
Es gab da diesen Tag im Sommer. Die Sonne scheint, es ist heiss und die Schweissperlen glänzen auf der Haut. Du trittst im luftigen Sommerkleid auf die Strasse, gute Musik im Ohr und du bist gespannt was du heute alles erleben wirst. Du hast dieses Kribbeln im Bauch, etwas ungewisses, etwas schönes und es lässt dich auf der Strasse hüpfen. Du erfreust dich ab dem Leben. Diesem wundersamen Leben welches du irgendwie nicht greifen kannst, was dir so unfassbar ist wie das Universum. Du freust dich auf dein Leben. Auf die guten Momente die du erleben wirst, auf die Menschen die du treffen wirst, auf die Länder die du bereisen wirst. Auf Orte, Lieder, Beziehungen und Begegnungen die dir Glück bringen werden, die dich weiter bringen, die dich fordern, die dich lieben werden und solche die dich lieben lassen werden.
Ich erinnere mich an den Tag an dem ich mit diesem Gefühl in den Tag hinaus tritt. Ich habe keine Ahnung was danach passiert ist, ob ich nun Baden gegangen bin oder ob ich mich mit jemandem getroffen habe. Ich weiss auch nicht, ob ich mit dem selben Gefühl wieder nach Hause gekommen bin. Wahrscheinlich nicht. Aber darum geht es auch nicht.
Dieses Jahr war für viele Menschen in meinem Umfeld ein sehr schwieriges Jahr. Vieles ging kaputt, Beziehungen, Freundschaften, Familien, Seelen. Auch für mich war diese Jahr nicht einfach. Ich führte einen Kampf. Diesen Kampf führte ich zwar schon seit Jahren aber in diesem Jahr war es zum Duell gekommen, eins gegen eins. Ich gegen mich. Der Kampf kam zu keinem Ende, mit hingebungsvoller Ausdauer wurde ein unermüdliches Gefecht geführt. In meinem Jungen Leben bin ich in diesem Jahr an meinem persönlichen Tiefpunkt angekommen. Und anscheinend muss es mir da irgendwie gefallen haben. Keine Ahnung, vielleicht gab es viel zu Essen oder die machten gute Drinks oder aber es lief schöne Musik. Das ist schon die halbe Miete. Aber das spielt eigentlich keine Rolle, der Punkt ist, dass ich dann doch wieder die Treppen hoch gestiegen bin um mal im Erdgeschoss zu klingeln aber entweder war da grad keiner zu Hause oder ich rutsche auf einer Bananenschale aus und landete rücklings wieder auf dem kalten Kellerboden. In diesem Moment gab es weder was zu Essen, noch war da irgendwie eine Bar zu sehen und an Musik war nicht einmal zu denken. Da war nur dieser harte, kalte Boden und die Dunkelheit. Stille. Furchtbare, erdrückende Stille. Aber mit der Zeit lebst du dich im Kellergeschoss irgendwie ein. Du arrangierst dich, findest dich mit der Situation ab. Du denkst, du hast nichts besseres verdient, manche Menschen gehören halt einfach in den Keller und damit meine ich jetzt nicht diejenigen, die da runter gesperrt werden. Ich meine diejenigen, die sich keine Wohnung im Erdgeschoss oder in der zweiten Etage gönnen. Es muss ja nicht immer gleich die Dachwohnung mit Terrasse sein. Es ist Krank, wir Menschen sind krank, die einen sperren Menschen in den Keller, andere werden in den Keller gesperrt und wiederum andere sperren sich selbst in den Keller. Irgendwie sind wir alle ein bisschen Kellerkinder. Jedenfalls die blinden unter uns und davon gibt es viele. Wie dem auch sei, ich will auch gar nicht weiter auf diese Thematik eingehen, sie ist zu gross, zu Komplex, vielleicht schreib ich mal ein Buch drüber wenn ich mich von meiner Blindheit erholt habe. Mittlerweile leide ich nur noch an einer niedrigen Sehschwäche, der Augenarzt meint, es heile sehr gut und bald könne ich die Brille abnehmen. Ich bin sehr froh, denn wenn ich endlich richtig gut sehen kann, dann kann mir das auch nicht mehr passieren, auf so einer bescheuerten Bananenschale aus zu rutschen.
Ich freue mich zu entdecken, zu sehen, zu lieben, zu lachen, zu weinen. Ich freue mich darauf, was das Leben mir zu bieten hat. Ich werde nicht einer dieser Emotionaler Krüppel werden, denen einst das Herz gebrochen wurde und die sich desswegen selbst nichts gönnen und sich der Liebe, ja gar dem Leben verschliessen. Ich werde nicht alle diese schönen Momente verpassen aus Angst davor verletzt zu werden. Ich werde mich nicht den Menschen gegenüber verschliessen. Ich werde nicht kalt werden. Ich habe diese Selbstzerstümmelungs-Kultur zwar quasi mitbegründet und sie ist immer noch total gefragt aber ich denke es ist Zeit für neue Mode. Das Motto ist: Lebe. Jetzt. Liebe. So viel du kannst. Immer wieder. Zeig Gefühl. Lebe Gefühl. Und zensier dich ja nicht. Glaube nicht, andere mit deinen Gefühlen zu überfordern, die richtigen Menschen werden sie mit Freude empfangen. Sage was du denkst. Sprich. Schreib. Lass deine Gedanken raus. Teile sie, aber bleib bei dir. BLEIB EINFACH IMMER BEI DIR. Den du wirst dein Leben mit dir verbringen und kein anderer. Du wirst dein ganzes Leben immer da sein, du darfst es dir mit dir nicht verscherzen. Menschen werden kommen und gehen, manche werden dich lange begleiten, andere kreuzen kurz deinen Weg. Manche Verluste werden schmerzhaft sein, andere befreiend. Aber egal wie schmerzhaft sie auch sein mögen, gib dich dem Schmerz nicht zu lange hin, denn du bist noch da und du musst auf dich aufpassen. Du musst dafür sorgen, dass es dir gut geht damit du wieder neue Liebe erfahren wirst. Damit du wieder lieben kannst. Und du wirst es. Und wie. Aber nur wenn du bei dir bleibst.
Ja, viele Dinge gingen Kaputt in diesem Jahr. Einige waren leider nicht mehr zu retten, andere konnten repariert werden und einige konnten dadurch sogar noch besser werden. Die Karten wurden neu gemischt. Ich hoff ich hab gute Karten, ich freue mich auf jeden Fall schon sehr auf das Spiel! Mögen wir alle gewinnen!
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