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Donnerstag, 18. November 2010

Kalte Fliege


Kälte macht sich breit. Sie erstreckt sich wie eine rollende Lawine übers Land. Hüllt dich ein, füllt dich aus. Von den Zehenspitzen über deine Knöchel klettert sie an dir hoch wie eine gierige Schlange hinauf bis in dein Herz. Sie umgarnt es wie eine Spinne die ihr Netz spinnt. Ganz vorsichtig, langsam, bedacht.

Kannst du es fühlen?

Die eisige Kälte, wie sie immer tiefer in dich eindringt wie tausend kleine Nadelstiche?

Du frierst und hoffst in deinen Träumen Schutz zu finden. Flüchtest dich in sie hinein wie in eine sichere Höhle. Hoffst. Ja hoffst in ihr Zuflucht zu finden. Geborgenheit. Erlösung. Doch die Schlange ist dir auf der Schliche, sie kann dich riechen: dein Pulsschlag, dein Blut, diesen kleinen Rest den du Leben nennst.

Doch weder die Schlange noch die Spinne sind dein Feind. Auch nicht dieser kalt gewordene Klumpen den du aus einem früheren Leben als dein Herz kanntest. Du allein. Du hast die Schlange gerufen, und mit ihr die Spinne. Du hast dich als Fliege getarnt weil du der Spinne ins Netz gehen wolltest. Du hast diesen Weg gewählt, auf der Flucht vor der Kälte mit der Spinne in den Kampf zu treten. Du hast diese Rolle mit offenen Armen entgegengenommen. Dich ihr hingegeben. Und das nur desshalb, um durch diese atemlose Flucht vor der Kälte ein wenig Wärme zu empfinden.

Im Netzt gefangen – in einer anderen Welt, ja vielleicht in einem Traum – hast du dich in einen Goldammer verwandelt. Die Fliege die du einst warst, tief und sicher in deinen Federn verborgen, hast du deine jungen Flügel gespreizt und bist gen Süden davon geflogen.

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