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Dienstag, 28. September 2010

Villah Nah – Herbsterguss aus Finnland


Ich bin im Himmel. Glaub ich. Vielleicht auch nicht, und wenn doch, dann ist Petrus wohl grad im Urlaub. Zwar wer sagt das im Himmel stets schönes Wetter herrscht? Steht das in der Biebel? Egal. Vielleicht Träum ich auch nur. Nein, Joaquin Phoenix ist nirgends zu sehen. Leider. Wahrscheinlich hab ich einfach nur eine himmlische, traumhafte, ja grossartige musikalische Entdeckung gemacht.

Ich habe die perfekte Herbstmusik entdeckt. Mit dem neuen lässigen Anorak durch den Josefpark in Richtung Langstrasse schlendern, die orange-gelben Blätter, die (kitschiger gehts nicht) auf mein vom Wind zersaustes Haar fallen und diese Klänge im Ohr. Vor mir das andeutende Gefühl eines neu bevor stehenden Lebensabschnitts, hinter mir ein Sommer mit dem man satte zwei Leben hätte füllen können.

Zwar wurde dieses Piece of Art bereits im Frühjahr releast, aber insgeheim war es sicher für den Herbst bestimmt. Oder es wurde letzten Herbst aufgenommen. Es ist einfach Herbst. Da gibt’s nichts zu rütteln. Dass ein Song auf dem Album AUTUMN GONE heisst ignorieren wir jetzt einfach mal knallhart.

Die zwei wow ich werde immer wieder durch wows und oh`s und ah`s unterbrochen. Vielleicht sollte ich aufhören diese Musik zu hören während ich das hier schreibe. Aber ich kann nicht. Ich kann nicht aufhören mir dieses Album anzuhören. Ich muss seit einer Stunde aufs Klo, eine Zigarette würde ich auch gerne wieder mal rauchen. Aber es geht nicht. Ich kann nicht aufstehen.

Also ich mach sie jetzt aus. Die Musik. Also die zwei Typen sind aus Finnland, haben keine eigene Website, auf Myspace sind nur die Tourdaten bis zum 8. November aufgeführt – was ich schon mal zu Kotzen finde – aber natürlich kommen sie eh erst 2015 mal ins Käseland, wesshalb es eigentlich auch keine Rolle spielt und der Rest interessiert mich momentan nicht. Ok, ich gebs zu, eigentlich will ich einfach nur die Musik weiter hören, denn das ist das Einzige was mich interessiert. Die Musik. Und das sie Skandinavier sind. Also gut, den Namen des Debuts verrate ich euch noch. Es nennt sich ORIGIN. Und es ist, es ist... ich finde keine Worte, hörts euch einfach an . JETZT. LOS. SOFORT! Ach ja und die Jungs nennen sich VILLAH NAH. Imfall.

Hier ein kleiner Vorgeschmack:

Montag, 27. September 2010

Bekentnisse einer Nachtschwärmerin oder der Besuch im Wunderland


Ich war am Samstag im Wunderland. Nein, ich habe kein LSD genommen und ich hab mir auch keine DVD des Kassenschlagers mit einer Dame namens Alice ausgeliehen. Ich war im Hive. Scheisse war das geil! Und ich möchte hier nun mal einige Dinge klar stellen. Man mag das Feiern verfluchen und man mag uns Suchende nennen. Man mag uns von mir aus auch mit „auf der Flucht sein“ beschimpfen. Ich selbst bin regelmässig im Klinsch. Ausgang, Party, durchdrehn vs. Kuchen backen, lesen und Flohmarkt. Aber das eine schliesst das Andere ja nicht aus. Also bin ich am Samstag um neun Uhr aufgestanden, bin Kaffee trinken gegangen, hab nen Brief geschrieben und habe den ganzen Tag in der Stadt verbracht. Wie Erwachsen. Am Abend musste ich aber dann doch das Kind raus lassen und hab mich voll gepackt mit nem Haufen Süssigkeiten und einem Taxi voll mit Freunden in den Hive Club bringen lassen.

Das klingt jetzt nicht wahnsinnig sensationell wenn man bedenkt, dass ich öfter dort bin als zu Hause. Desswegen wird der Club meines Vertrauens auch liebevoll DIHIVE genannt. Dies setzt sich aus den Worten DIHEI und (drei mal raten) HIVE zusammen. An dieser Stelle möchte ich die Wabe an der Geroldstrasse mal richtig loben. Man mag sie Mainstream nennen und sie mag vielleicht auch nicht der Dachkantine das Wasser reichen, aber Fakt ist, dass sich diese Jungs echt Mühe geben und keine Deko-Herausforderung sie davon abhalten kann den Club immer wieder aus neue in einem anderen Licht erscheinen zu lassen.

Somit komme ich nun wieder auf vergangenen Samstag zurück. Das Motto war Wunderland und die Atmosphäre war Märchenhaft. Das eine oder andere Wunder wurde vollbracht, beispielsweise von LEXY, der diesen Wahnsinns Remix gemacht hat von DATA MC`s TOO YOUNG TO DIE. Und natürlich von ADRIAN FLAVOR der dieses Goldstück gegen Ende der Party durch das ganze Wunderland direkt in die Herzen der noch anwesenden Märchengestalten sendete. Es war der Wahnsinn. Ich habe sogar mit gesungen. An einer Technoparty hat man schliesslich nicht oft die Möglichkeit dazu.

Nun also hier das Pendent zu meinem frühren Text NACHTSCHATTENGEWÄCHS. Es kommt ja immer auf die Sichtweise an. Beides entspricht der Wahrheit. Der Punkt ist, wie man differenziert und wo man gerade steht. In welcher Phase seines Lebens, ist man zufrieden mit sich, seinem Leben etc. Und der eigentliche Kern-Punkt ist die Balance. Wichtiges Wort. BALANCE. Ich glaube das ist der Schlüssel. Ein vs. wird es immer geben. Es werden immer wieder Versuchungen auf uns zu kommen. Wir werden noch oft von unserem Gewissen heim gesucht und wir werden auch noch oft Dinge machen die wir später bereuen. Und das ist auch gut so. Ich für meinen Teil bin zurzeit so mit mir im Reinen wie ich es selten war und desswegen kann ich auch ohne mein Gewissen im Nacken feiern. Und ja, vielleicht bin ich doch auf der Flucht. Und ja, ich bin eine Suchende. Werde ich immer sein. Was soll man im Leben wenn nicht Suchen? Ich mag suchen. Aber es muss jetzt einfach mal gesagt sein, und ich habe lange gebraucht, sehr lange bis ich dieser Erkenntnis ins Auge sehen konnte. Die Wahrheit ist: ICH LIEBE FEIERN. Ich mag Parties. Ich bin die Party. Gut, das ist nun ein wenig übertrieben aber Party ist sicher ein Teil von mir. Wenn du nen Mann liebst der auf Fussball steht musst du das auch Akzeptieren. Ich bin halt n Mädel das gerne feiert. Warum auch nicht? Ich habe genug Gründe um zu feiern. Mir fallen auch immer wieder neue ein. Man kann auch mehrmals den selben Grund nehmen. Das geht gut. Zum Beispiel der SPASSFAKTOR, find ich übrigens auch ein gutes Wort. SPASSFAKTOR. Herrlich. Und ganz ehrlich, was soll ich denn sonst? Klar ich steh auf frühes Aufstehn am Samstag Morgen und auf den Flohmarkt zu gehen, Kaffee zu trinken und DAS MAGAZIN zu lesen. Aber ich steh einfach nicht drauf den Abend vor dem Fernseher zu verbringen und mit WETTEN DASS...? oder der MISS SCHWEIZ WAHL zu verblöden. Dann verblöd ich lieber im Club und sauff mir einige Hirnzellen weg. Wennschon dann solls wenigstens Spass machen. SPASSFAKTOR. Da ist er ja schon wieder.
Nur weil ich später mal ne Familie mit zwei gut aussehenden Kindern will, die Welt bereisen und darüber schreiben möchte und ich langsam in nem Alter bin, in dem man sich endlich mal benehmen sollte muss ich doch nicht zu Hause Däumchen drehen. Ich kann das gar nicht. Ich habs versucht, klappt nicht. Ich kann Gäste bekochen, Wäsche machen, lesen und später Fernsehen, aber wenn nicht um Mitternacht das Reissen kommt, dann kommts halt um zwei und dann geh ich eben raus. Basta. Ich könnte locker den Wettbewerb gewinnen als die Person die am meisten Sätze wie „Ez blib doch e mal diheime“ oder „Du musch mal chli zur Rueh cho“ gehört hat. Oder ich geh gleich zu WETTEN DASS...? Ich kanns einfach nicht. Ich brauche Action. Es muss was gehen. Seht es endlich ein. Das ist ein Teil von mir. So bin ich. Ich mag diese Welt in der vieles nicht echt ist. In der jeder seine Rolle spielt. Ich mag die andere Welt. Ja, sie mag oberflächlich sein und ja, das geht mir manchmal auf den Sack und ich finde alles unecht und verlogen. Aber manchmal brauch ich auch genau das. Die Oberfläche ist leicht. Hallo hier, Hallo Da, Jägermeister dort, Tanzen mit ihr und nachher mit ihm. Ich mag diese Leichtigkeit. Ich mag auch die betrunkenen Tiefgründigen Gespräche mit fremden Menschen an Partys an die ich mich morgen nicht mehr erinnern werde. Ist doch egal, das Gefühl, ein gutes Gespräch, einen lustigen Abend oder ne tolle Bekanntschaft gemacht zu haben reicht mir eigentlich völlig aus. Was interessieren mich die Dinge die ich vergessen hab. Und hört bitte endlich mal auf es persönlich zu nehmen wenn ich eure Namen nicht mehr weiss. Das hat nichts mit euch zu tun und an betrunkene Menschen sollte man sowieso keine Ansprüche stellen. Desswegen trinken wir ja, wir wollen keine Erwartungen erfüllen, wir wollen egoistisch sein und das machen worauf wir gerade Lust haben. Das heisst nicht das wir euch nicht mögen. Vielleicht mögen wir euch sogar sehr. Das wissen wir vielleicht nur in dem Moment gerade nicht mehr. Ihr dürft uns aber gerne daran erinnern. Wir wollen Spass haben. Wir sind (noch) jung und wir wollen feiern so lange wir das noch können. Irgendwann sind wir 45 und sitzen am Sonntagstisch bei den Schwiegereltern und denken an diese Zeit zurück. Und wir werden froh sein, sie gehabt zu haben. Wir werden uns an unsere wilden Zeiten erinnern in denen wir um diese Zeit wahrscheinlich erst aus einem Club raus gekommen sind und darüber diskutierten bei wem denn die heutige After Hour stattfinden soll. Dann werden wir unsere Kinder anschauen und wir werden feststellen wie schnell die Zeit ins Land streicht – und wir werden nichts missen.

Und noch was, es geht mir auf den Sack das in unserem Alter nicht mehr an Partys rumgeknutscht wird. Ich will wieder sechzehn sein. Das sollten wir echt wieder einführen. Ich will tanzen, Jägermeister trinken und auf der Tanzfläche von einem fremden gut aussehenden Mann geküsst werden. Das ist etwas das mir an den Technoparties gar nicht gefällt: Da sind die Meisten echt asexuell drauf. Lasst das! Das nervt!
Ach und es ist erst Montag. Und ich sollte mal was arbeiten. Oder zuerst doch noch ne Kippe rauchen gehen und noch ein bisschen vom Wunderland träumen.

Freitag, 24. September 2010

Oh du Liebe


Oh du Liebe.
Du, der es immer wieder vermag mich aufs Neue in seinen Bann zu ziehen.
Du, der meine Freude teilst, mein Weinen unterstreichst.
Du, der mich fühlen lässt, als würde etwas in mir zerspringen,
als würde die Welt in mir explodieren.
Du, der mich Bilder, Farben und Filme sehen lässt, als würde ich
ein anderes Leben führen, als würden wir alle ein anderes Leben führen.
Du, der mich an der Hand nimmt und mit mir durch einen Goldregen tanzt,
bis ans Ende der Zeit. Und noch weiter.
Du, der immer da sein wird, noch lange nach mir.
Du, der schönste von Allen.
Du, der Sound. Meines Lebens.
In guten wie in schlechten Zeiten. Und in allen anderen.
Du warst meine erste und du wirst meine Letzte sein.
Oh du Liebe. Melodie.

Donnerstag, 16. September 2010

Mann mit Gitarre


Ich möchte einen Mann mit Gitarre.
Einer der mir mit Zigarette im Mundwinkel Songs auf der Gitarre vorspielt während ich mit einem Glas Rotwein in der Hand auf dem Bett liege und über das Leben nachdenke. Einer wie Joaquin Phoenix in „Walk the Line“. Voller Leidenschaft. Kaputt. Einer der eher sterben würde als sich den Erwartungen der Gesellschaft unter zu ordnen. Einer der Stühle an Wände schmeisst. Ein Idealist. Ein Visionär. Einer der mir die Welt in lyrischer Form auf seiner Gitarre erklärt. Einer zum durchbrennen. Nur wir zwei. Und die Gitarre.

Mittwoch, 15. September 2010

A Writer's Life


Nach einer Durchzechten Nacht am Samstag entschied ich mich gestern mein Image wieder ins Gleichgewicht zu bringen und mich ein wenig kulturell fort zu bilden. Also besuchte ich eine Lesung im Kaufleuten. Der Autor, ein mittvierziger aus Houston, Texas hat ein Buch namens "The Passage" geschrieben. Dies ist sein dritter Roman. Seine zwei ersten Werke fanden nur wenig Beachtung, so dass er zusätzlich Englisch unterrichten musste um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Und dann schreibt er eben dieses Buch. Es schlägt ein wie eine Bombe. Bestseller weltweit. Übersetzung in 23 Sprachen. Riesige Summen für Filmrechte wurden geboten. Man muss sich das einmal vorstellen. Heute bist du der durchschnittliche Amerikanische Familienvater und morgen kennt dich die ganze Welt.

Mit grosser Faszination habe ich dem Autor gelauscht wie er dem Publikum seinen Werdegang beschrieb. Wie er von seiner Tochter erzählte, mit welcher er sehr viel Zeit verbrachte als er dieses Buch schrieb und ihn dazu inspierierte. "Ich will, dass du ein Buch schreibst, in dem ein Mädchen die Welt rettet" hat sie zu ihm gesagt.
Auch als er erzählte, dass er "Creative Writing" an einer Uni in Philadelphia unterrichtete, wurde ich hellhörig. Wie gerne würde ich doch so einen Kurs besuchen. Nur kann man diesen als normal Sterblicher an der Luzerner MAZ leider kaum bezahlen.

Ich malte mir aus, wie schön es sein muss, um die Welt zu reisen und Lesungen zu geben und ich dachte an Bukowski. Was würde ich dafür geben, einmal an einer Lesung vom Dirty Old Men dabei gewesen zu sein. Wer schon mal einen Bukowski gelesen hat, der weiss, dass seine Lesungen alles andere als gesittete Kulturelle Veranstaltungen waren.

Und ich dachte auch an Özdogan, der in einer seiner Kurzgeschichten davon erzählt, wie einmal nach einer Lesung eine Frau zu ihm kam mit einem Zettel in der Hand. Sie gab ihm den Zettel und bat ihn, ihr etwas gegen Liebeskummer auf zu schreiben. Er war überfordert und gerührt zu gleich. Er fühlte sich dieser Aufgabe nicht mächtig. Ich schreib doch bloss, ich bin kein Therapeut, ging es ihm durch den Kopf. Doch die Frau tat ihm leid und er fühlte sich irgendwie verantwortlich also schrieb er ihr etwas auf den Zettel.

Ich dachte darüber nach, was für ein Gefühl das sein muss, seine Leser mit dem was man schreibt zu berühren und dass da plötzlich ein Schwarm von Menschen kommt, nur um dich lesen zu hören. Ich dachte darüber nach, wie es wohl sein würde, mit dem was man am liebsten tut, seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Ich fand es faszinierend und beängstigend zu gleich. Wenn man von etwas lebt, ist es vielleicht bald nicht länger das, was man von Herzen tut, schliesslich geht es nun darum zu verkaufen, davon zu leben, es kann schnell zum Muss werden und die Liebe daran beeinträchtigen. Was, wenn man eine Schreibblockade hat?

Nichts desto trotz, ist das Leben eines Autors für mich das, was für andere das Leben eines Rockstars ist. Nach Lesungen mit Leuten noch ein Bier trinken, bis in die frühen Morgenstunden anregende Gespräche führen mit Menschen die man nie mehr wieder sehen wird. Fremde Länder bereisen. Jeden Tag eine neue Stadt. Neue Menschen. Neue Sprachen. Neues Glück. Hotelbars. Weisse Laken. Frühstücken in Strassencafés. Menschen inspirieren. Von Menschen inspiriert werden. Einsamkeit. Melancholie. Notizbücher. Der Wellt Hallo sagen.

Montag, 13. September 2010

Freitag, 10. September 2010

Engel


Er fragte sie warum die Kleine immer mit leuchtenden Augen an die Decke starrt und dabei lächelt.

Er erwartete keine Antwort denn eigentlich war es weniger eine Frage als mehr eine Kopfschüttelnde Bemerkung nebenbei.

Doch sie sah die Kleine an und lächelte das selbe Lächeln.

„Sie kann die Engel noch sehen“

Er schüttelte erneut den Kopf.

Er verstand nicht. Wie sollte er auch.

Istanbul Impressions

















Memories




Ich glaube, ich wollte immer schreiben, um meine Emotionen, meine Eindrücke und Gefühle zu einem späteren Zeitpunkt noch nachvoll ziehen zu können. Zu schnell gerät alles in Vergessenheit. Erlebtes erlischt viel zu schnell aus unserem Gedächtnis, als hätten wir es gar nie erlebt. Ein dicker Schleier wird um die Tage der Vergangenheit gehüllt. Versuchen wir uns gewisse Erlebnisse, Zeiten oder Phasen unseres Lebens in Erinnerung zu rufen, ist es oft so, als wären wir selbst nicht dabei gewesen. Als würde uns jemand eine Geschichte erzählen.

Doch gibt es dann wiederum Melodien oder Düfte die uns eine Ahnung dessen geben, was wir in bestimmten Momenten gefühlt haben.

Waren wir glücklich?

Oft hängt man mit Wehmut vergangenen Tagen nach obwohl man Mühe hat sich zu erinnern wesshalb.

Oft scheint es in der Gegenwart besser als es in der Vergangenheit tatsächlich war.

Ich erinnere mich, dass ich eines Tages beim aufräumen ein kleines Notizbüchlein gefunden habe. Als ich es aufschlug sah ich, dass es sich um mein altes Barbuch handelte, in welches ich mir Notizen wie etwa Lieferantenbestellungen, Einkaufslisten etc gemacht habe. Ich war damals neu in Zürich, hatte meinen Job in einer Werbeagentur an den Nagel gehängt und ordentlich die Nase voll von dieser mit Stress belasteten und oberflächlichen Branche, also fing ich an in der Bar eines Theaters an zu arbeiten.
Als ich etwas weiter blätterte entdeckte ich zwischen Cocktailrezepten und To-Do Listen plötzlich einen Text den ich angeblich mal verfasst haben musste. Ich erkannte mich zu dem Zeitpunkt, etwa zwei Jahre später in diesem Text überhaupt nicht wieder. Ich konnte mich nicht erinnern das geschrieben zu haben und noch fremder war mir, WAS ich da geschrieben habe. Mir tat dieses Mädchen, dass das geschrieben hatte irgendwie leid und gleichzeitig war ich schockiert, wie ich zu dieser Zeit drauf gewesen sein musste. Ich konnte mich nicht mit diesem Mädchen von früher identifizieren, so dunkel und schwarz waren die Gedanken die ich damals hatte. Und trotzdem war ich froh, diese Zeilen gefunden zu haben, denn mir wurde auf einmal bewusst, wie schnell man vergisst.

Ähnlich ist es bei Liebesbeziehungen. Zu schnell vergisst man den Schmerz den man durch die Liebe oder was sie mit sich bringt erfahren hat. Zu schnell verblassen die Erinnerungen an die Höllenqualen die man durchlitten hat. Desswegen fallen wir auch oft in ein und das selbe Muster zurück, suchen uns die falschen Männer aus, lassen uns erneut Schmerz zufügen, ja stechen uns gar das Messer selbst ins Herz.

Würde man sich noch an den Schmerz vom letzten Mal erinnern können, würde man vielleicht vorsichtiger werden, besser abwägen. Oder ist genau das Vergessen das Gute, das Echte daran? Würden die Erinnerungen nicht so schnell verblassen, würden wir uns dann gar keiner Leidenschaft, keiner Versuchung mehr hingeben? Würden wir Gefahr laufen, uns dem möglichen Glück zu verwehren?

Ist es der natürliche Schutzmechanismus des Menschen, dass man sich an gewisse Erlebnisse nicht mehr, oder nur vage erinnern kann? Oder dient er im Gegenteil dazu unseren Hunger am leben zu halten?

Es stimmt mich irgendwie traurig, dass ich mich an so vieles in meinem Leben nicht mehr erinnern kann, etwa an die Kindheit oder an die frühe Jugend.
Wie viele Erinnerungen an deine Kindheitstage kannst du ohne Probleme aufzählen? Ich meine nicht irgendwelche Anekdoten, die dir deine Mutter oder Verwandte erzählt haben. Ich meine Sequenzen an die du dich wirklich erinnerst. Ich komme etwa auf vier.

Ist das nicht traurig?

Wenn ich mal Kinder habe werde ich ihnen sobald sie Lesen und Schreiben können, eintrichtern Tagebuch zu führen. Ich glaube sie werden es mir eines Tages danken.

Ist sie doch unser grösster Schatz, unsere Erinnerung. Was wären wir bloss ohne unsere Erinnerung? Nichts. Gar nichts. Unsere ganze Identität, unser ganzes Sein basiert auf Erinnerungen. Erinnerungen an das, was uns zu dem gemacht hat was wir sind. An uns. Unser Leben. Unser selbst. Jeder Einzelne. Für sich selbst.

Dienstag, 7. September 2010

Smalltalk oder die Behindertheit gewisser Zeitgenossen


Als ich neulich Gast auf einer Hochzeitsparty war, wurde ich in einen Smalltalk verwickelt. Irgendwie kam dann mein kürzlich Istanbul-Trip zur Sprache. Mit leuchtenden Augen erzählte ich wie sehr mir diese Stadt gefällt worauf mein Gegenüber mich allen Ernstes in breitestem Boooslerdiitsch fragte: "Häts döt nit mega vill armi lütt?"

Ich glaubte mich verhört zu haben und sah mein Gegenüber ungläubig an. Ich wusste nicht was ich sagen sollte. Ich hätte ihm am liebsten eine gedonnert. Fremdschämen as it best!

Diese absurde Bemerkung liess mich danach nicht mehr los. Wie kann man allen Ernstes so etwas bescheuertes von sich geben? War der Typ echt so beschränkt oder wollte er mir vielleicht nur die Augen öffnen? Aber wenn jemand sagt, dass er gerade in New York war fragt ja auch keiner obs dort nicht viele arme Menschen gibt. Gibt's die nicht überall? Ich meine ich hätte mich nicht gewundert, wenn ich ein Krisengebiet wie den Irak bereist hätte. Da würde ich eine gewisse Skepsis durchaus nachvoll ziehen können. Aber Istanbul? European Capital of Culture 2010? Eine der Geschichtsträchtigsten Städte der Welt? Mein Gott wo zum Teufel im Basler Hinterland lebt der Alte? Hier einen auf Dekadent machen aber keine Ahnung von Tuten und Blasen haben. WIE VERBLÖDET SIND WIR EIGENTLICH? Das gibt mir echt zu denken!

Menschen, die solche Aussagen machen bestärken mich wieder einmal mehr der Annahme, dass ich hier einfach nicht hingehöre. Ich könnte mich noch Stunden lang aufregen. Lass ich jetzt aber. Verschwendete Energie. Ich könnte auch wieder mal meine "Stock-im-Arsch-Parolen" aus dem Nähkästchen holen. Lass ich jetzt aber auch. Denn ich habe in Istanbul leider einsehen müssen, dass ich, hähämm, hüstel, selbst nen verdammten Stock im Arsch hab. Ich war schockiert! Entsetzt! Da halfen auch noch so viele Daiquiris nichts. Also vergesst bitte alles was ich jemals über Leute mit Stock im Arsch geschrieben hab. Ich roll das Thema dann wieder auf sobald ich meinen geboren habe. Arschgeburt. Jawohl.