Bruce Springsteen ist einfach ein geiler Hund. Er schafft es immer wieder mich fühlen zu lassen, als würde ich in THELMA & LOUISE anstelle von Geena Davis an der Seite von Susan Sarandon im Auto sitzen. THELMA & LOUISE sind für mich die Grössten. Schon als Kind waren die zwei Frauen auf der Flucht für mich der Inbegriff von Freiheit, Freundschaft, Sehnsucht und Idealen.
Ich höre also Springsteens SPIRIT IN THE NIGHT und schlendere kreuz und queer durch Sofia, trinke Cola aus der Dose und fühle genau dieses Feeling, welches nur Springsteen zu vermitteln mag. Und auf einmal mag ich diese eher etwas verschlafene bulgarische Hauptstadt. Ich habe mir heute zum Ziel gemacht, dieser Stadt neben dem Büchermarkt und dem gemütlichem Wohnzimmer des Hostels doch noch etwas gutes ab zu gewinnen. Das Sie keine klassische Schönheit ist, ist allseits bekannt und dennoch hat diese Stadt etwas, was mir sehr gut gefällt. Dieses trashige, dieses etwas verkommene vermischt mit Neuem. Diese unterschiedlichen Baustiele als hätten Sie aus jedem umliegendem Land etwas zusammen gepackt und daraus eine Stadt gebaut. Die Strassenbahnen erinnern an eine Zeit, die ich selbst nicht erlebt habe. So stelle ich mir Berlin zu Zeiten der DDR vor. Allgemein erinnert mich diese Stadt etwas an Berlin. Äusserster Ecken Kreuzberg, Sonntags 9 Uhr Vormittag. Sprich: Ausgestorben und ruhig um nicht zu sagen langweilig. Keine Ahnung ob sich hier nun wirklich alle noch an der Schwarzmeerküste den bulgarischen Ballermann geben oder ob der Grossteil der Bevölkerung der angeblich in der Hauptstadt wohnt nun doch die Freuden des Landlebens für sich entdeckt hat aber was mir hier fehlt ist: LEBEN. Dieser Ort ist ruhiger als Luzern und Offenburg zusammen. Dabei hätte die Stadt durchaus potential! Was hier extrem fehlt sind gemütliche, einladende Cafés, Bars und Restaurants. ich habe nach zwei Tagen Fussmarsch im Zik-Zak kein Einziges gefunden. Hier fehlt eine Langstrasse! Ein Ort der Jugend! Im Zentrum ist dieser jedenfalls nicht. Wahrscheinlich ist dieser einfach in Studentskigrad, das Studentendorf, aber da immer noch Ferien sind, ist auch dieses zur Zeit ausgestorben.
Auch ist Sofia nicht wirklich touristen-freundlich, so ist nur an den wenigsten Orten irgendetwas in lateinischen Buchstaben beschriftet. Zumindest am Busbahnhof und am Hauptbahnhof für internationale Züge würde es einiges vereinfachen und man müsste nicht immer jemanden fragen der sowieso kein Englisch spricht.
Die bulgarische Küche trifft genau meinen Geschmack. Viel Fleisch und noch mehr Fleisch. Den Wein allerdings fand ich zum weinen. Habe allerdings nur den einen Hauswein eines Restaurants versucht. Schmeckte wie abgestandener Moscato vom Vorabend. Der Espresso schmeckte auch nach drei Stückchen Zucker immer noch als hätten sie ihn mit Urin gekocht. Als ich den Ober fragte ob das normal sei, dass der so säuerlich schmeckt und darauf bestand, dass er ihn probierte und dieser mich nur belustigend ansah und meinte der sei doch ganz normal, da begann ich mich ernsthaft zu fragen ob nun mit meinen Geschmacksnerven was nicht stimmte oder mit seinen. Ich konnte das Ding beim besten Willen nicht runter würgen, also liess ich es beschämt stehen. Mit der Rechnung kam dann auch noch ein Dessert aufs Haus. Schon als ich dieses pinkige geschlaber sah wurde mir schlecht. Auch das noch! Ich würgte das Ding runter und verschwand in der Nacht.
Im Club mit dem viel versprechenden Namen AT THE END OF THE UNIVERSE kippte ich noch kurz nen Rum-Coke für umgerechnet 2.10 CHF. Unter anderen Umständen hätte das ein gefährlicher Abend werden können. Zum Glück war die Musik schlecht!
Ich hätte gerne mehr von der Bulgarischen Kultur kennen gelernt. Aber da sind die sprachlichen Barrieren noch höher als in der Türkei. Man muss sich schon intensiv mit den Sitten und Bräuchen auseinander setzen um die Menschen nicht aus Unwissenheit aus versehen zu beleidigen oder vor den Kopf zu stossen. So bedeutet hier etwa Kopfschütteln JA und ein Nicken NEIN. Ich wäre heute auch fast wieder darauf reingefallen. Jemandem PROST zu sagen sollte man auch vermeiden, heisst es hier zu Lande nämlich nichts anderes als DUMMKOPF.
Ich sitzte nun noch ein bisschen in meinem Wohnzimmer im Hostel, trinke Tee, welcher hier im Hostel umsonst ist, und quatsche ein bisschen mit dem Russen der schon darauf wartet, dass ich diesen Text hier endlich zu Ende bringe damit er mir eine Frage stellen kann.
Morgen heissts dann ab nach BELGRAD. Zugticket hab ich bereits im Sack. Ich freu mich wie Matze auf seinen 18.ten Geburtstag. ENDLICH FEIERN, ich war schon viel zu lange nicht mehr besoffen. Ich hatte seit Tagen nie mehr als zwei Bier pro Tag. Das soll sich morgen endlich ändern. Ach, ich hol mir jetzt n Bier, da komm ich heute wenigstens auch noch auf zwei. Dieses gesunde Leben bekommt mir nicht. Überhaupt bin ich zurzeit viel zu ausgeglichen, ich öde mich schon fast selbst an. Normalerweise hab ich ja immer mehr als genug mit mir zu tun, aber momentan fühlt es sich fast an als hätte ich Urlaub von mir selbst. Fühlt sich irgendwie seltsam an. Ich bin so ruhig und ausgeglichen drauf, es ist zum verrückt werden!