
Stell dir einen Tag vor an dem du die Welt nicht so fest hasst wie an anderen Tagen. Ein Tag, der gemütlich mit Kaffee und Frühstücken in der Küche beginnt. Du begibst dich in den Bus, bist guter Dinge, auf dem Weg zur Arbeit. Sogar die Hardbrücke lässt dich heute (fast) kalt. Du kommst nach längerer Zeit wieder ins Büro, kämpfst dich durch all die Mails während deiner Abwesenheit durch und fasst dir schon das erste Mal an den Kopf bei den Mails deines Chefs. Nicht aufregen. Er kann nichts dafür, er ist einfach so. Nachdem du den E-Mail-Berg bewältigt hast machst du dich auf in die Cafeteria wo du dich mit Kaffee eindecken willst. Leider bist du nicht die Einzige, die diesen Gedanken hatte und somit stehst du Gedanken versunken in der Schlange vor der Kaffeemaschine. Doch leider, und ich meine wirklich LEIDER wirst du die ganze Zeit von diesen (ich kanns nicht anders sagen) behinderten Smalltalk-Gesprächen deiner Kollegen abgelenkt. DU WILLST KOTZEN. Und du fragst dich wie die immer über so belanglose Scheisse die echt KEINEN MENSCHEN interessiert quatschen können, um die Wette strahlen und hähähihi da und dort machen können.
Also stehst du da, bemüht deine Augen nicht allzu sehr zu verdrehen als die beiden Damen neben dir bemerken dass sie die selbe Bluse tragen und die dritte noch um die Ecke kommt und den beiden beteuert, dass die Bluse aber auch wirklich sehr schick sei. Es ist wieder einer dieser Augenblicke in denen du dich fragst, was zum Teufel du hier eigentlich verloren hast. Du fragst dich ob du auch eines Tages deinen Mitarbeitern von den Zahnschmerzen deines Freundes berichten wirst oder ob du einfach von Grund auf asozial und nicht fähig bist dich anzupassen. Du denkst daran wie du das Ganze an Parties handhabst. Da kannst du das Gut. Aber da bist du zum Glück betrunken.
Apropos betrunken. Heute Abend steigt die Grosse Firmenweihnachtsfeier. Ich habe Angst. Noch viel schlimmer als der alltägliche Firmen-Smalltalk in der Cafeteria ist der „Jetzt-sind-wir-endlich-mal-betrunken-und-erzählen-uns-intime-Details-aus-unserem-Privatleben“-Smalltalk. Und Morgen sind wir alle verkatert und hoffen nicht allzu sehr aufzufallen und dem Typen aus dem 5. Stock mindestens drei Monate, am besten ein Jahr (bis zu der nächsten Weihnachtsfeier) nicht über den Weg zu laufen. Natürlich begegnet er dir aber genau als du total beschissen aussiehst in der Cafeteria und du schaust beschämt zu Boden und tust so als hättest du ihn nicht gesehen und schwörst dir nie mehr Alkohol zu trinken. Arbeit und Alkohol verträgt sich einfach nicht. Und Arbeit, Alkohol und DU, schon gar nicht. Der besoffene Chef der dich in der Ausbildung an gegraben hat, wie er sein Hemd ausgezogen hat und durchs Büro getanzt ist. Pfui. Oder damals als du den Typen aus der Informatik (aus der INFORMATIK!!) mit nach Hause geschleppt hast und wie es am nächsten Tag das GANZE BÜRO wusste und du danach noch raus gefunden hast, dass der Alte ne Freundin hat. Oder vor zwei Jahren, als du dermassen betrunken warst und du deinen Kopf nur noch in den Händen gehalten hast und fast im Restaurant auf dem Tisch eingepennt bist. Und da wäre dann noch letztes Jahr. Mein Gott. Zuerst flirtest du den IT-Typen an (was hab ich immer mit diesen IT-Nerds?!), überredest ihn, mit dir noch ins Hive zu gehen um danach unbemerkt mit dem Typen aus dem 5.ten dort hin durchzubrennen um danach in einer wilden Taxi-Knutscherei zu enden. Jägermeister hat auf einer Firmenfeier aber auch wirklich nichts, REIN GAR NICHTS verloren verdammt!
Also habe ich mir für die heutige Firmenfeier einige Vorsätze gefasst: Kein Alkohol, keine Flirts, keine Knutschereien, kein ausgelassenes Tanzen zu schlechter Musik, kein gar nichts! Ich werde, wie es sich für eine Dame gehört an meinem Orangensaft nippen und mich früh verabschieden. Morgen kann ich dann erhobenen Hauptes stolz wie ein Kind, dass zum ersten Mal in die Toilette gemacht hat durch die Cafeteria stolzieren, mich ab dem Smalltalk meiner Kollegen erfreuen und den „wer-mit-wem“-Geschichten lauschen.
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