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Montag, 3. Januar 2011

AUF DEN SPUREN DER MUSIK


Es gibt ja so Leute die sich Vorsätze fassen. Und dann gibt es noch Leute die sich Vorsätze fassen und diese keine zwei Tage durchziehen. Ich gehöre natürlich zur zweiten Gattung. Bei mir geht das die ganze Zeit so, ich hab mich daran gwöhnt, oder besser gesagt: Ich kenne es gar nicht anders. Ich gehöre nicht zu der Sorte Mensch, die ein grosses Talent besitzt, Dinge durch zu ziehen. Meine Zielstrebigkeit habe ich nach der Abschlussprüfung (welche ich im Übrigen zwei Wochen zuvor noch in den Sand setzen wollte) in der Berufsschule zurück gelassen und die einzigen Worte die mir von meinem Typografie-Lehrer in Erinnerung geblieben sind, bestätigen nur meine flatterhaften Verhaltensweisen. "Regeln sind dazu da, um gebrochen zu werden." In der Typografie ist das ein sehr schmaler Grat. Entweder befolgts du strikt die Regeln und wähnst dich auf der Sicheren Seite (Note 4.5-5) oder aber du verstösst dermassen gegen ALLE Regeln und wagst dich somit aufs Glatteis (Note 1 oder 6). Ein bisschen gegen Regeln verstossen geht nicht. Entweder ganz oder gar nicht, darin liegt die Kunst. Vielleicht ist es auch mit dem Leben an sich so. Verbote, Regeln und all dieses Zeug löst aber auch grosse Faszination aus. Wenn ich Sätze höre wie "Das verstösst gegen die Vorschrift" oder "Missachtung der blabla hat eine sofortige blablabla zur Folge", da geht bei mir innerlich sofort der Alarm los und ich fühl mich wie ein sabbernder Köter der ungeduldig darauf wartet, dass sein Herrchen ihm endlich den Stock wirft. Ich habe schon Dinge nur desswegen getan oder gesagt weil sie verboten waren. Wären sie nicht verboten gewesen, hätten sie mich gelangweilt oder ich hätte nicht mal von deren Existenz gewusst. Für mich war alles, was nicht erlaubt war, schon einmal grundsätzlich interessant. Oder Polizisten. Ich weiss nicht ob das allen Menschen so geht, aber ich komme irgendwie nie umhin Polizisten nicht zu provozieren. Einmal wurde ich aus dem Bullenposten rausgeworfen weil der Papa Moll Polizist auf mich los gehen wollte weil ich ihn so rasend gemacht habe. Ich hab das gar nicht mit Absicht getan, es ist einfach so passiert. Aber die 900.- Beamtenbeleidigung warens allemal wert, zu sehen wie ein Polizist dermassen die Fassung verlieren kann wegen mangelnder Sozialkompetenz.

Wie dem auch sei, genug über Verbote. Verbote sind sowieso total 2010. Ab heute wird wieder mit dem Feuer gespielt.

Zurück zu den Vorsätzen. Diese haben aber nicht wirklich was mit dem neuen Jahr zu tun, der Jahreswechsel ist purer Zufall. Aber ich habe mir etwas für mein Leben vorgenommen, etwas ganz tolles. Es ist kein Vorsatz wie "aufhören zu Rauchen" oder "weniger Trinken", nein, es ist etwas schönes, etwas wunderbares. Ich nenne ihn AUF DEN SPUREN DER MUSIK. Klingt das nicht toll? Ich will der Musik auf den Grund gehen. Ich will sie spüren. Überall, am ganzen Körper. Ich will dort sein, wo Musik entsetht. Dort wo sie geboren wird. Ich will Gesichter sehen wie Jón Thór Birgisson von Sigur Rós im wunderschönen Film HEIMA. Ich will solche Gesichter live sehen. Ich will fühlen was sie fühlen. Ich will Musik nicht mehr nur auf dem Plattenteller serviert, ich will sehen wie sie entsteht, wie sie sich entwickelt. Ich will Musik ohne Grenzen. Und ich werde ihr folgen. Beginnen werde ich hier in Zürich. Ich werde kleine Konzerte besuchen, ich werde den Klangwelten lauschen und mich mit Musikern unterhalten.

Das erinnert mich an einen Montag Abend vor einigen Monaten. Ich war zum Abendessen mit meiner Mutter verabredet. Es war ein beschissener Tag, ich war Müde vom Wochenende, emotional nicht ganz auf der Höhe und ich fühlte mich sehr einsam. Trotzdem hab ich mich aufgegrafft, weil ich meine Mutter nunmal nicht gerne versetze. Wir haben gegessen und die Ablenkung tat mir gut. Danach beschloss ich, vom Niederdörfli über die Langstrasse nach Hause zu spazieren. Irgendetwas in mir wollte nicht nach Hause, also ging ich noch ins Rossi auf ein Bier. Ich setzte mich nach draussen um zu Rauchen bis mich jemand mit französischem Akzent nach Feuer fragte. Nach dem Feuer kam die Frage nach dem Buch, was ich denn da am lesen sei. Wir sprachen über Bücher, über französische Schriftsteller, über seine 16 Jährige Tochter und über sein Neugeborenes. Er war Jazzmusiker und stammte aus Paris, lebt aber seit einigen Jahren in Zürich. Wir haben geraucht, getrunken und geredet. Er hatte dieses Funkeln in den Augen. Ich hätte sehr gerne ohne ein weiteres Wort zu verlieren sofort mit ihm geschlafen um ihn danach nie wieder zu sehen. Da war er wieder, der Reiz des Verbotenen. Glücklicherweise blieb ich mit meinem Gewissen im Reinen und ich war wiedermal ab solchen Begegnungen fasziniert. Mit jemandem eine Unterhaltung führen ohne über Namen und Telefonnummern zu sprechen, mit dem Wissen, dass du diese Person nie wieder sehen wirst hat schon etwas sehr magisches. Geniesst solche Momente! Sie sind die kleinen Perlen unter den Wundersamen Momenten im Leben. Und folgt der Musik. Oder wie AUGUST RUSH im gleichnamigen Film sagt: MUSIC IS ALL AROUND US, ALL YOU HAVE TO DO IS LISTEN!

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