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Dienstag, 6. November 2012

Freitag, 26. Oktober 2012

Wo ist die Liebe hin?


Es gibt da einen Mann. Dieser Mann liebt eine Frau. Die Frau, nun ja, sie liebt ihn nicht. Nicht, dass sie ihn nicht mögen würde, das tut sie, das tut sie wirklich. Von Herzen sogar. Aber sie liebt ihn nunmal einfach nicht. Aber sie liebt, dass er sie liebt. Das ist es. Das hält diese Liebe, die keine ist, am leben. Sie ist der Nährboden für etwas, dass eine Lüge ist. Ist die Frau egoistisch? Ist es nicht egoistisch, einen Mann zu "besetzten", wenn Sie ihn nicht liebt? Ihn nicht so liebt, wie er SIE liebt? Ist die Frau die Liebe des Mannes überhaupt wert? Entwertet sie sich durch das Verhalten der Frau nicht unverzüglich?

Und was meint den überhaupt der Mann dazu? Ist es möglich, dass er wirklich nicht im Bilde ist über die wahren Gefühle der Frau? Oder gibt er sich einfach mit dem, was er von der Frau kriegt zufrieden? So lebt der Mann, wie auch die Frau einen Kompromiss. Der Kompromiss der die Liebe an sich entwertet. Von Grund auf. Einer der so tut, als wäre das alles. Als wäre das alles was man kriegen kann. Als wüsste man mit dem Leben mit sich allein nichts anzufangen. Als mache es mehr Sinn, eine Liebe zu leben, die keine ist, als dass man den Weg zurück zu sich selbst finden würde.

So lebt der Mann seinen Kompromiss.
Und so lebt die Frau den ihren.
Vielleicht geht es ihnen damit sogar gut.
Aber ist gut genug?

Was ist aus dieser ECHTEN Liebe geworden? Diese Liebe, die keine Fragen stellt, die keinen Zweifel lässt, die einfach ist um ihrer selbst Willen? Wo es nichts zu rütteln gibt, weil alles klar ist, weil es einfach ist, und damit meine ich nicht mit Betonung auf dem Wort EINFACH sondern auf dem Wort IST!

Gibt es die überhaupt?
Oder habe ich einfach zu viele Bücher gelesen und zu viele Filme geschaut?

Liegt es an unserer Zeit?

Oder bleibt sie einfach nur mir verwehrt? Und diesem Mann. Und dieser Frau.

War das früher einfacher?

Ticken die Menschen einfach anders? Drehen wir uns durch unsere in den letzten jahren stetig zunehmende Unabhängigkeit selbst einen Strick draus? Haben wir uns mit der Emanzipation selbst ein Bein gestellt?

Oder bin ich einfach eine hoffnungslose Romantikerin, die nicht begreiffen will, das Liebe harte Arbeit ist und nicht von selbst kommt? Oder dass es diese, so wie ich sie mir ausmale schlicht und einfach nicht gibt? Für mich nicht gibt?

Ja, ich frage nun in die Welt hinaus:
WO IST DIE LIEBE GEBLIEBEN?



Mittwoch, 3. Oktober 2012

Seiltänzerin



...Und ich fühlte mich wieder wie ein ganzer Mensch.
Es ist schon unglaublich wie sehr sich der Mensch durch seine Arbeit definiert.
Als wäre er ohne sie nicht vollständig.
Unvollständig durch Untätigkeit.
Selbstachtung durch Leistung.
Immer im Wettlauf.
Süchtig nach Erfolgserlebnissen.
Das Streben nach Anerkennung.
Erster Arbeitstag und schon wieder Blut gelechzt.
Dazwischen – der totale Überdruss.
Leistungsgesellschaft? Ohne mich!
Ich will leben.
Ich will suchen.
Reisen.
Erfahren.
Lernen.
Vom Leben lernen.
Von den Menschen.
Für meinen inneren Reichtum –
Nicht für den auf meinem Konto.
Zurück im Hamsterrad.
Alles von vorn.
Einmal mehr.
Rechter Fuss.
Linker Fuss.
Ganz vorsichtig.
Bedacht.
Nicht nach unten schauen.
Die Welt ist das Seil –
Ich ihre blosse Tänzerin.
Und wieder einmal formen sich die sanften Wolken zu Buchstaben und schreiben:
BALANCE.

Samstag, 29. September 2012

Mehr.



Mehr. Wir wollen immer mehr. Wir streben nach etwas. Irgendwas kommt doch da noch. Da gibt's doch noch mehr. Wenn ich endlich die Schule abgeschlossen hab. Die Ausbildung beendet. Die Schulden bezahlt. Die grosse Reise angetreten. Den Führerausweis. Wenn ich endlich ausgezogen bin. Endlich das Studium fertig. Wenn ich endlich von der Musik leben kann. Von der Kunst. Mein eigener Laden eröffnet...

DANN, JA DANN GEHTS ENDLICH LOS!

Ja was den nun eigentlich? Das ECHTE Leben? Kommt dann das GROSSE Glück? Gibt es das überhaupt? Eigentlich wurde uns doch schon lange eingetrichtert, dass Glück kein äusserer Zustand ist, dass es nur von Innen kommen kann. Wieso brauchen wir dann diese Erfolgserlebnisse? Wieso definieren wir uns dennoch durch die Dinge die wir tun? An die wir glauben? Weshalb dieser Drang zur Selbstverwirklichung? Wieso drehen wir am Rad wenn wir uns in einem Zustand des Stillstands befinden? Wieso brauchen wir immer MEHR?
Woher kommt dieser Antrieb? Woher stammt dieses Gefühl, dass wir etwas für unser persönliches Glück, für unsere Zufriedenheit tun müssen?
Schenkt man den spirituellen Lehren glauben, entfernen wir uns mit diesem Streben immer weiter weg von uns selbst. Gleichzeitig streben genau diese Leute die Erleuchtung an. Ist das nicht im Grunde genommen das selbe? Geht es nicht genau genommen bei allen Menschen um das selbe? Geht es nicht genau genommen sogar bei allen Weltreligionen wenn man diese auf die Kernaussage zurück reduziert um das selbe?


Streben wir nicht alle nach dem Glück?

Klar, auch Glück ist eine Definitionssache. Aber ist es nicht eigentlich scheiss egal wie hier die Meinungen auseinander gehen solange jeder für sich, auf seinem persönlichen Weg zum Glück seine Glücksmomente erlebt. Glück als flüchtigen Augenblick innerer Zufriedenheit. Durch was sie hervorgerufen wurden spielt doch letzten Endes gar keine Rolle. Ob nun durch äusseren oder inneren Anlass. Fühlen können wir das Glück ja ohnehin nur von innen. Wichtig ist doch Einzig, das wir jene Momente als das Erkennen was sie sind und es uns nicht zum Ziel machen, einen Zustand dessen zu erreichen, der dann für immer anhält. Denn sonst gäbe es diese Momente ja gar nicht mehr. Ja und was dann?

Ich denke, es ist nichts falsches daran, MEHR zu wollen. ich trage ständig das Gefühl in mir, dass da noch etwas kommt. Auf der einen Seite macht es mich unruhig, weil ich ständig auf der Lauer bin, weil ich immer damit rechne, dass da noch etwas grosses kommt. Und wahrscheinlich wird es das auch. Das Leben an und für sich ist etwas grosses. Zum anderen macht es mich neugierig. Es treibt mich an. Man mag es Reissen nennen. Feuer. Oder einfach nur dieser unersättliche Hunger nach Leben.

Montag, 17. September 2012

Leben.


Das Leben aufsaugen. Alles mitnehmen. Einatmen. Tiefer. Noch Tiefer. Und Ausatmen. Die Augen geschlossen. Sie langsam, ganz langsam wieder öffnen. Ein Blick ins volle Leben. Hallo Welt, welch Wunder du doch bist. Niemals will ich aufhören mich zu wundern ob diesem Welt-Wunder. Wo komme ich her? Wo will ich hin? Ich bin. Doch es reicht nicht, einfach zu sein. Ich will mehr. Alles auskosten. Alles riechen. Alles schmecken. Alles fühlen. Von den Fingerspitzen über die Zehen bis hin zu diesem wundersamen und faszinierenden Teil in uns den wir Herz nennen.

Mit den Menschen sein. Rituale erleben. Traditionen pflegen. Werte leben. Echt sein. Voll da sein. Achtsam sein. Fasziniert. Verzaubert. Erleben. Mitten drin sein. Voll daneben. Unter den Wolken tanzen. Auf den Wolken tanzen. Ein breites, seliges Lachen, welches ein Gesicht ziert - ausgelöst durch den Klang der Musik, die Herzen höher schlagen lässt. Die Hände in der Luft. Der Körper, der sich dem Bass hin gibt.

Eine innige Umarmung eines Fremden. Geborgenheit am anderen Ende der Welt. Eine türkische Mama, die dich im Reisebus zudeckt während sie denkt du schläfst. Ein thailändischer Engel, welche dir täglich den Verband wechselt um dir die Spital Kosten zu ersparen. Eine bosnische reine Seele, die durch seine Augen direkt in dein Herz eindringt. Eine Mauritianische Schönheit, die dir die Welt erklärt.

Ein Blick in die Augen einer Freundin - während diesem einen Song - der sagt: dieser Moment gehört uns.

Samstag, 9. Juni 2012

Und wenn doch?



Es ist schon seltsam, dieses Leben. Die aneinander Reihung von Zufällen. Die Begebenheiten zu einer bestimmten Zeit. Dinge, die einem zum genau richtigen Zeitpunkt begleiten, über den Weg laufen, durch den Kopf gehen. Manche mögen es Schicksal nennen. Manche winken mit einem müden Lächeln ab und schauen dich mit Augen an, die längst nicht mehr brennen.

Jeder hat seine Sehnsüchte, manche folgen ihnen, manche unterdrücken sie gekonnt. Aus Gründen der Vernunft oder weil es eben nicht geht. Weil es nicht funktioniert. Weil man ihnen das so eingetrichtert hat. Desswegen brennen ihre Augen nicht mehr. So ist es halt. Denken Sie. Hat man ihnen von Klein auf gesagt. Das ist richtig, das ist falsch. So nicht. Und so schon gar nicht. Das sagt man nicht. So macht man das. Das macht man nicht.

UND WENN DOCH?

Könnten wir doch die Welt für immer durch unsere einstigen Kinderaugen sehen. Mit dem Blick und dem Staunen als unser Geist noch frei und rein war. Könnten wir doch für immer mit diesem wachen und neugierigen Blick durchs Leben gehen.

Oscar Wilde sagte wir sollen unseren Sehnsüchten folgen, denn wer wisse schon ob sie wieder kämen. Die Frage die sich unsereins stellt ist:

WIE?

Aber ich muss doch. Ich kann nicht einfach. Und wer soll dann.

Ich habe keine Ahnung. Ich stelle mir lediglich wieder einmal die wichtigen Fragen. Die stelle ich mir eigentlich seit ich denken kann immer. Oder seit ich denke, denken zu können. Die Fragen sind seit dann immer da. Sie sitzen in meinem Kopf und wollen da nicht weg. Und vo Zeit zu Zeit wollen sie sich Gehör verschaffen. Dann werden sie laut. Dann brüllen sie leidenschaftlich raus bis ich es nicht mehr aushalte und ihnen wieder zuhöre. Weil sie Antworten von mir wollen. Meine Fragen.
Dann sinnieren wir eine Weile über sie herum bis ich sie wieder auf Zimmerlautstärke runter dämpfen konnte und sie mich wieder für eine Weile in Ruhe lassen.

Zum aktuellen Zeitpunkt sind sie ziemlich laut, so dass ich die Musik aus dem Radio fast nicht mehr hören kann. Desswegen Schreibe ich. Und das ist immer der Grund. Immer der selbe, einzig die Fragen ändern sich. Manche wechseln sich ab. Manche kommen immer wieder. Neue kommen dazu. Aber wem will ich hier was erzählen. Man kennt das.

Wir alle stellen uns diese Fragen. Die wenigsten werden Antworten finden. Ich wohl am aller wenigsten. Aber ich denke es ist dennoch wichtig sie nicht einfach zu ignorieren. Von Zeit zu Zeit brauchen sie etwas Pflege. Sie sind wie eine Pflanze, die von Zeit zu Zeit bewässert werden muss. Sonst gehen sie ein. Sie verstummen und sterben. Und viel schlimmer als keine Antworten zu finden wäre es, sich die Fragen nicht mehr zu stellen. Nicht immer, aber von Zeit zu Zeit. Damit wir nicht irgendwann irgendwen mit hoch gezogenen Brauen mit unseren Augen anschauen die nicht mehr brennen.

Am Montag dachte ich aus Wut, aus mir hängts so dermassen zum Hals raus und eigentlich vor allem aus Jux über Aussteigergruppen nach.

Am Mittwoch kaufte ich mir Birgit Vanderbekes neues Buch „Das lässt sich ändern“. Einfach weil ich sah, dass sie ein neues Buch geschrieben hat und mir ihre Sprache bei ihrem letzten Buch sehr gefiel.

Das war der Zufall. Es ist nicht das erste Mal, dass ich durch Zufall gerade ein Buch am lesen bin, bei dem mir nach der Hälfte des Buches bewusst wird, dass es genau um die Fragen geht, die aktuell in meinem Kopf auf einem unangenehm hohen Dezibel Wert am rum brüllen sind.

Doch es sind nicht nur die Fragen. Es sind auch einfache Feststellungen. Diese werfen wiederum auch Fragen auf. Zum Beispiel:

WILL ICH TEIL EINER WELT SEIN IN DER MENSCHEN SICH VON AUGEN AN EINEM HÄSSLICH GRAUEN ABFALLEIMER (http://eyebombing.com/) GESTÖRT FÜHLEN UND DAS STRASSENVERKEHRSAMT BUSSEN WEGEN SACHBESCHÄDIGUNG ERHEBEN WILL?

In Vanderbekes Buch geht es um drinnen oder draussen, wie sie es sehr treffend nennt.
Es geht um Adam der sagt, das lässt sich ändern. Und dann ändert er es. Adam erschafft etwas was ich eine Vision nennen würde. Eine Vision die zu Leben erweckt wird. Für dein Leben arbeiten. Und nicht für deine Arbeit leben.

Als ich heute den letzten Satz des Buches gelesen habe, erwischte es mich eiskalt. Ein kleiner Stromschlag ging durch meinen Körper. Es fühlte sich wirklich an wie erwischt werden. Diese Sekunde in der du voll gepumpt mit Adrenalin aufschreckst. Der letzte Satz war:

UND WENN DAS AUFGINGE?

Ich wäre gerne wie Adam. Die Sehnsucht hält mich wach und ich wünsche mir für mich, ihr eines Tages zu folgen. Wo auch immer sie mich hin führen wird. Auch wenn ich dafür nach draussen muss. Vielleicht gerade desswegen!

Montag, 16. April 2012

Einer wie wir


Er ist falsch abgebogen
schaut sich um
dreht um
geht den halben Weg zurück
versucht
sich zu erinnern
an den Weg
schlägt eine andere Richtung ein
und als er
schaut
kurz über die Schulter
zurück
um sich zu vergewissern
dass er nun
richtig liegt
bevor er erneut
abbiegt
um sein Ziel zu erreichen
bleibt sein Blick
hängen
in dem Fenster
und was er dort
sieht
lässt ihn augenblicklich erstarren
er bleibt
stehen
kann seinen Blick
nicht abwenden
von seinem Blick
ein Augenblick
sein Augen
Blick
Er
der sich selbst
In die Augen blickt
wo ist die Sehnsucht
wo der Hunger geblieben?

Es tropft

Wie konnte er
die ganze Strecke
zurücklegen
ohne zu bemerken
das viele Blut

der Schatten
liegt über der Erinnerung
an den Tag
dem Tag
an dem
er
sich Gewalt angetan
und das Blut floss
in feinen
Bahnen
an ihm herunter
und er es nicht
einmal
mehr spürte
als mache es
keinen Unterschied
als wäre
Schmerz
einer
der keinen Namen trägt
oder den er
vergessen
wie einer
den er mal kannte
aus einem
anderen Leben

er blickt zu Boden

sieht das Herz da liegen
und legt sich dazu.

Freitag, 2. März 2012

Willkommen im Leben


Wir mussten nach Zürich. Denn was wir wollten gab es nur in Zürich, also mussten wir dahin. Natürlich hatten wir kein Geld, nicht für den Zug. Wir waren sechzehn, neugierig und hatten vor nichts Angst. Das heisst wir fuhren schwarz. Das Geld welches wir uns durch Rückgabe leerer Harassen die im Laden rumstanden ergaunert hatten brauchten wir natürlich für die Pilze.

Es war meine erste Begegnung mit der grossen Stadt. Und es war meine erste Begegnung mit Drogen. So richtig, meine ich. Ich werde diesen Tag nie vergessen, oder was ich davon noch weiss. Ich war ganz klein, ja winzig, und die Häuser waren riesig. Ich musste den Kopf nach hinten halten und in die Höhe sehen um mich zu orientieren. Willkommen in einer neuen Welt. Willkommen in Zürich. Mir wurde schnell klar: Da will ich hin.

Nach Abschluss meiner Ausbildung packte ich also mein Köfferchen und zog in die grosse Stadt. Ich packte meine Träume, Ziele und Vorstellungen aus und merkte bald, dass ich die Anleitung, wie das alles geht, vergessen hatte. Irgendwann wurde mir dann klar, dass es diese gar nicht gibt. Ich landete ein wenig unsanft auf dem asphaltierten Boden der Realität. Willkommen im Leben.
Einige Jahre sicherte ich mir nichts desto trotz meinen Stammplatz auf der Schaukel. Hoch. Runter. Hoch. Und wieder runter. Nach gut sechs Jahren gab ich auf.

Nun wohne ich wieder oben bei Mutti. In Luzern. Ich durchlaufe zurzeit gerade nochmals meine Jugend. Sequenzen von damals werden wieder sichtbar, Dinge die ich längst vergessen hatte sind auf Einmal wieder da. Hervorgerufen von bestimmten Plätzen, Busfahrten, Schulhäusern etc. Es hat sich viel verändert in der Stadt meiner Jugend, und wenn ich ehrlich bin, mochte ich sie nicht mehr sonderlich. Ich kann an einer Hand abzählen wie oft ich während der letzten sechs Jahre hier zu Besuch war. Und jedes Mal wenn ich hier war, hielt ich es kaum länger als einen Tag aus und rannte schnellst möglich wieder zurück nach Zürich.

Wenn mich früher jemand fragte wo mein zu Hause sei antwortete ich jeweils mit EIN BISSCHEN ÜBERALL.

Heute weiss ich ES IST ZÜRICH!

Da sind meine Freunde, da ist mein Leben. Und wo meine Freunde sind, da ist mein Herz. Und da ist die Musik. Die gute Musik. Und mein Herz braucht die Musik genau so wie seine Freunde. FREUNDE + MUSIK = HERZ. Die Rechnung ist einfach. Die Lösung nicht immer so ganz.

Und obwohl mein zu Hause ganz klar Zürich ist, fange ich langsam an Gefallen an der Stadt der Lichter zu finden. Ich entdecke sie gerade neu und ich schätze einige Dinge sehr. Zum Beispiel die Bars. Luzern hat echt gute Bars. Und das beste daran ist: in den Meisten kann man noch rauchen! Es gibt das kleine Schmuckstück SALÜ. An den Wänden hängen Alain Delon und Brigitte Bardot. Es dringen französische Chansons oder Musik aus den 50-er Jahren ins Ohr und Tagsüber wird Kaffee getrunken und Brioche gegessen. Und geraucht natürlich. Und Helge Timmerbergs IN 80 TAGEN UM DIE WELT gelesen. Das Beste Buch überhaupt! Ich hab noch nie so viele Zeilen in einem Buch unterstrichen. Eigentlich könnte man das ganze Buch unterstreichen, ausleuchten und ein Ausrufezeichen dahinter setzen. Oder zwei. Oder Hundert. Dieses Buch, dieser Typ, keine Ahnung wie der das Macht aber der verändert gerade grundlegend mein Leben. Und das Beste daran ist, der Typ ist über 50 und ich denke so, der Typ ist wie ich, der denkt wie ich. Der lebt wie ich leben möchte und der Kämpft immer noch mit der selben Scheisse wie ich es tue und ich bin immerhin fast halb so alt wie er. Der Typ ist seit seinem siebzehnten Lebensjahr auf dem Globus unterwegs. Mit dem willst du dich hinsetzten und du willst die Fresse halten und ihm einfach nur zuhören. Menschen wie der, die sind genau das, wofür es sich zu Reisen lohnt und wofür es sich lohnt, sich alleine in ne Bar zu setzten, denn wenn du Glück hast triffst du auf einen wie Tim. Tim der eigentlich Helge heisst, sich auf Reisen aber als Tim ausgibt weil er sonst infolge der Aussprache englisch sprechender Zeitgenossen immer Helga genannt wird. Und das mag Tim nicht. Genau so wenig wie Entscheidungen zu treffen, beispielsweise ob er nun den Zug oder den Flieger nach Kalkutta nehmen soll. Dann fragt er halt eben mal ein Guru. Der Guru ist sehr alt und war früher Bankdirektor. Fünfzig Jahre sei er dem Glück nach gerannt und habe es versucht zu mehren und das Leid zu mindern. Dann habe er es sein lassen. Weil es nicht geht. Nachdem er weitere dreissig Jahre über die Verteilung von Glück und Leid nach gedacht habe, habe er endlich einen Trick gefunden: Er versuche das Leid zu akzeptieren und wenn er feststelle, dass er es nicht akzeptieren kann, AKZEPTIERE ER DAS.
Tim wurde einiges Klar. Und mir auch. Wie dem auch sei, ich kann nur jedem nahe legen dieses Buch zu lesen!


Zurück zu den Bars...
Nächster Halt: BAR BERLIN. So abgedroschen und einfallslos der Name, umso schöner die Bar! Mit Abstand die schönste Bar die ich je gesehen habe. Nicht nur das Lokal, nein ich meine die Bar an sich. Sie besteht aus hellem Holz welches mit Stuckatur verziert worden ist und die Spiriutuosen-Wand zu einem echten Bijou macht und der Bar einen ganz speziellen Charme verleiht.

Im MADELAINE kann man Mittwochs sein Vinyl bringen und sie legen es dann auf. Natürlich kann man auch da Rauchen, und womit raucht es sich besser als mit einem guten Tropfen Rotwein? Genau, mit einem guten MALBEC!

Es gibt diese Szene in Filmen. Ein Mann (oder eine Frau) kommt in eine Bar, er setzt sich an den Tresen, bestellt einen Drink und zündet sich eine Zigarette an. Und dann beginnt der spannende Teil des Films.
Das gibts nicht nur im Film.
Das gibts sogar in Luzern.

Ja, langsam mag ich diese Stadt.

Montag, 27. Februar 2012

IN WORT UND BILD


Und wieder einmal hatte ich länger nichts zu sagen. Nichts, dass es sich in Worte zu fassen gelohnt hätte. Nichts, dass ich in Worten hätte umschreiben können. Und wieder einmal sind es andere Schreiberlinge die mich dazu motiviert haben. Wieder zu schreiben, meine ich.

George Steiner, Professor für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Oxford schreibt in seinem Buch "Warum Denken traurig macht": GEFÜHL, INTUITION, INTELLEKTUELLE ODER PSYCHOLOGISCHE EINGEBUNG DRÄNGEN VON INNEN GEGEN DEN RAND DER SPRACHE, KÖNNEN ABER NICHT DURCHBRECHEN ZU VOLLSTÄNDIGER ARTIKULATION.

Und jetzt frage mich keiner wieso ich ein Buch lese mit dem Titel WARUM DENKEN TRAURIG MACHT. Genau Deswegen. Denn er hat ja so recht! Und bevor ich diese Passage in dem Buch gelesen habe war ich wirklich traurig, weil ich an mich selbst den Anspruch stellte dies zu DURCHBRECHEN. Danke George, nun gehts mir besser. Ich denke nun es gibt Dinge, die nicht dazu da sind, um in Worte gefasst zu werden. Und das ist wohl auch gut so. Wenn der Sender schon nicht in der Lage ist, etwas gefühltes in Worte zu fassen, oder es ja, gar überhaupt zu fassen, wie soll es dann der Empfänger schon überhaupt genau so verstehen wie wir es gemeint, ja gefühlt haben. Da wären wir wieder beim inneren Auge. Melanie und ich hatten kürzlich wiedermal ein geniales Produkt im Rahmen unserer "Dinge, die die Welt unbedingt braucht"-Serie erfunden, und zwar den PERSÖNLICHEN SCREENSHOT. Wenn man also ein Bild im Kopf hat unds eher nicht so mit Worten hat, oder dieses Bild schlicht weg nicht umschreiben kann, drückt man sich einfach kurz auf die Schläfe und schon wird ein Screenshot des inneren Auges erstellt. Das kann auch recht lustig werden wenn mann dann einfach mal nur so zum Spass, etwas aus einer Diskussion aufgreift, man sich sicher ist man redet exakt genau vom selben, und dann auf dem Screenshot des Gesprächspartner sieht das der n total anderes Bild im Kopf hatte. Klar, war uns das auch vorher bewusst, das der andere nicht das selbe Bild sieht, aber es wäre dennoch mal interessant zu sehen wie ANDERS es genau aussieht. Zieht man nämlich nach Erstellung des Screenshots am rechten Ohrläppchen, wird das Bild gedruckt und kommt wenig später aus deinem Mund heraus.

Der PERSÖNLICHE SCREENSHOT wäre ein Meilenstein der Menschlichen Kommunikation. Und der Unterhaltung. Vor Allem für die Unterhaltung. Der Kommunikation dient er lediglich daher, um Missverständnisse zu vermeiden und um Dinge zu vergleichen. Aber mit dem PERSÖNLICHEN SCREENSHOT ist es wie mit den Drogen: Kannst du sie dosieren, können sie eine Bereicherung sein – verlierst du die Kontrolle über deinen Umgang mit Ihnen, werden sie dich töten. Und da der Mensch nie genug kriegen kann und immer mehr will, wird genau das passieren. Die logische Schlussfolgerung: Der Tod der Sprache. Und ist erst die Sprache dahin und es wird nur noch mit den PERSÖNLICHEN SCREENSHOTS kommuniziert sind wir auch so gut wie tot. Denn was wären wir ohne all die Bücher, die Gedichte, die Lyrik? Was wären wir ohne all unsere Helden die ihre Liebe, Wut und Trauer, ihr Glück und ihr Leid in ihren Liedern besingen? Dann hätten wir vielleicht endlich alle das selbe Bild vor dem inneren Auge, doch es wäre einfach nur SCHWARZ.

Und genau das ist der Grund, wieso wir dieses Projekt dann letztendlich doch nicht realisiert haben.