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Sonntag, 28. August 2011

SOFIA & BRUCE ODER KEINE LIEBESGESCHICHTE


Bruce Springsteen ist einfach ein geiler Hund. Er schafft es immer wieder mich fühlen zu lassen, als würde ich in THELMA & LOUISE anstelle von Geena Davis an der Seite von Susan Sarandon im Auto sitzen. THELMA & LOUISE sind für mich die Grössten. Schon als Kind waren die zwei Frauen auf der Flucht für mich der Inbegriff von Freiheit, Freundschaft, Sehnsucht und Idealen.

Ich höre also Springsteens SPIRIT IN THE NIGHT und schlendere kreuz und queer durch Sofia, trinke Cola aus der Dose und fühle genau dieses Feeling, welches nur Springsteen zu vermitteln mag. Und auf einmal mag ich diese eher etwas verschlafene bulgarische Hauptstadt. Ich habe mir heute zum Ziel gemacht, dieser Stadt neben dem Büchermarkt und dem gemütlichem Wohnzimmer des Hostels doch noch etwas gutes ab zu gewinnen. Das Sie keine klassische Schönheit ist, ist allseits bekannt und dennoch hat diese Stadt etwas, was mir sehr gut gefällt. Dieses trashige, dieses etwas verkommene vermischt mit Neuem. Diese unterschiedlichen Baustiele als hätten Sie aus jedem umliegendem Land etwas zusammen gepackt und daraus eine Stadt gebaut. Die Strassenbahnen erinnern an eine Zeit, die ich selbst nicht erlebt habe. So stelle ich mir Berlin zu Zeiten der DDR vor. Allgemein erinnert mich diese Stadt etwas an Berlin. Äusserster Ecken Kreuzberg, Sonntags 9 Uhr Vormittag. Sprich: Ausgestorben und ruhig um nicht zu sagen langweilig. Keine Ahnung ob sich hier nun wirklich alle noch an der Schwarzmeerküste den bulgarischen Ballermann geben oder ob der Grossteil der Bevölkerung der angeblich in der Hauptstadt wohnt nun doch die Freuden des Landlebens für sich entdeckt hat aber was mir hier fehlt ist: LEBEN. Dieser Ort ist ruhiger als Luzern und Offenburg zusammen. Dabei hätte die Stadt durchaus potential! Was hier extrem fehlt sind gemütliche, einladende Cafés, Bars und Restaurants. ich habe nach zwei Tagen Fussmarsch im Zik-Zak kein Einziges gefunden. Hier fehlt eine Langstrasse! Ein Ort der Jugend! Im Zentrum ist dieser jedenfalls nicht. Wahrscheinlich ist dieser einfach in Studentskigrad, das Studentendorf, aber da immer noch Ferien sind, ist auch dieses zur Zeit ausgestorben.

Auch ist Sofia nicht wirklich touristen-freundlich, so ist nur an den wenigsten Orten irgendetwas in lateinischen Buchstaben beschriftet. Zumindest am Busbahnhof und am Hauptbahnhof für internationale Züge würde es einiges vereinfachen und man müsste nicht immer jemanden fragen der sowieso kein Englisch spricht.

Die bulgarische Küche trifft genau meinen Geschmack. Viel Fleisch und noch mehr Fleisch. Den Wein allerdings fand ich zum weinen. Habe allerdings nur den einen Hauswein eines Restaurants versucht. Schmeckte wie abgestandener Moscato vom Vorabend. Der Espresso schmeckte auch nach drei Stückchen Zucker immer noch als hätten sie ihn mit Urin gekocht. Als ich den Ober fragte ob das normal sei, dass der so säuerlich schmeckt und darauf bestand, dass er ihn probierte und dieser mich nur belustigend ansah und meinte der sei doch ganz normal, da begann ich mich ernsthaft zu fragen ob nun mit meinen Geschmacksnerven was nicht stimmte oder mit seinen. Ich konnte das Ding beim besten Willen nicht runter würgen, also liess ich es beschämt stehen. Mit der Rechnung kam dann auch noch ein Dessert aufs Haus. Schon als ich dieses pinkige geschlaber sah wurde mir schlecht. Auch das noch! Ich würgte das Ding runter und verschwand in der Nacht.

Im Club mit dem viel versprechenden Namen AT THE END OF THE UNIVERSE kippte ich noch kurz nen Rum-Coke für umgerechnet 2.10 CHF. Unter anderen Umständen hätte das ein gefährlicher Abend werden können. Zum Glück war die Musik schlecht!

Ich hätte gerne mehr von der Bulgarischen Kultur kennen gelernt. Aber da sind die sprachlichen Barrieren noch höher als in der Türkei. Man muss sich schon intensiv mit den Sitten und Bräuchen auseinander setzen um die Menschen nicht aus Unwissenheit aus versehen zu beleidigen oder vor den Kopf zu stossen. So bedeutet hier etwa Kopfschütteln JA und ein Nicken NEIN. Ich wäre heute auch fast wieder darauf reingefallen. Jemandem PROST zu sagen sollte man auch vermeiden, heisst es hier zu Lande nämlich nichts anderes als DUMMKOPF.

Ich sitzte nun noch ein bisschen in meinem Wohnzimmer im Hostel, trinke Tee, welcher hier im Hostel umsonst ist, und quatsche ein bisschen mit dem Russen der schon darauf wartet, dass ich diesen Text hier endlich zu Ende bringe damit er mir eine Frage stellen kann.

Morgen heissts dann ab nach BELGRAD. Zugticket hab ich bereits im Sack. Ich freu mich wie Matze auf seinen 18.ten Geburtstag. ENDLICH FEIERN, ich war schon viel zu lange nicht mehr besoffen. Ich hatte seit Tagen nie mehr als zwei Bier pro Tag. Das soll sich morgen endlich ändern. Ach, ich hol mir jetzt n Bier, da komm ich heute wenigstens auch noch auf zwei. Dieses gesunde Leben bekommt mir nicht. Überhaupt bin ich zurzeit viel zu ausgeglichen, ich öde mich schon fast selbst an. Normalerweise hab ich ja immer mehr als genug mit mir zu tun, aber momentan fühlt es sich fast an als hätte ich Urlaub von mir selbst. Fühlt sich irgendwie seltsam an. Ich bin so ruhig und ausgeglichen drauf, es ist zum verrückt werden!

Freitag, 26. August 2011

Es reist wieder. Auf nach Sofia! Oder wieso man eben doch nicht Alles haben kann


Ich sitze in einem Internetcafe am Istanbuler Otogar. In etwa zwei Stunden geht mein Bus nach Sofia. Wenn ich auf etwas keine Lust habe momentan, dann ist es, wiesoll ich sagen, nun ja: SOFIA! Da kann man sich natuerlich nun fragen, was kauft sich die Alte n Ticket nach Sofia wenn die da eigentlich gar nicht hin will. Das ganze ist etwas kompliziert was widerum bei mir nichts sonderlich Aussergewoehnliches ist, das mit dem kompliziert meine ich.

Ich will wiedermal Alles und nichts. Ich will ueberall sein und nirgends. Ich will frei sein und suche dennoch Naehe. Ich will alles aufsaugen, alles erleben und erfahren aber doch nichts an mich heran lassen. Kurz: Ich hab heftig einen an der Klatsche. Eins am Sender. Ne Meise. Nein ich bin nicht betrunken! Im Gegenteil, ich hatte noch nicht mal ein einziges Bier heute. Ich bin nur ganz normal gestoert. Aber jetzt mal von vorn.

Wie viele wissen, ist Istanbul mein Mekka. Mein Zufluchtsort. Mein Heiligtum und mein Herz. Ich liebe diese Stadt wie keine Andere. Sie ist fuer mich die Eine. Jetzt zum Beispiel, groesste Hektik und Geschrei hier am Otogar, das Gebet ertoent, ich fuehle Frieden und Geborgenheit. Es hat etwas so friedvolles wie die Stimmen aus den Minaretten erklingen. Wie auch etwa die kurdischen Klagelieder vermitteln mir die Gebete wenn sie so schoen langgezogen werden eine Art inneren Frieden. Momentan ist Ramadan und desswegen eine besonders schoene Zeit in Istanbul. Da bis vor Sonnenuntergang nicht gegessen werden darf versammeln sich nach Einbruch der Dunkelheit ganze Familiensippen zum Picknik um die Hagia Sofia. Die Stimmung ist so friedvoll, man moechte sich sofort dazu setzen.

Wenn ich jetzt noch darueber schreibe fuehl ich mich gerade doppeld dumm das alles schon so frueh wieder zu verlassen. Aber wie gesagt ich bin im Klinsch.

Eigentlich wollte ich ja Ende August zurueck auf mein geliebtes Schiff, auf welchem ich im Juni so zu sagen die Zeit meines Lebens verbracht habe. Doch dann kam wieder die Sehnsucht nach Istanbul, meiner Liebsten. Ich wollte Sie unbedingt dieses Jahr noch sehen, zu gross war das Verlangen. Also beschloss ich von Istanbul nach Split zu reisen. Die ganze Zeit schon schmiede ich Plaene um sie dann wieder zu verwerfen, wer mich kennt, der weiss, das ich ganze Aktenschraenke mit Plaenen vorweisen koennte welche ich nur dazu erstellt habe um sie danach wieder zu verwerfen. Das selbe gilt fuer Vorsaetze, Regeln, Berufswuensche und so weiter. Sie dienen hauptsaechlich der Beschaeftigung meiner selbst und dem Selbsttrug sich vorzuspielen seine Zeit sinvoll zu gestalten. Aber Plaene sind auch etwas fuer Langweiler. Wenn etwas schon zu fest geplant ist und die Spontanitatet auf der Strecke bleibt schlaeft mir das Gesicht ein. Desswegen muss man da eben manchmal etwas vom Weg abweichen um wieder Spannung ins Spiel zu bringen. Man steigt beispielsweise einfach mal Hals ueber Kopf in einen Bus nach Kroatien oder man buche mal aus lauter Panik vor Naehe und Langeweile ein Ticket nach Sofia. Aus Istanbul versteht sich. Der schoensten Stadt der Welt.

Nun gut, ich hatte schon immer eine etwas masochistische Ader. Vielleicht finde ich auch desswegen so grossen Gefallen an einer Kultur in der sich die Frauen den Maennern unterwerfen und sich selbst und ihre Traeume aufgeben sobald sie mal einen Braten in die Roehere geschoben bekommen haben.
Auf jeden Fall verlief eigentlich alles wie geschmiert um nicht zu sagen perfekt. In Istanbul angekommen legte ich mich erstmal fuer einen kleinen Powernap im Hostel hin num danach etwas durch die Strassen zu schlendern und an jeder Ecke was zu Essen. Wie schon so viele male zuvor liess ich mich wider auf einen Cay bequatschen und folgte dem Herrn in einen Teppichladen um die Ecke. Das ist immer eine gute Moeglichkeit um umsonst Tee zu trinken und wenn man ablehnt sind die Haendler auch immer so beleidigt also geh ich bei einem von drei jeweils auf einen kurzen Smalltalk und einen Cay in ihren Laden. Als ich wieder auf der Strasse war strahlte mich ein junger Herr an und begruesste mich. Ich setzte mein charmantestes kleines Maedchen Laecheln auf und fragte mich sogleich wesshalb. Bei genauerem Hin sehen sah ich, dass ich diesen jungen Herrn kannte. Die Haare waren anders aber er war es zweifels los. Deniz arbeitete im Hostel als ich vor einem Jahr hier war. Damals waren wir beide betrunken und haben uns gekuesst. Am nachsten Tag war es uns beiden peinlich und somit zeigten wir uns gegenseitig die kalte Schulter. Aber jetzt strahlten wir uns nur beide an. Der Zufall, das wir uns ein Jahr spaeter in einer der groessten Staedte der Welt mal eben so per Zufall auf der Strasse begegneten hielt ich dann irgendwie doch fuer Schicksal. Deniz lud mich auf eine Tasse Cay ein und wollte wissen was ich hier mache. Ich erzaehlte ihm ich sei hier auf Arbeitssuche. Diesen Entschluss hatte ich erst Minuten vorher gefasst und frag mich jetzt keiner Warum! Ein Plan halt.

Er war wirklich der Beste, ueberlegte wirklich angestrengt wie er mir helfen koennte. ging mit mir Jobs durch, schaute mit mir im Internet Annoncen durch und legte fuer mich sogar ein Profil auf einer tuerkischen Stellenseite an. Er wollte mich ab heute bei sich wohnen lassen solange ich moechte und zudem wollte er mir eines seiner Handys schenken damit ich fuer die Jobsuche erreichbar und mit ihm in Kontakt bleiben kann solange ich bei ihm wohne und er in der Zwischenzeit im Sueden seine Familie besucht. Er hat mit mir ein Budget erstellt wieviel Geld ich hier monatlich brauchen wuerde und bot mir an tuerkisch bei zu bringen. Ich wuerde dafuer ca 3 bis 5 Monate brauchen. Im Gegenzug sollte ich ihm Deutsch beibringen. Ich hatte den sechser im Lotto gezogen, wollte ich doch schon immer mal fuer laengere Zeit in Istanbul bleiben. Leider hatten wir dann aus Versehen Sex. Wobei leider eigentlich das falsche Wort ist und ein Versehen war es nun auch nicht wirklich. Wir waren nicht mal betrunken. Danach qualmten wir noch ein bisschen sein kleines Zimmer voll, schauten irgend nen Film und das Leben war schoen. Doch als ich heute morgen aufwachte verspuehrte ich auf Einmal den dringenden Wunsch das Weite zu suchen. Also versetzte ich den netten Kerl am vereinbarten Treffpunkt und fuhr stattdessen zum Busbnahnhof und da es keinen Bus mehr nach Varna gab, von wo aus ich nach Vama Veche, das kleine rumaenische Hippiedorf an der Schwarzmeerkueste gab, kaufte ich ein Ticket nach Sofia. Der einzige Weg der heute noch aus der Tuerkei raus fuehrt. Und nun sitze ich hier auf meinem verfickten Ticket nach Sofia und frage mich wann ich eigentlich genau verrueckt geworden bin. So long...see you in Sofia...

Mittwoch, 17. August 2011

GEDANKEN UND SO

Ich habe lange nicht geschrieben. Obwohl, geschrieben habe ich schon aber ich war mir nicht sicher ob das, was ich geschrieben habe für Andere nachvollziehbar ist. Gedanken können ganz schön einsam machen. Und frei. Dennoch stellte ich mir in letzter Zeit oft die Frage: Ist das der Preis, den ich dafür bezahlen muss? Ist die absolute Freiheit, diejenige die nur in deinen Gedanken stattfinden kann, welche dich aber so frei macht das du vor lauter Freude weinst, ist diese Art von Freiheit automatisch mit dieser Einsamkeit verbunden, welche nur durch deine Gedanken hervor gerufen kann? Wie fest stehen Freiheit und Einsamkeit im Kontext und wie ist es möglich, sich darüber hinweg zu setzen? Muss man erst die absolute Einsamkeit finden um endlich frei sein zu können?

Diese Fragen gehen mir, seit meinem Kroatien Trip im Juni andauernd durch den Kopf. Ja, ich habe lange nicht geschrieben, aber ich hatte soviel zu sagen! Doch habe ich es nicht aus mir heraus gebracht. Aus Angst. Aus Angst, mit meinen Gedanken immer noch alleine zu sein nach dem ich sie geteilt habe. Ich denke, einsamer kann ein Mensch nicht mehr werden, als wenn er sich fühlt, als haben ihn alle für verrückt erklärt. Vieles wird in Frage gestellt. Freundschaften. Lebensarten. Lebenseinstellungen- und Auffassungen.

Als ich am 31. Mai 2011 Hals über Kopf in einen Bus in Richtung Kroatien gestiegen bin habe ich einen Entschluss gefasst:

ICH WILL MEHR!

Ich habe 26 Jahre damit verbracht, zu versuchen, verschiedenste Erwartungen zu Erfüllen, mich an zu passen, mich irgendwo rein zu quetschen, mich verbogen und verleugnet um es der Welt recht zu machen. Aber was gibt mir die Welt?

Dinge werden genormt, was von einer grossen Masse vertreten wird, wird als RICHTIG angesehen und alles wird da und dort nachgeplappert und akzeptiert weil es eben nun mal SO IST. Ideale gehen verloren, vergessen oder werden mit einem Lächeln abgetan. "Jaja, früher, da hatte ich noch Visionen." Ein oft gehörter Satz. Sind wir einfach zu Faul?

In Zürich werden höhere Bussen für Feierein im Frein verteilt, alles wird eingepfercht und verboten. Alles wird klein gemacht und in den Boden gestampft. SPASS HABEN VERBOTEN!

Und alles wird ohne weiteres akzeptiert und nicht hinterfragt. REVOLUTION WAR GESTERN.

Das stimmt mich traurig. WANN HABEN WIR EIGENTLICH ANGEFANGEN AUFZUGEBEN?

Ich mag mich damit nicht mehr abfinden! Und ich mag mich auch nicht mehr anpassen. Und ich mag meine Zeit auch nicht damit verschwenden, mich mit Dingen auf zu halten die mich nicht weiter bringen oder mir gar im Weg stehen.

Ich habe genug, von Intoleranz und von Menschen die sich über andere Stellen und dabei vergessen ihr eigenes Leben zu leben.

Und ich habe auch so was von genug von dieser Intoleranz in der Zürcher Technoszene, von welcher ich mir einiges mehr versprochen habe. Hier einen auf Hippie machen aber rücklings die totale Intoleranz. Dabei hat es so viele spannende Menschen. So viele verschieden Charakteren. Aber ja nicht die Kontrolle verlieren.

ZÜRICH, VERLIER DOCH BITTE MAL DIE KONTROLLE! WAS SOLL DAS GANZE DENN SONST?

STEH MAL FÜR DICH EIN, DEINE IDEALE, DEINE VISONEN UND TU WAS DU MAGST. AUCH WENN DER PREIS DAFÜR DIE EINSAMKEIT IST MACHEN SIE DICH DENNOCH FREI!