
Das Hostel roch nach Schimmel und machte nicht wirklich einen einladenden Eindruck. Ich war müde – die Busfahrt hatte mich wider Erwarten doch ziemlich erschöpft – doch ich musste hier schnellst möglichst wieder raus. Musste raus auf die Strasse. Raus in die Nacht. Ich hüpfte kurz unter die Dusche und danach wieder auf die Strasse auf deren Anderen Seite sogleich das Türkische Viertel lag. Die Müdigkeit machte sich in meinen Beinen bemerkbar also wählte ich das erst beste Lokal aus und gönnte mir mein erstes SARAJEVSKO Pivo und eine Portion Cevapi. Danach schlenderte ich noch eine Weile durch die Strasssen. Obwohl Freitag Abend war und ziemlich viele Leute unterwegs waren strahlte diese Stadt eine zu tiefst entspannende Ruhe aus. Nach den eher hektischen Tagen in Belgrad kam mir das gerade recht. Wie auch in Istanbul, liegt auch über dieser Stadt oder sagen wir über diesem Stadtviertel etwas Magisches. Die kleinen Häuschen wirkten wie Puppenhäuser und die kleinen Stühle und Tische erinnerten mich natürlich sofort an meine Liebste (Istanbul). Aber was in Sarajevo den wohl deutlichsten Unterschied macht, sind die Menschen. Aber das sollte ich am nächsten Tag noch genauer Erfahren.
Am nächsten Morgen ging ich erst mal auf einen BOSANSKI KAVA (Bosnischer Kaffee) in das Türkische Viertel. Dieser wird mit einer kleinen Kanne serviert, welche man einige Minuten stehen lassen sollte, um dann mit dem Löffel den Schaum in die Tasse zu geben und danach den Kaffee ein zu giessen. Dies dient ähnlich wie beim türkischen Kaffee dazu, dass man nicht den ganzen Kaffeesatz im Mund hat.
Danach kaufte ich in einem der unzähligen Geschäften ein solches Kaffeeset für meinen lieben Freund Mickey. Oh Mickey. Wenn ein Mensch auf dieser Welt ein Mitbringsel aus Sarajevo verdient hat, dann Mickey. Mickey der eigentlich Miroslav heisst war ein Angestellter auf dem Schiff, auf welchem ich im Juni in Kroatien gelandet bin und danach auch gearbeitet habe. Er war so zu sagen das Herz des Schiffes. Die gute Seele. Oder wie ich zu sagen pflege: EINE REINE SEELE. Ich habe in meinem Leben mittlerweile vier von diesen reinen Seelen getroffen. Man erkennt Sie an ihren Augen. Die Augen sind ja bekanntlich das Tor zur Seele. Sie strahlen diese ganz spezielle Ruhe aus und sie haben etwas an sich was ungeheuer viel an Vertrauen, Wärme und Geborgenheit ausstrahlt. In ihrer Gegenwart fühlt man sich sofort wohl und man fragt sich vielleicht anfangs wesshalb das so ist. Schaut dir so eine reine Seele mit diesem ganz speziellen Blick in die Augen, fühlt es sich manchmal so an, als wäre dir eine tonnen schwere Last von den Schultern genommen worden. Besser kann ich es nicht erklären, aber eines ist sicher. Man wird es fühlen, wenn man so eine reine Seele trifft.
Wie dem auch sei, Mickey ist eine von ihnen. Er ist gebürtiger Bosnier und kam wegen der Arbeit nach Kroatien. Ich wollte ihm etwas aus seiner Heimat mitbringen und da er es war, der mich lehrte den Bosnischen Kaffee zu zubereiten, erschien es mir als das passende Geschenk. Seine Augen die glänzten und sein Blick als ich ihm bei meiner Rückkehr nach Kroatien das Geschenk überreichte werde ich nie vergessen. Genau so wenig wie die darauf folgende Umarmung. Ich könnte jedes Mal weinen vor Freude wenn ich an diesen Menschen denke. Ein Geschenk des Himmels, ein Engel der unter uns wandelt und die Welt ein kleines bisschen besser macht. Auf seine ganz eigene Art und Weise.
Ich weiss nicht ob es an dem Land liegt, an seiner Vergangenheit oder seiner Geschichte. Ich weiss nicht was es genau ist. Aber ich habe in meinem Leben noch nie so wohl wollende, freundliche und hilfsbereite Menschen getroffen wie in Bosnien. Vor allem in Sarajewo. Wie zum Beispiel dieser Engel der mich auf der Strasse zusammen gelesen hat als ich vor Schmerzen wimernd am Boden vor einer geschlossenen Apotheke kauerte und nicht mehr weiter wusste. Ich hatte eine allergische Reaktion und geriet in Atemnot und dementsprechend in Panik. Dieser Mann nahm mich am Arm, fuhr mich in die Notaufnahme und bezahlte die ganze Rechnung, fuhr mich zurück ins Hostel und gab den Angestellten Geld, damit sie auf mich aufpassten. Einfach so.
Wenn man so in die Welt hinaus schaut sieht man sehr viel Schlechtes. Trauriges. Herzzerreissendes. Bedrohliches. Angsteinflössendes. Viele Menschen machen sich und ihre Umwelt kaputt. Schätzen nichts und niemanden, haben nichts mehr zu verlieren, haben keine Hoffnung mehr. Aber einige wenige haben diese reine Seele. Sie sehen auf den ersten Blick aus wie du und ich. Es liegt in ihren Augen. Diese Menschen, Engel oder was immer sie auch sind, sie sind es die die Herzen der Menschen wärmen. Sie sind es, die uns an das Gute glauben lassen. Oder besser noch: die uns Hoffnung geben. Sie machen uns stark. Aber vor allem machen sie eines: Dankbar. Ich bin dankbar um jeden von ihnen, den sie halten die Menschen zusammen.
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