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Donnerstag, 17. Februar 2011

VON INNEN NACH AUSSEN


Wenn ich meinen Blog so durchlese fällt mir auf, dass ich irgendwie immer dasselbe erzähle. In anderen Worten verpackt. Gehts mir gut, schreibe ich von Glück und Zufriedenheit. Von den kleinen wundersamen Momenten im Leben. Gehts mir schlecht, schreien die Texte förmlich nach Liebe und Sehnsucht. Ich wäre wohl eine schlechte Kolumnistin. Doch sind es nunmal die Themen, welche mich beschäftigen. Welche uns wohl alle beschäftigen. Schreiben ist für mich Therapie. Meine Gedanken auf zu schreiben hilft mir, mit ihnen um zu gehen. Schon als Kind hatte ich des öfteren das Gefühl, meine Gedanken würden mich eines Tages um den Verstand bringen. Es war nicht die Art der Gedanken, viel mehr der Gedankenfluss. Es war zu viel. Ich wusste nicht wohin mit ihnen.

Jeder braucht ein Ventil. Ein Ventil, um seine Gedanken, seine Emotionen oder seine Kreativität aus zu leben. Manche finden es in der Musik, manche im Sport, ich schreibe sie auf.

Mir ist bewusst, dass meine Seelenkotze nicht jedermans Sache ist, und sich vielleicht auch eher das weibliche Geschlecht damit identifiziern kann. Ich wurde auch schon mehrmals darauf angesprochen, warum ich mein Inneres so nach Aussen kehre. Die Antwort ist: Es beruhigt micht. Gedanken welche ich in die Welt hinaus gesendet habe geben mir mehr Freiheit. Sie sind für mich dann irgendwie realer weil ich sie festgehalten habe. Und dass sie für jedermann ersichtlich sind machen sie für mich echt. Das heisst, dass ich selbst mit meinen Gedanken Frieden geschlossen habe, dass ich hinter Ihnen stehe.

Ich mache mich damit verletzlich. Ich ziehe mich aus. Für mich ist es ein kleiner Teil davon, etwas zu machen, dass mich mir selbst näher bringt. Ein kleines bisschen ungeschminkte Wahrheit. Ein kleiner Einblick einer mitzwanzigerin die mit den täglichen Herausforderungen des Lebens kämpft. Eine kleine Ansammlung an Gedanken die ein Stadtmädchen in dieser leistungsorientierten Gesellschaft wie unserer bewegen.

Ich lasse euch an meinen Erkentnissen teilhaben, in der Hoffnung, das es vielleicht den einen oder Anderen oder die Eine oder Andere in irgendweiner Form bewegt, anspricht oder auch nur mal zum Nachdenken anregt.

Wie schon öfters erwähnt, suche ich DAS ECHTE. Was das ist weiss ich nicht. Ich denke für mich sind es die Momente, in denen Gespräche von Tiefgang stattfinden. Für mich ist das hässliche oft mehr von Belang. Es ist echter. Ich bin an den Abgründen der Menschen interessiert. An den Dingen, die uns vielleicht nicht zu einem Guten Menschen machen, oder uns zumindest auf den ersten Blick nicht danach aussehen lassen. Doch sie sind erlich. Und sie machen uns menschlich. Und vielleicht ist die Menschlichkeit das Einzige was wir haben. Ich möchte die dunklen Seiten der Menschlichen Seele sehen. Ich möchte Dinge ergründen. ich möchte sie verstehen. Ich möchte die Beweggründe der Menschen nachvollziehen können. Ich möchte das Leben ein kleines bisschen mehr verstehen. Und ich brauche SOULFOOD. Meine Seele nährt sich von dem Austausch.

Zum Thema SEELE möchte ich euch noch einen Film empfehlen. ALLES WAS WIR GEBEN MUSSTEN. Unbedingt anschauen!



Ach ja, meine neuste Erkenntnis lautet: DAS GLÜCK LIEGT IN DER EINFACHHEIT.

WITH LOVE.

Sonntag, 13. Februar 2011

WERE JUST TWO LOST SOULS SWIMMING IN A FISHBOWL


Mauritius, 13.2.2011
18.55 Uhr

Ich sitze am Meer. Der Himmel erstreckt sich in weichen Pastell-Farben ueber dem Wasser. Die Formen der Wolken erzaehlen allesamt eine Geschichte. Ein Wunder der Natur, ein faszinierendes Gemaelde der Schoepfung.

Ich bin gluecklich. Und Melancholisch zugleich. Meine Fuesse spielen im wohlig warmen Sand. Ich habe ein Schlupfloch gesucht. Gefunden habe ich Frieden, Ruhe und eine Ahnung dessen, was Freiheit sein kann. Fuer mich.

Es daemmert bereits. Eine Gruppe Einheimischer tollt im Wasser herum, als waere es das erste Mal, dass sie das Meer sehen wuerden. Oder das Lezte.

Kinder lachen, spielen im Sand. Strahlen diese vollkommene Waerme aus, wie es nur Kinder koennen.

Ich trinke Bier und betrachte das rege Treiben. Wellen. Wolken. Menschen. Versuche alles aufzusaugen. Atme tief ein und wieder aus. In zwei Tagen um diese Zeit bin ich bereits wieder zu Hause. Oder zumindest an dem Ort, den ich aus Gewohnheit so nenne.

Ich merke wie meine Augen glasig werden. Aus den Kopfhoerern singen LIA ICES und JUSTIN VERNON (BON IVER) von DAPHNE. Die Stimmung des Songs kommt jener des Augenblicks sehr nahe.

Ich habe mich langsam an das Leben hier gewoehnt. Nicht zu wissen, wie spaet es ist, in den Tag hinein zu leben, einfach die Augen zu schliessen und den Duft der Leichtigkeit ein zu atmen. Menschen auf der Strasse gruessen wie damals, als kleines Maedchen, als ich noch im Dorf gewohnt habe. Mangos aus dem Garten. Kaffee trinken auf der Veranda. Am Meer tanzen, mitten am Tag, nuechtern, nur trunken ab dem Moment, der Stimmung. Die Arme in die Luft zu strecken und den Kopf in den Nacken zu werfen. Sand am ganzen Koerper zu haben und sich trotzdem reiner als je zuvor zu fuehlen.

JUSTIN VERNON'S Part beginnt und das Klavier setzt ein. Ich schliesse die Augen. Bewege meinen Koerper zu der Musik. Ich vergrabe meine Haende im Sand.


21.45 Uhr

Wir sind erneut in der KENZIBAR. Die Jungs vom letzten Sonntag spielen wieder. Die meisten Songs sind die selben wie letzte Woche. Doch dann spricht der Saenger irgendwas in unsere Richtung, was ich aufgrund der Lautstaerke nicht verstehen kann. Ich hoere nur: SPECIAL FOR YOU. Und dann ertoent PINK FLOYDS WISH YOU WERE HERE. Ich bin geruehrt. Hat der Saenger uns doch lezte Woche gefragt ob wir einen Musikwunsch haetten. Wir wuenschten eben diesen Song, welcher er leider nicht beherrschte. Er hat ihn extra fuer uns einstudiert. Nach einigen Songs war ich so in die Musik vertieft, dass ich auf dem Stuhl zu trommeln anfieng und mitgesungen habe. Ich hatte meinen persoenlichen Musikalischen Hoehepunkt erreicht. Ich war EINS MIT DER MUSIK. Ich konnte meinen Koerper nicht mehr kontrollieren, er war durchdringt von dem Sound und ich fuehlte mich als wuerde ich schweben. So stelle ich mir Liebe vor.

Samstag, 12. Februar 2011

DAS ist Freiheit!


Freiheit. Vor einigen Tagen hab ich mich noch gefragt, was das denn eigentlich genau ist. Freiheit. Ein schoenes Wort. Ich habe sie gestern gefunden. Sie ist wunderschoen. Fuer jeden auf eine andere Weise. Lasst mich euch von meiner erzaehlen:

Ich sitze in einem Gelaendewagen. Es ist 08.30 Uhr morgens. Jemand drueckt mir ein kaltes Bier in die Hand. Ich hoere FOALS - SPANISH SAHARA und schaue aus dem Fenster. Wir fahren vom Westen der Insel in Richtung Norden. Beim Refrain verspuehre ich schon dieses wohlige Kribeln im Bauch und ich weiss, dass dies einer dieser Tage werden koennte. Bei CHROMATICS Interpretation von SPRINGSTEENS I'M ON FIRE habe ich schon dieses seelige Laecheln auf dem Gesicht. Ich schaue zu Oona rueber und wir laecheln uns an. An der Anlegestelle angekommen muessen wir dringend aus Klo. Natuerlich ist keines weit und breit, desswegen pissen wir in einen verwildetern Garten an einer Strassen Ecke.


Wir sitzen auf einem Boot und zwei Jungs spielen Gitarre. Es beginnt zu regnen und jemand bietet mir ein Handttuch als Schutz an. Ich lehne ab. Ich will den Regen spuehren. Auf offenem Meer,total durchnaesst macht sich erneut das Glueck bemerkbar. Ich bin am Leben und das fuehle ich mit jedem Tropfen der meine Haut beruehrt.

Wir legen auf einer unbehwohnten kleinen Insel an. Ausser uns sind nur noch drei weitere Menschen auf der Insel. Das Meer ist klar und ich lege mich auf eine Sandbank. Halb im Wasser, halb im Sand. Ich moechte mich im nassen Sand raeckeln und meine Arme und Beine strecken, lasse es aber um niemanden unnoetig zu provozieren.

Wir essen grillierten Fisch und die zwei Jungs spielen erneut Gitarre. TRACY CHAPMAN. Oona trommelt und ich trinke Rum mit eingelegter Passionsfrucht und bewege meinen Koerper zur Musik.

Ich bin Frei.

Mittwoch, 9. Februar 2011

I ASK MYSELF

Wann ist man wirklich Frei?

Hindert uns das Streben nach Glueck am eigentlichen Glueck?

Hat es einen Grund, dass einem bestimmte Dinge nicht los lassen oder wollen wir schlicht und einfach nicht los lassen?

Kann man Vertrauen lernen?

Kann man eine Luege leben, oder ist es doch einfach die Wahrheit, die eigene Wahrheit, solange man nur glaubt?

Kann man so festgefahren sein, so dass es unmoeglich wird den Blick fuer das Reine, das Echte, das Wesentliche zurueck zu erlangen oder gar erstmals zu finen?

Montag, 7. Februar 2011

FLASCHENPOST AUS MAURITIUS TEIL 2: were you happy?


Ich bin jetzt eine Woche von zu Hause weg. Habe erste Krankheitsanfaelle ueberstanden, mich langsam an das Klima gewoehnt und komme mehr und mehr in den sogenannten Insel-Flow. Vieles wird unwichtig. Vieles ist weit weg. Grosses erscheint ploetzlich klein. Die Fesseln beginnen sich langsam zu loesen. Dein Geist ist mal eben an der Ecke Rechts in Richtung FREIHEIT abgebogen. Die Strasse rauf laufen und die Arme hoch in die Luft. Einatmen. Ausatmen. Dem Himmel ein Laecheln schenken. Fruehstuecken auf der eigenen Veranda. Wunderschoenes Licht am Meer. Schoenste Abendstimmung. Begegnungen. Unsere zuckersuesse Vermieterin, welche ein Jahr juenger ist als wir und bereits seit drei Jahren verheiratet ist, praktiosch nur zu Hause rum sitzt aber einfach gluecklich ist. Der Glanz in ihren Augen wenn sie von ihrem Mann spricht oder von ihren Kindheitstagen auf der Insel Rodrigues wo sie aufgewachsen ist. Wie sie von der Zeit erzaehlt, als sie jeden Morgen vor der Sonne aufgestanden ist, um sich am Strand den Sonnenaufgang an zu schauen um einen schoenen Start in den Tag zu haben. Und jetzt sehe sie auf Mauritius jeweils den Sonnenuntergang. Aber das sei nicht das selbe. Die Sonne aufgehen zu sehen, ja das vermisse sie schon. Ob wir gerne hier leben moechten wollte sie wissen. Vielleicht. Fuer eine gewisse Zeit durchaus vorstellbar. Um ehrlich zu sein, ist mir gerade alles andere nicht vorstellbar. Wieder Schuhe an zu ziehen zum Beispiel. Oder warme Kleidung. Ich will kotzen wenn ich daran denke.

Wir sprechen ueber Glueck. Ueber grosse Haeuser, Autos. Ueber Dinge, die wir nicht brauchen. Weder Sie, die lebensfrohe Mauritianische Schoenheit, noch ich. Wir sprechen ueber Familie, ueber Religion und dann sagt sie was vom schoensten, was ich je gehoert habe: WHEN TIME HAS COME AND YOU GO UP THERE, HOW WOULD YOU BRING YOUR BIG HOUSE AND YOUR FAST CAR UP THERE? Sie zeigt mit der Hand gen Himmel und hatte dieses zufriedene Laecheln im Gesicht. THE ONLY QUESTION IS: WERE YOU HAPPY?

Mir kommen schon fast die Traenen wenn ich diese Worte aufschreibe. Und als haette der gestrige Abend nicht noch erfuellter werden koennen gingen wir noch in die KENZIBAR wo zwei Mauritianer Cover Songs zum besten gaben. Wir waren fast die einzigen Besucher und am Schluss gabs eigentlich nur noch uns und die Band. Und die Musik natuerlich. Vor Allem die Musik. Dieser Typ hatte eine Stimme wie ein Chamaeleon. Wandelbar. Stark. Elegant. Kraftvoll. Wir waren so von Glueckseeligkeit erfuellt, Oona tanzte um die Tische herum und ich lag halb mit Traenen in den Augen und halb tanzend in einem Sessel und war von Kopf bis Fuss mit der Magie der Musik durchflutet. Als er diese wunder, wunderschoene Interpretation von U2's WHIT OR WHITOUT YOU brachte, dachte ich kurz mein Herz wuerde aufhoeren zu schlagen. Ich bekomme jetzt noch Huehnerhaut wenn ich daran denke. Und als er dann noch OASIS's WONDERWALL oben drauf sezte war unser Glueck vollkommen. Zum Glueck hat er nicht noch SKINNY LOVE gespielt, ich waer auf der Stelle vor Ergriffenheit und Liebe gestorben. Nach WONDERWALL verliessen wir die Bar um noch mit Musik im Ruecken den Heimweg antreten zu koennen. Man soll gehen wenn es am schoensten ist. Mit den Haenden gen Himmel gerichtet gingen wir wie in Trance durch die ruhige Strasse nach Hause. Die Blicke waren eindeutig. Wir haben gefunden was wir gesucht haben.

Sonntag, 6. Februar 2011

FLASCHENPOST AUS MAURITIUS TEIL 1: Erwartungen kann man nicht ficken!


4. 2. 2011 - Es ist Nacht. Ich liege wach. Wie bereits in den letzten vier Naechten kann ich nicht schlafen. Die erste Nacht im Flugzeug aus mangelndem Komfort, die zweite wegen der Klimaanlage, die dritte aus Angst vor einem Vogel (wenn es denn ueberhaupt einer war, man weiss es nicht) und gestern, weil ich im Fieberwahn das Gefuehl hatte, mein Kopf wuerde gleich explodieren und mein ganzer Koerper wuerde bald in Flammen aufgehen. Ich geriet leicht in Panik, weil wir am Tag zuvor jemanden getroffen haben, der sich in Madegaskar mit Hepatitis A (Gelbsucht) angesteckt hatte und er meinte zwar die Ansteckungsgefahr sollte vorueber sein aber ja, wohl war mir trotzdem nicht. Zudem war die Klimaanlage auch noch kaputt, also heisser wirds nur noch in der Hoelle.

Jetzt ist alles wieder gut und ich fuehle mich wieder halbwegs nicht ganz normal. "It's Flu" meinte die Frau die sich als Aerztin verkleidet hatte mit strengem Blick. Nach dem ich den Bluttest abgehlehnt habe lud sie mich zur Nachkontrolle ein und entliess mich mit einem Medikamentenvorrat fuer eine ganze Schulklasse und einem wesentlich leichteren Portemonnaie.

Jetzt muss ich aufs Klo. Doch ich trau mich nicht. Oona schlaeft und Kaki - einer unser Mitbewohner - haengt gerade an der Wand. Kaki ist unsere Kakerlake. War im Preis inbegriffen. Genau so wie Fredi. Fredi war unser Gecko. Ja, er war. Leider habe ich ihn aus versehen zweimal getoetet. Fredi hatte sich einen etwas unvorteilhaften Platz zum relaxen ausgesucht. Ich hab mich schon gewundert wo er wohl gerade ist, als ich die Badezimmertuer aufriss um Oona nach dem Conditioner zu fragen, PLAP, lag er am Boden. Wer legt sich schon auf die obere Kante einer geschlossenen Tuer?! Naja, Fredi halt.

Anfangs dachten wir Fredi wolle uns nur einwenig verarschen und Tot spielen. Aber als er da nach 10 Minuten immer noch keinen Wank machte, mussten wir der Wahrheit ins Auge blicken und so stellten wir ein Glas ueber ihn, um ihn danach raus zu bringen. Als wir uns darueber stritten, wer von uns beiden denn nun diese feierliche Angelegenheit ausfueheren soll, schrie Oona ploetzlich auf. Fredi lag nicht mehr wie urspruenglich auf dem Bauch, sondern hatte nun eine aeusserst dramatische Pose auf dem Ruecken, mit gespreizten Armen und Beinen eingenommen. Er war erstarrt. Ich hatte einen Doppelmord begangen. Wir warten auf den Tag, an dem Fredis Familie sich an uns raechen wird.

Seit meiner Abreise habe ich mir oft Gedanken zum Thema ERWARTUNGEN gemacht. Ich finde Erwartungen doof. Welcher Idiot kam eigentlich eines schoenen unerwarteten Tages auf die bescheuerte Idee irgendetwas zu erwarten?! Und vor allem: WOZU?! Unerwartetes ist doch viel spannender. Und ueberhaupt: Unerwartetes kann auch nicht nicht erfuellt werden. Erwartungen hingegen schon.

Ich glaube allmaehlich, Erwartungen sind geradezu da, um nicht erfuellt-, oder zu hoch gesteckt zu werden. Sie sind fordernd. Sagt zb. jemand zu dir: "Ich erwarte von dir das und das..." hat das irgendwie immer etwas drohendes. Etwas, dass nichts mit Vertrauen zu tun hat. Missgunst. Mangelnder Glaube. Es klingt mahnend. Oder dient als Selbstschutz. Doch wie sieht ein gesunder Umgang mit Erwartungen aus?

A) zu jenen, die einem gestellt werden?

B) jene, die man selbst an andere hat?

Oft hab ich schon erlebt, dass ich dachte, oder zumindest vorgab, gar keine Erwartungen an bestimmte Personen zu haben. Entweder weil mir diese Personen keine Rechenschaft schuldig sind, oder aber weil sie mich schon zu oft enttaeuscht haben. Solche Menschen gibt es. Es gibt Menschen, an die wollen wir keine Erwartungen haben, um uns selbst zu schuetzen weil wir wissen, dass sie die Erwartungen nicht erfuellen koennen. Von diesen Menschen ist das auch keineswegs boese oder missachtend gemeint, nein, sie setzen nur unterschiedliche Prioritateten und sind sich unserer Erwartung ihnen gegenueber auch gar nicht bewusst. Wie sollten sie auch? Wir kommunizieren sie ja nicht, weil wir sie gar nicht haben wollen. Doch haben tun wir sie trotzdem. Das ist das Beschissene mit diesen verdammten Erwartungen. Ich moechte mich von ihnen loesen. Ich will ihnen keine Macht eingestehen und dann auch noch enttaeuscht sein. Am meisten vor mir selbst, weil ich nicht Herr der Lage bin. Jetzt erwarte ich schon von mir keine Erwartungen zu haben. Seht ihr worauf ich hinaus will?

Ich denke die Beschissenheit des ERWARTENS hat garantiert auch etwas mit dem darin enthaltenen Wort WARTEN zu tun. WARTEN ist ja auch einfach mal nur aetzend. Ausser, - und daran glaube ich - man ist mit sich selbst im reinen, man ist gluecklich. Gluecklich warten ist kein Thema. Und wisst ihr wesshalb? WEIL ES SICH NICHT WIE WARTEN ANFUEHLT! Bist du in Frieden mit dir, gibt es kein warten. Es gibt nur kostbare, freie Zeit, die es zu geniessen gilt.

Aber so richtiges, zaehes, auf die Uhr schauen und die Tage zaehlen, das ist beschissen. Doch oft soll sich ja warten auch ausbezahlen. Wie in der Geschichte von dem Jungen und dem Apfel. Der Junge pflueckt einen Apfel und die Mutter ermahnt ihn, er solle sich gedulden und ihn noch nicht essen. Ungeduldig wie Kinder halt so sind, isst der Junge den Apfel trotzdem. Danach kriegt er fuerchterliche Bauchschmerzen weil der Apfel noch nicht reif war. Immer wenn er in seinem Leben mit Ungeduld und damit verbundenem Warten konfrontiert wird, wird er sich an diesen einen Apfel und die Worte seiner Mutter erinnern und es wird ihm nie mehr schwer fallen zu warten.

Oder Redewendungen. Etwa GUT DING BRAUCHT WEILE. Kann sein, doch was hat das mit warten zu tun? Definier erstmal WARTEN! Fuer mich ist es wohl ein Zustand der absoluten reglosigkeit. Stillstand. Doch stehen wir jemals ueberhaupt wirklich still?

Warten kann sich also lohnen, warten beruht auf GEDULD, doch vor allem auf GLAUBEN und VERTRAUEN. Wenn ich daran glaube, dass der Bus in 10 Minuten kommt, dann werde ich warten. Doch wenn ich keine Ahnung habe, ob ueberhaupt noch einer faehrt, werde ich wohl einige Minuten warten und danach zu Fuss gehen.

Wenn wir in eine Sache vertrauen haben, ja an sie glauben, dann faellt warten nicht schwer, ja vielleicht fuehlt es sich dann genau wie beim gluecklich sein, nicht wie warten an. Aber, und hier kommt die Gefahr: Wenn wir auf etwas vertrauen, an etwas glauben, dann traegt das automatisch wieder diese bloeden ERWARTUNGEN mit sich. Sind wir durch den GLAUBEN und das VETRAUEN auch noch so frei, legen sich die ERWARTUNGEN wie FESSELN um unsere Knoechel. Sie machen aus uns Sklaven unserer Selbst. UND FICKEN KANN MAN SIE AUCH NICHT. Und meinem momentanen Living la vida loca Mood entsprechend: Essen auch nicht.

ESSEN. FICKEN. SCHLAFEN.

Mehr erwarte ich gar nicht.