Es sticht. Und dann das Riesenrad. Ich weiss nie ob ich es nun lieben oder doch einfach hassen soll. Jetzt hass ich es gerade. Oder nein, eigentlich mag ich es. Oder auch nicht. Ich kann mich nicht entscheiden. Das ist die Gratwanderung der Melancholie. Es ist wie Seiltanzen, man balanciert, schwankt immer ein bisschen rechts, ein bisschen links. Ich meine dieses Gefühl in der Bauchregion wenn du einen Song hörst mit dem du viel verbindest. Nebst der Aktivierung des Kopfkinos werden dir feine Nadelstiche in den Bauch versetzt, bei mir ist es meistens etwas unterhalb der rechten Brust in der Rippen-Gegend. Piecks. Aua. Und dann eben das Riesenrad. Dein Magen fühlt sich an wie ein Tag auf dem Rummel. In der Gondel, dieser Moment auf der Kippe, da wo es wieder runter geht und dein Magen sich ganz komisch, aber irgendwie aufregend an fühlt. Ein bisschen wie verliebt sein. Wo andere Schmetterlinge im Bauch haben, hab ich ein Reisenrad im Bauch. "Schmetterlinge im Bauch" – das ist doch irgendwie abartig. Das waren einst Raupen. Welcher halbwegs vernünftige Mensch will schon Raupen im Bauch? Und wer will schon vernünftig sein? Ich hasse vernünftige Menschen. Die sind so... na so vernünftig halt. Egal ich schweife ab. Ich höre heute wieder mal ZWICKER FEAT HEIDI HAPPY - WHO YOU ARE in rotation. Ich sollte es mir endlich mal verbieten. Während ich hier nämlich die ganze Zeit gestochen werde und mir vom Riesenrad fahren schon zum kotzen zu Mute ist, zeigt das Kopfkino Bilder von der einen Stadt. DIE STADT. Ihr wisst schon. Es ist wie ein Verflossener über den ich nicht hinweg komme. Denke ich an die Stadt, werde ich umgehend sentimental, emotional gestört, wehmütig und einfach nur traurig. Doch dann sehe ich die schönen Bilder und ich empfinde wieder diese Gefühle die ich damals hatte und in solchen Momenten bin ich dankbar, dass ich überhaupt noch fähig bin so zu fühlen. Ich bin ein emotionaler Krüpel. Doch jetzt in diesem Moment wo ich das so nieder schreibe merke ich, dass das einfach nur ein Haufen Scheisse ist. Ich bin nämlich sehr wohl fähig Gefühle zu empfinden. Und das schlimme daran: ZU VIEL. Zu viel ist nie gut. NIE. Zu viel Geld, zu viel Macht, zu viel trinken. Zu viel ist schlecht.
Ich habe mal eine Freundin gefragt, ob es sein kann, das mit meinem Herz irgendwas nicht stimmt, denn oft kommen mir gegen meinen Willen die Tränen. Ich beschrieb ihr meine Symptome: Ich bin ab den absurdesten Sachen gerührt. Einmal musste ich weinen weil ich eine Menschenmenge jubeln sah an der WM. Wie sie da jauchzten und diese Freude in den Gesichtern, das war zu viel für mich. Ich heul auch wenn in einem Film die Katze stirbt. Mir tut es im Herzen weh, wenn ich alte Menschen sehe, wie sie mit sich mit ganzer Kraft abmühen um aus dem Bus zu steigen. Oder alte Menschen generell, diese von Leben gezeichneten Gesichter. Meine Freundin sah mich mit verwundertem Blick an und meinte: "Stéphie, das nennt man Empathie". Ich liess mir sagen, dass das keine Lebensbedrohliche Krankheit, sondern die Fähigkeit sei, mit zu fühlen. Ich liess mir auch sagen, dass wenn alle Menschen empathisch wären, wir in einer besseren Welt leben würden. Ich persönlich empfinde diese so genannte Empathie oft eher als Fluch. Sie ist aber wohl der beste Beweis dafür, dass ich doch kein emotionaler Krüppel bin. Doch wären alle Menschen so, mein Gott, man muss sich das mal vorstellen. Dann wären ja alle andauernd am rum heulen. Die WM wäre wortwörtlich zum heulen. Nebst dem Weltfrieden wäre das höchstens noch für die Taschentuchindustrie lukrativ. Oder vielleicht noch für einen Autor der dann ein Buch schreiben würde mit dem Titel DIE VERWEICHLICHUNG DER GESELLSCHAFT. Wie unsexy.
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