhaft war die Unterhaltung mit Pedro. Ich musste ihm alles aus der Nase ziehen. Ich erfuhr, dass er seit einem Jahr auf Fuerteventura arbeitet, 33 Jahre alt ist und aus Kuba stammt. Er lud mich zum Essen ein, sagte, dass ich zuviel rauche (ja ich rauche wieder, ja mehr als zuvor und ja es ist mir scheiss egal!) und ja, das wars dann in etwa auch schon. Es war echt anstrengend. Ich war so erledigt von dieser ganzen Geschichte, dass ich im Bus auf dem Rückweg prompt eingepennt bin. Seit diesem Tag, grüssen wir uns und damit hat sich’s. Ich war im wohl zu langweilig, pennt ein die Alte. Aber bitte, wieso hängt jemand mit dir rum wenn er dann gar nicht mit dir spricht. Das ist nicht das Erste mal, das mir so was passiert. Hab ich auch in der Türkei einige Male erlebt: Dann wollen Sie mit dir was trinken und dann sitzen die einfach nur da und sagen kein Wort. Hallo?! Ich bin die letzte Person die etwas gegen vertrautes Schweigen in Zweisamkeit hat, ich kann mit einigen meiner Freunde schweigen. Aber doch nicht mit wild fremden Menschen. Da kann man sich fragen, wieso machst du dann überhaupt mit fremden Menschen etwas ab, wieso gehst du mit denen mit? Na weil ich doch der Meinung bin, das man von jedem Menschen etwas profitieren kann, sich gegenseitig weiterbringen kann und gerade Menschen aus anderen Länderen und Kulturen, das sind doch Schätze die man auskosten muss, etwas über andere Kulturen, Sitten und Bräuche zu erfahren. Sich auszutauschen. Etwas teilen. Aber langsam glaube ich mich mit dieser Einstellung alleine.
Auch fällt mir in letzter Zeit oft auf, dass kaum mehr Menschen an einem interessiert sind. Wenn dich jemand nach deiner Meinung zu einem bestimmten Thema fragt, dir aber nicht mal eine halbe Minute Zeit gibt um zu antworten, dann kannst du sicher sein, dass dein Gegenüber eigentlich nur seine Meinung zum befragten Thema preis geben will. Tritt besagtes Schema auf, nichts wie weg! Diese Person ist nicht im geringsten an deiner Person interessiert. Diese Person gehört in die Kategorie „Egofucker“ und ist lediglich auf der Suche nach Bestätigung, sie will in ihrer Meinung bestärkt werden um ihr Ego aufzublasen. Man kann es etwa mit einem Dildo gleichsetzen. Du bist lediglich der Dildo dieser Person.
Wo wir gerade beim „Interesse am Menschen“ sind, möchte ich gerne zu einem Thema überleiten, über das ich mir in dieser Woche auch oft Gedanken gemacht habe. Mir ist nämlich klar geworden, wie mir mein bester Freund fehlt. Oder auch, wie es mir fehlt einen besten Freund zu haben. Eine rein platonische Beziehung zu einem Mann. Wo sind all die Männer-Freundschaften hin? Es gab ne Zeit, da hatte ich sogar einige davon. Wieso habe ich praktisch nur noch weibliche enge Freunde?
Mein bester Freund (ich nenne ihn immer noch so obwohl wir uns NIE sehen und ich weiss er nennt mich auch noch so, da ist ein unsichtbares Band) wohnt in einer anderen Stadt, hat wieder ne Freundin etc etc. Das ist auch so was, viele Freundschaften mit Männern verliefen sich im Sand, sobald die eine Beziehung hatten, das will mir nicht in den Kopf, klar lässt der Kontakt nach, aber wieso kann man eine Freundschaft nicht trotzdem pflegen? Keine Ahnug, auf jeden Fall fehlt mir der Austausch mit Männlichen Artgenossen ohne irgendwelche Absichten auf eine körperliche Beziehung. Aber das ist wohl etwa genau so schwer zu finden wie eine rein körperliche Beziehung. Man könnte jetzt sagen, wieso kann man nicht beides verbinden? Ganz einfach: weil’s nicht funktioniert! Schade eigentlich. Aber ja, das ist nicht das Thema. Freundschaft zwischen Mann und Frau. Frauengeschichten anhören, darüber lachen, sich für seinen besten Freund einsetzten und ihm mit Rat und Tat zur Seite stehen bei seinen Frauenproblemen. Mir die knallharte Wahrheit anhören wie „Wenn er nicht anruft, will er dich schlicht und einfach nicht“. Frauen sind selten so ehrlich. Ich will mit meinem besten Freund um die Häuser ziehn. Ihn unter den Tisch sauffen. Oder umgekehrt. Mit ihm über Lebensweisheiten diskutieren. Uns Gegenseitig Musik vorspielen. Mich in seinen Armen ausheulen. Versteht mich nicht falsch, ich liebe meine weiblichen Freunde, aber es ist halt einfach nicht das selbe. Man oder in diesem Falle Frau, braucht beides. Gesunder Ausgleich so zu sagen.
Aber andererseits kann ich die spannenden männlichen Personen die ich in den letzten Jahren kennen gelernt habe auch an einer Hand abzählen. Wo sind die guten Männer hin? Und ich meine das wie gesagt nicht mal Beziehungs technisch, davon fangen wir erst gar nicht an, aber wo sind alle anderen? Oder sind Männer heut zu Tage gar nicht mehr an platonischen Beziehungen zu Frauen interessiert? Sind wir nicht langsam in einem Alter, in dem das Möglich sein sollte? Oder sind sie einfach nicht an Freundschaft mit MIR interessiert, das ist natürlich eine Frage die man sich auch selbst stellen muss wenn man mal so schnell in die Welt hinaus bellt. Bin ich ein guter Freund? Was kann ich einem Menschen bieten? Was kann er von mir profitieren? Was habe ich zu geben? Was bin ich bereit zu tragen?
Damit wirft sich in mir eine weitere Frage auf, ich höre oft Leute sagen: „Ich habe genug Freunde“. Ich denke dann immer: Kann man wirklich genug Freunde haben? Kann man zu viele Freunde haben? Ist es nicht eine Verschwendung sich einer möglichen Freundschaft zu verwehren? Klar muss man abwägen, welche Freundschaft einem weiter bringt, und welche einem nur hindert. Da muss man ehrlich zu sich selbst sein. Dennoch denke ich sollten wir uns mehr öffnen bevor wir uns verwehren, denn man weis Anfangs nie was dahinter steckt.
Ums mit den Worten von Dead Prez zu sagen: Yeah, what you know about mind sex?