Seiten

Mittwoch, 15. September 2010

A Writer's Life


Nach einer Durchzechten Nacht am Samstag entschied ich mich gestern mein Image wieder ins Gleichgewicht zu bringen und mich ein wenig kulturell fort zu bilden. Also besuchte ich eine Lesung im Kaufleuten. Der Autor, ein mittvierziger aus Houston, Texas hat ein Buch namens "The Passage" geschrieben. Dies ist sein dritter Roman. Seine zwei ersten Werke fanden nur wenig Beachtung, so dass er zusätzlich Englisch unterrichten musste um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Und dann schreibt er eben dieses Buch. Es schlägt ein wie eine Bombe. Bestseller weltweit. Übersetzung in 23 Sprachen. Riesige Summen für Filmrechte wurden geboten. Man muss sich das einmal vorstellen. Heute bist du der durchschnittliche Amerikanische Familienvater und morgen kennt dich die ganze Welt.

Mit grosser Faszination habe ich dem Autor gelauscht wie er dem Publikum seinen Werdegang beschrieb. Wie er von seiner Tochter erzählte, mit welcher er sehr viel Zeit verbrachte als er dieses Buch schrieb und ihn dazu inspierierte. "Ich will, dass du ein Buch schreibst, in dem ein Mädchen die Welt rettet" hat sie zu ihm gesagt.
Auch als er erzählte, dass er "Creative Writing" an einer Uni in Philadelphia unterrichtete, wurde ich hellhörig. Wie gerne würde ich doch so einen Kurs besuchen. Nur kann man diesen als normal Sterblicher an der Luzerner MAZ leider kaum bezahlen.

Ich malte mir aus, wie schön es sein muss, um die Welt zu reisen und Lesungen zu geben und ich dachte an Bukowski. Was würde ich dafür geben, einmal an einer Lesung vom Dirty Old Men dabei gewesen zu sein. Wer schon mal einen Bukowski gelesen hat, der weiss, dass seine Lesungen alles andere als gesittete Kulturelle Veranstaltungen waren.

Und ich dachte auch an Özdogan, der in einer seiner Kurzgeschichten davon erzählt, wie einmal nach einer Lesung eine Frau zu ihm kam mit einem Zettel in der Hand. Sie gab ihm den Zettel und bat ihn, ihr etwas gegen Liebeskummer auf zu schreiben. Er war überfordert und gerührt zu gleich. Er fühlte sich dieser Aufgabe nicht mächtig. Ich schreib doch bloss, ich bin kein Therapeut, ging es ihm durch den Kopf. Doch die Frau tat ihm leid und er fühlte sich irgendwie verantwortlich also schrieb er ihr etwas auf den Zettel.

Ich dachte darüber nach, was für ein Gefühl das sein muss, seine Leser mit dem was man schreibt zu berühren und dass da plötzlich ein Schwarm von Menschen kommt, nur um dich lesen zu hören. Ich dachte darüber nach, wie es wohl sein würde, mit dem was man am liebsten tut, seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Ich fand es faszinierend und beängstigend zu gleich. Wenn man von etwas lebt, ist es vielleicht bald nicht länger das, was man von Herzen tut, schliesslich geht es nun darum zu verkaufen, davon zu leben, es kann schnell zum Muss werden und die Liebe daran beeinträchtigen. Was, wenn man eine Schreibblockade hat?

Nichts desto trotz, ist das Leben eines Autors für mich das, was für andere das Leben eines Rockstars ist. Nach Lesungen mit Leuten noch ein Bier trinken, bis in die frühen Morgenstunden anregende Gespräche führen mit Menschen die man nie mehr wieder sehen wird. Fremde Länder bereisen. Jeden Tag eine neue Stadt. Neue Menschen. Neue Sprachen. Neues Glück. Hotelbars. Weisse Laken. Frühstücken in Strassencafés. Menschen inspirieren. Von Menschen inspiriert werden. Einsamkeit. Melancholie. Notizbücher. Der Wellt Hallo sagen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen