
Irgendwie krieg ich`s nicht hin zu schreiben. Ich dachte, ich hätte endlich genug Zeit um zu schreiben wenn ich wieder alleine unterwegs bin, doch meine Gedanken verstecken sich schön brav in meinem Kopf. Sie versuchen zwar den Weg auf das Papier, oder in diesem Falle; auf den Bildschirm zu finden, aber jedes Mal, wenn ich versuche sie nieder zu schreiben, verstecken sie sich wie kleine Kinder beim Versteckspiel.
Es ist keineswegs so, dass ich nichts zu sagen hätte. Im Gegenteil, die letzten drei Wochen in denen ich unterwegs war, waren auf unterschiedlichste Weise intensiv. An den ersten zwei Wochen kaue ich heute noch. Ich bin weit davon entfernt sie verbal zu verarbeiten, zu tief sitzen diese Erfahrungen in meinem Inneren. Sie haben sich ihr Nest gebaut und klammern sich an mein Innerstes wie Affen an Bäume.
Immer, wenn mir ein Thema durch den Kopf geht, und ich anschliessend versuche darüber zu schreiben sind die vorgängigen Gedanken nicht mehr greifbar. Als wollten sie nur allein bei mir bleiben, als fürchten Sie sich vor der Aussenwelt. Bei mir fühlen sie sich sicher. Gut aufgehoben in den Tiefen meiner Gedanken. Sie scheren sich nicht darum, wie ich mich dabei fühle, es ist ihnen egal, dass ich sie mit niemandem teilen kann und ihnen somit alleine ausgeliefert bin.
Schreiben ist ein Prozess. Ein Prozess der Verarbeitung der Gedanken des Schreibenden. Es ist dieses Gefühl, dass die Gedanken erst ihre vollendete Gestalt annehmen, wenn sie nieder geschrieben sind. Erst wenn ein Gedanke ausgesprochen oder nieder geschrieben wird nimmt er seine finale Form an, alles was zuvor war, ist bloss ein Entwurf. Ein Entwurf dessen, was unsere Gedanken im Begriff sind auszulösen. Eine Skizze des Lebens. Der Menschen. Des menschlichen Denkens. Ja unserer ganzen Existenz. „Achte auf deine Gedanken, sie sind der Anfang deiner Taten“ hat mein Lehrmeister während meiner Ausbildung immer und immer wieder zu mir gesagt. Damals hatte ich noch keine Ahnung, dass ich Jahre später erst wirklich den Sinn dieser Worte begreifen würde. Ich war Achtzehn. Ich hatte keine Ahnung. Keine Ahnung, wie oft ich in meinem Leben noch an diese Worte zurück denken würde.
Deine Gedanken sind alles. Alles beginnt und endet bei deinen Gedanken. Alles Gute, alles Schlechte. Die wahre Schönheit, die tiefsten Abgründe. Sie sind der Mutterleib und unser Sterbebett. Sie sind das Blut, das in unseren Adern fliesst. Sie sind die Luft die wir atmen, die Liebe die uns Berge versetzen lässt. Sie sind die Kinder, die unser Leben lebenswert machen. Sie sind was wir sind. Was wir waren und immer sein werden.
Ja, wir sollten auf sie achten. Sie beschützen wie einen Schatz, auf sie achten wie auf unsere Kinder, und dennoch sollten wir sie sich frei entfalten lassen, genau wie unsere Kinder. Den im Grunde sind sie genau das. Sie sind unser Ebenbild und dennoch besitzen sie eine Kraft, die wir nicht imstande sind zu unterdrücken, zu verändern oder zu beeinflussen. Sie sind wie ein eigenes Wesen, doch im Gegensatz zum Umgang mit unseren Kindern, bestimmen wir, wir alleine, was wir mit ihnen machen. Mit wem wir sie teilen und welchen Weg wir sie gehen lassen. Und genau das ist unsere Herausforderung. Unsere Lebensaufgabe. Die Art, wie wir mit ihnen umgehen, bestimmt schlussendlich unser Leben. Sie vermag uns in die Knie zu zwingen genau so wie sie es vermag, uns unendlich frei zu fühlen. Unsere Gedanken und unser Umgang mit ihnen sind der Samen. Sie schwimmen in uns herum in der Hoffnung auf Leben. Es liegt ganz bei uns, es ihnen zu schenken.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen