
Wie kann dieses Gefühl, diese unglaubliche Sehnsucht so stark sein? Versetze ich mich in Gedanken an bestimmte Orte in der Vergangenheit, welche ich bereist habe, empfinde ich für einen kurzen Moment dieses Gefühl von damals. Darauf folgt ein Klumpen im Magen der dermassen schmerzt, dass ich mich kaum noch auf irgend etwas anderes konzentrieren kann. Beispielsweise auf die Arbeit. Mir kullern Tränen in die Augen und ich fühl mich so leer, dass ich das Gefühl habe mich bald aufzulösen. Was zum Teufel mach ich hier eigentlich?
Ich sitze hier und warte. Und wie lange ich schon warte! Mein Leben besteht aus warten. Seit ich denken kann begleitet mich diese Sehnsucht durch mein Leben. Die Sehnsucht nach der weiten grossen Welt. Nach den Menschen dieser Erde. Nach dem Austausch. Nach den unendlich vielen Entdeckungen und Schätzen die diese Welt zu bieten hat.
Und dann habe ich etwas gefunden, was all diese Sehnsüchte in einem vereinte. Istanbul. Mein Märchen. Meine Zuflucht. Mein anderes ich. Mein wahres ich. Die Liebe meines Lebens.
Doch ich kann nicht dort sein. Ich bin hier in diesem verdammten drecks Zürich wo ich irgendwie versuche das Leben nicht so sehr zu hassen. Wo ich irgendwie versuche meine Arbeit zu machen, irgendwelchen Hobbies nach zu gehen und mich am Wochenende irgendwo ins Nirvana zu schicken.
Und es tut mir leid. Es tut mir leid für meine Freunde. Es tut mir leid, dass mir ihre Freundschaft nicht ausreicht, um hier glücklich zu sein. Denn das sollte sie. Wenn ich etwas habe, dann sind es gute Freunde. Die besten! Doch würde ich es dennoch vorziehen, alleine in Istanbul zu sein. Ich würde sie sicher vermissen wenn ich erstmal da wäre, aber wenn ich hier mit ihnen nicht glücklich werde, mit was dann?
Ich muss dahin, ich muss so sehr dahin. Wären mir nicht die Hände gebunden, ich würde sofort aufstehen und gehen. Ich würde nicht einmal zurück blicken. Es gibt nichts, wirklich nichts was mich hier hält. Alles was mir hier wichtig ist, ist grösser als Distanzen.
Jeden Tag könnte ich mich dafür Ohrfeigen, dass ich in meiner Jugend so leichtsinnig und naiv war. Ich hasse mich dafür, dass ich mir so früh meine besten Jahre ruiniert habe. Und ich hasse meine Umwelt dafür, dass mir keiner gesagt hat wie das nun alles geht. Ich hasse sie dafür, mir keine Bedienungsanleitung gegeben zu haben. Und ich hasse mich dafür, soviel Wut und Hass im Herzen zu haben. Ich verfluche meinen 18. Geburtstag. Ich verfluche mich dafür, nicht stark genug gewesen zu sein. Seit diesem verdammten 18. Geburtstag ging mein Leben bergab. Alles wurde zum Kampf. Alles war nur noch anstrengend und das schlimmste daran: das Bewusstsein, selbst an allem Schuld zu sein. Und ich büsse immer noch. Seit 8 Jahren büsse ich für meine Fehler und werde es auch noch einige Jahre tun müssen bis ich endlich frei bin.
Es ist schon seltsam. Du wirst geboren, hast die besten Voraussetzungen ein guter Mensch zu werden, doch dann wird dein Charakter geformt und du glaubst an etwas, an was es eigentlich nichts zu glauben gibt. Jedenfalls nicht von der Sicht der Masse. Der Norm. Du glaubst und du bist der Überzeugung, dass das was du glaubst richtig ist, und all die anderen Idioten einfach keine Ahnung haben. Doch du bist sechzehn, bist ein Idiot und hast keine Ahnung. Doch keiner wird dir das sagen weil du selbst lernen musst. Du lernst und du machst Fehler. Oder umgekehrt. Eines führt zum anderen, es ist wie Domino spielen. Und wenn dir damals mit sechzehn jemand gesagt hätte, dass du acht Jahre später im Büro sitzen, mit dieser Sehnsucht und diesem Schmerz des Bedauerns im Bauch zum Fenster hinaus schauen- und das hier schreiben wirst, hättest du dich dann anders entschieden? Wohl kaum.
„One Day It'll All Make Sense“
Wie ich bereits sagte: ich warte.
danke für die texte...
AntwortenLöschenlese sie gerne und erkenne irgendwie viel wieder...
Sehr richtig erkannt: Alles macht irgendwie Sinn und hat einen Grund.Das ist nicht einmal esotherisch gemeint, sondern schlicht und einfach Lebenserfahrung. Man kann es auch als Alter bezeichnen.
AntwortenLöschenUnd irgendwann - ja, ist leider so - erkennt man "Es" hoffentlich, das "Wieso" und "Warum".
Wieso das so ist und wozu es gut sein soll, hat sich mir allerdings noch nicht erschlossen. Und wird es vielleicht auch nie. Und möglicherweise geht es auch nur darum, dass wir das Beste daraus machen. Das was wir als Bestes empfinden.