
Ich bin jetzt eine Woche von zu Hause weg. Habe erste Krankheitsanfaelle ueberstanden, mich langsam an das Klima gewoehnt und komme mehr und mehr in den sogenannten Insel-Flow. Vieles wird unwichtig. Vieles ist weit weg. Grosses erscheint ploetzlich klein. Die Fesseln beginnen sich langsam zu loesen. Dein Geist ist mal eben an der Ecke Rechts in Richtung FREIHEIT abgebogen. Die Strasse rauf laufen und die Arme hoch in die Luft. Einatmen. Ausatmen. Dem Himmel ein Laecheln schenken. Fruehstuecken auf der eigenen Veranda. Wunderschoenes Licht am Meer. Schoenste Abendstimmung. Begegnungen. Unsere zuckersuesse Vermieterin, welche ein Jahr juenger ist als wir und bereits seit drei Jahren verheiratet ist, praktiosch nur zu Hause rum sitzt aber einfach gluecklich ist. Der Glanz in ihren Augen wenn sie von ihrem Mann spricht oder von ihren Kindheitstagen auf der Insel Rodrigues wo sie aufgewachsen ist. Wie sie von der Zeit erzaehlt, als sie jeden Morgen vor der Sonne aufgestanden ist, um sich am Strand den Sonnenaufgang an zu schauen um einen schoenen Start in den Tag zu haben. Und jetzt sehe sie auf Mauritius jeweils den Sonnenuntergang. Aber das sei nicht das selbe. Die Sonne aufgehen zu sehen, ja das vermisse sie schon. Ob wir gerne hier leben moechten wollte sie wissen. Vielleicht. Fuer eine gewisse Zeit durchaus vorstellbar. Um ehrlich zu sein, ist mir gerade alles andere nicht vorstellbar. Wieder Schuhe an zu ziehen zum Beispiel. Oder warme Kleidung. Ich will kotzen wenn ich daran denke.
Wir sprechen ueber Glueck. Ueber grosse Haeuser, Autos. Ueber Dinge, die wir nicht brauchen. Weder Sie, die lebensfrohe Mauritianische Schoenheit, noch ich. Wir sprechen ueber Familie, ueber Religion und dann sagt sie was vom schoensten, was ich je gehoert habe: WHEN TIME HAS COME AND YOU GO UP THERE, HOW WOULD YOU BRING YOUR BIG HOUSE AND YOUR FAST CAR UP THERE? Sie zeigt mit der Hand gen Himmel und hatte dieses zufriedene Laecheln im Gesicht. THE ONLY QUESTION IS: WERE YOU HAPPY?
Mir kommen schon fast die Traenen wenn ich diese Worte aufschreibe. Und als haette der gestrige Abend nicht noch erfuellter werden koennen gingen wir noch in die KENZIBAR wo zwei Mauritianer Cover Songs zum besten gaben. Wir waren fast die einzigen Besucher und am Schluss gabs eigentlich nur noch uns und die Band. Und die Musik natuerlich. Vor Allem die Musik. Dieser Typ hatte eine Stimme wie ein Chamaeleon. Wandelbar. Stark. Elegant. Kraftvoll. Wir waren so von Glueckseeligkeit erfuellt, Oona tanzte um die Tische herum und ich lag halb mit Traenen in den Augen und halb tanzend in einem Sessel und war von Kopf bis Fuss mit der Magie der Musik durchflutet. Als er diese wunder, wunderschoene Interpretation von U2's WHIT OR WHITOUT YOU brachte, dachte ich kurz mein Herz wuerde aufhoeren zu schlagen. Ich bekomme jetzt noch Huehnerhaut wenn ich daran denke. Und als er dann noch OASIS's WONDERWALL oben drauf sezte war unser Glueck vollkommen. Zum Glueck hat er nicht noch SKINNY LOVE gespielt, ich waer auf der Stelle vor Ergriffenheit und Liebe gestorben. Nach WONDERWALL verliessen wir die Bar um noch mit Musik im Ruecken den Heimweg antreten zu koennen. Man soll gehen wenn es am schoensten ist. Mit den Haenden gen Himmel gerichtet gingen wir wie in Trance durch die ruhige Strasse nach Hause. Die Blicke waren eindeutig. Wir haben gefunden was wir gesucht haben.
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