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Mittwoch, 27. Oktober 2010

One Day It'll All Make Sense


Wie kann dieses Gefühl, diese unglaubliche Sehnsucht so stark sein? Versetze ich mich in Gedanken an bestimmte Orte in der Vergangenheit, welche ich bereist habe, empfinde ich für einen kurzen Moment dieses Gefühl von damals. Darauf folgt ein Klumpen im Magen der dermassen schmerzt, dass ich mich kaum noch auf irgend etwas anderes konzentrieren kann. Beispielsweise auf die Arbeit. Mir kullern Tränen in die Augen und ich fühl mich so leer, dass ich das Gefühl habe mich bald aufzulösen. Was zum Teufel mach ich hier eigentlich?
Ich sitze hier und warte. Und wie lange ich schon warte! Mein Leben besteht aus warten. Seit ich denken kann begleitet mich diese Sehnsucht durch mein Leben. Die Sehnsucht nach der weiten grossen Welt. Nach den Menschen dieser Erde. Nach dem Austausch. Nach den unendlich vielen Entdeckungen und Schätzen die diese Welt zu bieten hat.

Und dann habe ich etwas gefunden, was all diese Sehnsüchte in einem vereinte. Istanbul. Mein Märchen. Meine Zuflucht. Mein anderes ich. Mein wahres ich. Die Liebe meines Lebens.

Doch ich kann nicht dort sein. Ich bin hier in diesem verdammten drecks Zürich wo ich irgendwie versuche das Leben nicht so sehr zu hassen. Wo ich irgendwie versuche meine Arbeit zu machen, irgendwelchen Hobbies nach zu gehen und mich am Wochenende irgendwo ins Nirvana zu schicken.
Und es tut mir leid. Es tut mir leid für meine Freunde. Es tut mir leid, dass mir ihre Freundschaft nicht ausreicht, um hier glücklich zu sein. Denn das sollte sie. Wenn ich etwas habe, dann sind es gute Freunde. Die besten! Doch würde ich es dennoch vorziehen, alleine in Istanbul zu sein. Ich würde sie sicher vermissen wenn ich erstmal da wäre, aber wenn ich hier mit ihnen nicht glücklich werde, mit was dann?

Ich muss dahin, ich muss so sehr dahin. Wären mir nicht die Hände gebunden, ich würde sofort aufstehen und gehen. Ich würde nicht einmal zurück blicken. Es gibt nichts, wirklich nichts was mich hier hält. Alles was mir hier wichtig ist, ist grösser als Distanzen.

Jeden Tag könnte ich mich dafür Ohrfeigen, dass ich in meiner Jugend so leichtsinnig und naiv war. Ich hasse mich dafür, dass ich mir so früh meine besten Jahre ruiniert habe. Und ich hasse meine Umwelt dafür, dass mir keiner gesagt hat wie das nun alles geht. Ich hasse sie dafür, mir keine Bedienungsanleitung gegeben zu haben. Und ich hasse mich dafür, soviel Wut und Hass im Herzen zu haben. Ich verfluche meinen 18. Geburtstag. Ich verfluche mich dafür, nicht stark genug gewesen zu sein. Seit diesem verdammten 18. Geburtstag ging mein Leben bergab. Alles wurde zum Kampf. Alles war nur noch anstrengend und das schlimmste daran: das Bewusstsein, selbst an allem Schuld zu sein. Und ich büsse immer noch. Seit 8 Jahren büsse ich für meine Fehler und werde es auch noch einige Jahre tun müssen bis ich endlich frei bin.

Es ist schon seltsam. Du wirst geboren, hast die besten Voraussetzungen ein guter Mensch zu werden, doch dann wird dein Charakter geformt und du glaubst an etwas, an was es eigentlich nichts zu glauben gibt. Jedenfalls nicht von der Sicht der Masse. Der Norm. Du glaubst und du bist der Überzeugung, dass das was du glaubst richtig ist, und all die anderen Idioten einfach keine Ahnung haben. Doch du bist sechzehn, bist ein Idiot und hast keine Ahnung. Doch keiner wird dir das sagen weil du selbst lernen musst. Du lernst und du machst Fehler. Oder umgekehrt. Eines führt zum anderen, es ist wie Domino spielen. Und wenn dir damals mit sechzehn jemand gesagt hätte, dass du acht Jahre später im Büro sitzen, mit dieser Sehnsucht und diesem Schmerz des Bedauerns im Bauch zum Fenster hinaus schauen- und das hier schreiben wirst, hättest du dich dann anders entschieden? Wohl kaum.

„One Day It'll All Make Sense“

Wie ich bereits sagte: ich warte.

Donnerstag, 21. Oktober 2010

Der Dreschboden der Liebe


Ich habe über Freundschaft geschrieben, über die Stadt meines Herzens, über das Reisen, über Musik, über Glück, Entscheidungen, Schmerz, nervige Menschen, dumme Menschen, tolle Menschen. Ich habe über Wertvorstellungen geschrieben, über Dankbarkeit, über die Stock-im-Arsch-Generation, über Suchende, über Parties. Ich habe über die leidenschaftliche Selbstzerstümmelungs-Kultur geschrieben, über Emotionen und über Empathie, doch über eines habe ich nie geschrieben: Über die Liebe. Handeln doch etwa 80% aller Songs von ihr, wurden abertausende von Büchern über sie geschrieben und zig Filme gedreht. Vergeht doch kein Tag, an dem ich mir nicht den Kopf über sie zerbreche, mir nicht vorstelle, wie sie wohl ist, wie sie sich wohl anfühlt.

Die meisten Texte haue ich schnell während der Arbeit in die Tasten. Bei fast allen habe ich am Anfang des Textes eigentlich noch keine Ahnung, was ich genau schreiben will. Ich schreibe einfach mal drauf los, weil ich dieses Zucken in den Fingern verspüre oder weil mir meine Arbeit mal wieder dermassen auf den Sack geht, dass ich mir durch ein paar Worte wieder etwas Energie verschaffe. Selbsttherapie. Es geht dabei oft weniger um das Geschriebene selbst, als um die Tätigkeit zu schreiben.

Doch über die Liebe zu schreiben erschien mir immer als etwas Grosses, als etwas, dass mit Bedacht geschrieben werden muss. Man macht sich nackt, entblösst sein Innerstes. Auch dachte ich immer, über die Liebe zu schreiben sei irgendwie langweilig, wie oben erwähnt wurde sie ja schon mehr als genug wiedergekaut und schlussendlich kommt ja doch praktisch jede Liebesgeschichte auf einen gemeinsamen Nenner: Sie zerbricht.

Ich möchte hier nun aber nicht die 3824597862te Liebesgeschichte nieder schreiben. Kann ich gar nicht. Ich möchte die Liebe auch nicht analysieren, auch zu dem bin ich nicht im Stande. Die Wahrheit ist, ich feier in zwei Monaten meinen sechsundzwanzigsten Geburtstag und ich habe noch nie geliebt. Klar war ich schon diverse Male verknallt, fasziniert, was weiss ich, doch ich habe nie geliebt. Ich habe weder eine Ahnung davon, was es heisst zu lieben, noch wie es sich anfühlt, geliebt zu werden. Ja, ich liebe meine Freunde und ich werde von meinen Freunden geliebt und für diesen kostbaren Schatz bin ich unendlich dankbar. Auch für die Liebe meiner Eltern und jene meines Bruders, obwohl er diese nicht wirklich zeigen kann, weiss ich doch, dass sie da ist. Doch ich spreche hier von einer anderen Liebe. Von der Liebe zwischen Mann und Frau. Von der aufrichtigen und von tiefstem Herzen kommenden, innigen Liebe. Ich spreche von dieser Liebe, die nicht nur auf einem Abkommen, einem Kompromiss mit sich selbst basiert. Diese Liebe, die nichts mit dem Nicht-allein-sein-können zu tun hat. Ich spreche von dieser Liebe aus den Songs, den Filmen und den Büchern. Diese Liebe, die über alles hinausgeht, die grösser ist, als alles was man an Gefühlen bis anhin kannte. Nicht diese Liebe, die einem Sicherheit gibt. Ich meine diese Art von Liebe, die Menschen in den Wahnsinn treibt.

Und dann sehe ich all diese gebrochenen Menschen. Menschen, welche die Liebe zu Grunde gerichtet hat. In diesen Momenten bin ich froh, nie geliebt zu haben, nie diesen unglaublichen Schmerz eines solchen Verlustes gefühlt zu haben. Doch dann stelle ich mir selbst die Frage: was ist besser, nie geliebt zu haben, nie zu erfahren, wie sich Liebe anfühlt und dafür nicht verletzt zu werden und diesen schlimmen Schmerz zu empfinden, oder aber mit Haut und Haaren zu lieben, Achterbahn zu fahren, vom himmlischen Hoch bis hin zu den tiefsten Abgründen der Menschlichen Seele zu pendeln und dafür alles in Kauf nehmen, koste es was es wolle? Oder seit bestehen der Menschheit auch eine beliebte Variante, die Sicherheitsnummer zu wählen, die gradlinige „Liebe“, kein Rauf, kein Runter, Harmonie ohne zu grosse Emotionen, dafür nicht allein sein.

Letztere Variante kommt für mich nicht in Frage, könnte ich doch selbst nicht in den Spiegel schauen. Wurde ich gefragt, antwortete ich stets mit Variante A, doch eigentlich weiss ich, dass Variante B, also die schmerzvolle Variante, die einzig Wahre ist. Trotzdem will ich mein Glück nicht von der Liebe abhängig machen. Ich habe gelernt, allein zu sein, Dinge für mich selbst zu machen, meinem Leben einen anderweitigen Sinn zu geben und wenn ich all die Beziehungen um mich herum beobachte, bin ich selten neidisch. Es gibt wenige Beziehungen, die wirklich funktionieren. Doch sehe ich dann ein altes Ehepaar, welches immer noch die Liebe im Herzen trägt und diese sogar für mich als Aussenstehende sichtbar ist, dann kommt auf einmal die ganze Leere in mir hoch und übergibt sich direkt auf meine Füsse. Und auch wenn solche Szenen für unsere Generation eher unrealistisch sind, und ich mir selbst einrede, längst nicht mehr an die Liebe zu glauben, so wird mir doch in solchen Momentan klar, dass es einzig und allein darum geht. Um die Liebe. Unser ganzes Sein, all unser Schaffen und Tun beläuft sich schlussendlich auf die Liebe. Alles was wir machen, tun wir im entfernten Sinn doch nur deshalb, um uns für andere Menschen attraktiv und liebenswert zu machen. So schliesst sich der Kreis. Der Anfang ist das Ende.


Es ist wie Khalil Gibran sagte:

„Wenn die Liebe dir winkt, folge ihr, sind ihre Wege auch schwer und steil. Und wenn ihre Flügel dich umhüllen, gib dich ihr hin, auch wenn das unterm Gefieder versteckte Schwert dich verwunden kann. Und wenn sie zu dir spricht, glaube an sie, auch wenn ihre Stimme deine Träume zerschmettern kann wie der Nordwind den Garten verwüstet. Denn so wie die Liebe dich krönt, kreuzigt sie dich. So wie sie dich wachsen lässt, beschneidet sie dich. So wie sie emporsteigt zu deinen Höhen und die zartesten Zweige liebkost, die in der Sonne zittern, steigt sie hinab zu deinen Wurzeln und erschüttert sie in ihrer Erdgebundenheit. Wie Korngarben sammelt sie dich um sich. Sie drischt dich, um dich nackt zu machen. Sie siebt dich, um dich von deiner Spreu zu befreien. Sie mahlt dich, bis du weiss bist. Sie knetet dich, bis du geschmeidig bist. Und dann weiht sie dich ihrem heiligen Feuer, damit du heiliges Brot wirst für Gottes heiliges Mahl.

All dies wird die Liebe mit dir machen, damit du die Geheimnisse deines Herzens kennen lernst und in diesem Wissen ein Teil vom Herzen des Lebens wirst. Aber wenn du in deiner Angst nur die Ruhe und die Lust der Liebe suchst, dann ist es besser für dich, deine Nacktheit zu bedecken und vom Dreschboden der Liebe zu gehen. In die Welt ohne Jahreszeiten, wo du lachen wirst, aber nicht dein ganzes Lachen, und weinen, aber nicht all deine Tränen.“



In diesem Sinne, JA! Ich will das Echte, mit allem Drum und Dran. Ich nehme den Schmerz in Kauf. Denn wer nie geliebt hat, hat nie richtig gelebt.

Dienstag, 19. Oktober 2010

The Truth is...

„ A Baby is born, crying out for attention“. Ja, ich will Aufmerksamkeit. Wer nicht? Ich stehe mit dem Namen CRYING OUT FOR ATTENTION sogar dazu, einfach damit dieses Thema mal erledigt ist. (Ja, auch für dich werter Herr Vater). Und Ja, ich musste auch noch einen Blog haben. Und jetzt?! Mir ist bewusst, dass es mittlerweile mehr Blogs im WORLD WIDE WEB als Fotogeile TILLLATE-Schlampen im KAUFLEUTEN gibt. Mir ist auch bewusst, dass es vielleicht gerade mal knapp 5 Leute gibt, die meine Seelenkotze überhaupt regelmässig lesen, geschweige denn, das es jemanden überhaupt ernsthaft interessiert was in meinen Gedanken gerade so abgeht, ist doch jeder schon genug mit seinen eigenen beschäftigt. Und überhaupt , wer bin ich schon? Niemand.

Ich arbeite weder bei 20 Minuten, noch bin ich DJ, ich bin keine Stylistin, ich bin kein Model und kein IT-Girl. Ich habe kein Praktikum bei einem berühmten Designer gemacht und ich kann weder singen noch besitze ich sonst irgend ein musisches Talent. Ich bin in keiner Tanzgruppe und ich besitze auch kein Rennvelo. Ich war noch nie an einer Modeschau und ins RIMINI gehe ich nur an der Streetparade. New York kenne ich nur aus Filmen und Cupcakes sind mir irgendwie zu süss. In der ZUKUNFT bin ich nach fünf Minuten gelangweilt und zudem ist mir der Raum zu niedrig. Stattdessen bin ich Stammgast im HIVE. Ich hab weder die DACHKANTINE richtig miterlebt noch konnte ich mich zu den Stammgästen der HERMETSCHLOO zählen. Ich hatte auch nicht 1991 schon „eis Hosebei dobe gha“. Für mich war weder BIG L noch NOTORIOUS BIG best Rapper alive. Ich bin keine Besitzerin eines Cafes in Wiedikon und ich wohne auch nicht in der Langstrasse (leider). Ich studiere weder Modedesign noch besitze ich einen Master of Arts. Mein Lieblingsessen ist nicht Sushi und abgesehen von dem wirklich guten Alpenkräuter Eistee könnt ihr mir mit eueren BIO/ÖKO/WEISSDERTEUFELWAS-PRODUKTEN mal schön nach Guantanmo auswandern. Ich hab eine Abneigung gegen die Bäckeranlage und Männer mit hautengen Röhrenjeans, kariertem Hemd und Kulturbeutel lösen bei mir Brechreiz aus. Ich trinke Dosencola für mein Leben gern und AFRICOLA würde ich höchstens als Wurfgegenstand benützen. Mein Lieblingssender ist nicht ARTE, dafür schaue ich jede noch so dumme Amerikanische Seifenoper. Ich verliebe mich regelmässig in fiktive Serienstars oder Filmfiguren, man nehme zb. Jack aus LOST oder Peter aus HEROES. In diesen Darsteller war ich übrigens schon bei GILMORE GIRLS verliebt. Ganz unten in der dunklen Schublade sitzt noch PAUL KALKBRENNER der meine Libido in BERLIN CALLING aufblühen liess. Auf Konzerten schaue ich meistens nach fünfzehn Minuten auf die Uhr und frage mich wie lange die mich da vorne auf der Bühne noch langweilen wollen und wünsche mich insgeheim in die Bar gegenüber vom Club. Ich verstehe den Hype um dieses BARBRA STREISAND Teil von DUCK SAUCE hinten und vorne nicht (Danke Janine Yvette!) und höre dafür heimlich LADY GAGAS „ALEJANDRO“. Ich kaufe Kleider im TALLY WEIJL und in der MIGROS weil ich nicht einsehe, dass ich für eine Leggins das 8-Fache im AMERICAN APPAREL ausgeben soll.

Ich bin also ein ganz normales Mädchen aus Hinterpfüpfelshausen am Kackpiss welches gerne einfach mal in die Welt hinaus schreien möchte. Ja, ich will Aufmerksamkeit. Ja ich will gehört werden und ja ich habe was zu sagen. Nicht immer, nein. Manchmal bekommt ihr auch einfach nur die Ergüsse meiner vom Alltag gelangweilten Hirngespinsten ab. Doch manchmal hab ich was zu sagen, etwas das ich für wichtig halte gesagt zu werden. Und wenn es auch nur eine einzige Person gibt, die durch diese Worte berührt wird oder vielleicht sogar ähnlich denkt, dann hat sich das Ganze für mich mehr als ausreichend gelohnt. Und falls nicht, so lohnt es sich trotzdem. Für mich. Denn es ist raus und die Worte fliegen nun irgendwo in der grossen weiten virtuellen Welt herum, und wer weiss, vielleicht fängt sie ja jemand ein und behaltet sie eine Weile bei sich.

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Gefühle auf dem Riesenrad oder die verweichlichung der Gesellschaft

Es sticht. Und dann das Riesenrad. Ich weiss nie ob ich es nun lieben oder doch einfach hassen soll. Jetzt hass ich es gerade. Oder nein, eigentlich mag ich es. Oder auch nicht. Ich kann mich nicht entscheiden. Das ist die Gratwanderung der Melancholie. Es ist wie Seiltanzen, man balanciert, schwankt immer ein bisschen rechts, ein bisschen links. Ich meine dieses Gefühl in der Bauchregion wenn du einen Song hörst mit dem du viel verbindest. Nebst der Aktivierung des Kopfkinos werden dir feine Nadelstiche in den Bauch versetzt, bei mir ist es meistens etwas unterhalb der rechten Brust in der Rippen-Gegend. Piecks. Aua. Und dann eben das Riesenrad. Dein Magen fühlt sich an wie ein Tag auf dem Rummel. In der Gondel, dieser Moment auf der Kippe, da wo es wieder runter geht und dein Magen sich ganz komisch, aber irgendwie aufregend an fühlt. Ein bisschen wie verliebt sein. Wo andere Schmetterlinge im Bauch haben, hab ich ein Reisenrad im Bauch. "Schmetterlinge im Bauch" – das ist doch irgendwie abartig. Das waren einst Raupen. Welcher halbwegs vernünftige Mensch will schon Raupen im Bauch? Und wer will schon vernünftig sein? Ich hasse vernünftige Menschen. Die sind so... na so vernünftig halt. Egal ich schweife ab. Ich höre heute wieder mal ZWICKER FEAT HEIDI HAPPY - WHO YOU ARE in rotation. Ich sollte es mir endlich mal verbieten. Während ich hier nämlich die ganze Zeit gestochen werde und mir vom Riesenrad fahren schon zum kotzen zu Mute ist, zeigt das Kopfkino Bilder von der einen Stadt. DIE STADT. Ihr wisst schon. Es ist wie ein Verflossener über den ich nicht hinweg komme. Denke ich an die Stadt, werde ich umgehend sentimental, emotional gestört, wehmütig und einfach nur traurig. Doch dann sehe ich die schönen Bilder und ich empfinde wieder diese Gefühle die ich damals hatte und in solchen Momenten bin ich dankbar, dass ich überhaupt noch fähig bin so zu fühlen. Ich bin ein emotionaler Krüpel. Doch jetzt in diesem Moment wo ich das so nieder schreibe merke ich, dass das einfach nur ein Haufen Scheisse ist. Ich bin nämlich sehr wohl fähig Gefühle zu empfinden. Und das schlimme daran: ZU VIEL. Zu viel ist nie gut. NIE. Zu viel Geld, zu viel Macht, zu viel trinken. Zu viel ist schlecht.

Ich habe mal eine Freundin gefragt, ob es sein kann, das mit meinem Herz irgendwas nicht stimmt, denn oft kommen mir gegen meinen Willen die Tränen. Ich beschrieb ihr meine Symptome: Ich bin ab den absurdesten Sachen gerührt. Einmal musste ich weinen weil ich eine Menschenmenge jubeln sah an der WM. Wie sie da jauchzten und diese Freude in den Gesichtern, das war zu viel für mich. Ich heul auch wenn in einem Film die Katze stirbt. Mir tut es im Herzen weh, wenn ich alte Menschen sehe, wie sie mit sich mit ganzer Kraft abmühen um aus dem Bus zu steigen. Oder alte Menschen generell, diese von Leben gezeichneten Gesichter. Meine Freundin sah mich mit verwundertem Blick an und meinte: "Stéphie, das nennt man Empathie". Ich liess mir sagen, dass das keine Lebensbedrohliche Krankheit, sondern die Fähigkeit sei, mit zu fühlen. Ich liess mir auch sagen, dass wenn alle Menschen empathisch wären, wir in einer besseren Welt leben würden. Ich persönlich empfinde diese so genannte Empathie oft eher als Fluch. Sie ist aber wohl der beste Beweis dafür, dass ich doch kein emotionaler Krüppel bin. Doch wären alle Menschen so, mein Gott, man muss sich das mal vorstellen. Dann wären ja alle andauernd am rum heulen. Die WM wäre wortwörtlich zum heulen. Nebst dem Weltfrieden wäre das höchstens noch für die Taschentuchindustrie lukrativ. Oder vielleicht noch für einen Autor der dann ein Buch schreiben würde mit dem Titel DIE VERWEICHLICHUNG DER GESELLSCHAFT. Wie unsexy.

Freitag, 1. Oktober 2010

Entscheidungen


Wann ist der beste Augenblick, der ideale Moment um wichtige Entscheidungen zu treffen? Wann ist eine Entscheidung emotional, wann rational? Wie finde ich den passenden Moment um zu sagen jetzt, ja jetzt kann ich frei von Emotionen eine gute Entscheidung treffen, die mir das Leben erleichtert. Wie gross ist die Rolle des Bauchgefühls mit ein zu beziehen? Wo siegt der Verstand, wo der Affekt? Ist nicht generell das was wir fühlen, oder eben nicht fühlen das Wichtigste, DAS ENTSCHEIDENDE? Andauernd hört man von aussen Sätze wie „Mach nicht etwas was du später bereuen wirst“ oder „Schlaf noch ne Nacht drüber“ was sicher generell ein gut gemeinter Rat ist. Aber ist es nicht dennoch einfach ein Verzögern, ein Durchbeissen? Schläft man nämlich ne Nacht drüber, verblasst die Emotion wieder, die Kreuzung wo eine Entscheidung fällig war oder wäre, rückt wieder in die Ferne. Man resigniert.

Die ganze Sache kann nun also nüchtern betrachtet werden. Alles sieht wieder viel harmloser aus. Ach, so schlimm ists nun ja auch wieder nicht, geht schon noch. Doch einige Zeit später wird man wieder an der alt bekannten Kreuzung stehen. Du kannst zwar die Richtung ändern, doch nicht den Weg.

Also stelle ich mir die Frage, wann lohnt sich dieses Hinauszögern, wann lohnt sich dieses ewige auf-den-nächsten-Knall-warten. Lohnt es sich überhaupt? Ist Vernunft ein ausreichendes Argument wenn dein Seelenfrieden auf dem Spiel steht? Wie wird diese Gleichung berechnet? Wo bleibt die Waage? Oder anders gefragt, WAS stellen wir NICHT über unser Seelenwohl? In einer leistungsorientierten Gesellschaft wie unserer wohl eine etwas erübrigende Frage.