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Mittwoch, 30. November 2011

MAGIC MOMENTS IN SARAJEVO ODER DIE REINE SEELE


Das Hostel roch nach Schimmel und machte nicht wirklich einen einladenden Eindruck. Ich war müde – die Busfahrt hatte mich wider Erwarten doch ziemlich erschöpft – doch ich musste hier schnellst möglichst wieder raus. Musste raus auf die Strasse. Raus in die Nacht. Ich hüpfte kurz unter die Dusche und danach wieder auf die Strasse auf deren Anderen Seite sogleich das Türkische Viertel lag. Die Müdigkeit machte sich in meinen Beinen bemerkbar also wählte ich das erst beste Lokal aus und gönnte mir mein erstes SARAJEVSKO Pivo und eine Portion Cevapi. Danach schlenderte ich noch eine Weile durch die Strasssen. Obwohl Freitag Abend war und ziemlich viele Leute unterwegs waren strahlte diese Stadt eine zu tiefst entspannende Ruhe aus. Nach den eher hektischen Tagen in Belgrad kam mir das gerade recht. Wie auch in Istanbul, liegt auch über dieser Stadt oder sagen wir über diesem Stadtviertel etwas Magisches. Die kleinen Häuschen wirkten wie Puppenhäuser und die kleinen Stühle und Tische erinnerten mich natürlich sofort an meine Liebste (Istanbul). Aber was in Sarajevo den wohl deutlichsten Unterschied macht, sind die Menschen. Aber das sollte ich am nächsten Tag noch genauer Erfahren.

Am nächsten Morgen ging ich erst mal auf einen BOSANSKI KAVA (Bosnischer Kaffee) in das Türkische Viertel. Dieser wird mit einer kleinen Kanne serviert, welche man einige Minuten stehen lassen sollte, um dann mit dem Löffel den Schaum in die Tasse zu geben und danach den Kaffee ein zu giessen. Dies dient ähnlich wie beim türkischen Kaffee dazu, dass man nicht den ganzen Kaffeesatz im Mund hat.

Danach kaufte ich in einem der unzähligen Geschäften ein solches Kaffeeset für meinen lieben Freund Mickey. Oh Mickey. Wenn ein Mensch auf dieser Welt ein Mitbringsel aus Sarajevo verdient hat, dann Mickey. Mickey der eigentlich Miroslav heisst war ein Angestellter auf dem Schiff, auf welchem ich im Juni in Kroatien gelandet bin und danach auch gearbeitet habe. Er war so zu sagen das Herz des Schiffes. Die gute Seele. Oder wie ich zu sagen pflege: EINE REINE SEELE. Ich habe in meinem Leben mittlerweile vier von diesen reinen Seelen getroffen. Man erkennt Sie an ihren Augen. Die Augen sind ja bekanntlich das Tor zur Seele. Sie strahlen diese ganz spezielle Ruhe aus und sie haben etwas an sich was ungeheuer viel an Vertrauen, Wärme und Geborgenheit ausstrahlt. In ihrer Gegenwart fühlt man sich sofort wohl und man fragt sich vielleicht anfangs wesshalb das so ist. Schaut dir so eine reine Seele mit diesem ganz speziellen Blick in die Augen, fühlt es sich manchmal so an, als wäre dir eine tonnen schwere Last von den Schultern genommen worden. Besser kann ich es nicht erklären, aber eines ist sicher. Man wird es fühlen, wenn man so eine reine Seele trifft.

Wie dem auch sei, Mickey ist eine von ihnen. Er ist gebürtiger Bosnier und kam wegen der Arbeit nach Kroatien. Ich wollte ihm etwas aus seiner Heimat mitbringen und da er es war, der mich lehrte den Bosnischen Kaffee zu zubereiten, erschien es mir als das passende Geschenk. Seine Augen die glänzten und sein Blick als ich ihm bei meiner Rückkehr nach Kroatien das Geschenk überreichte werde ich nie vergessen. Genau so wenig wie die darauf folgende Umarmung. Ich könnte jedes Mal weinen vor Freude wenn ich an diesen Menschen denke. Ein Geschenk des Himmels, ein Engel der unter uns wandelt und die Welt ein kleines bisschen besser macht. Auf seine ganz eigene Art und Weise.

Ich weiss nicht ob es an dem Land liegt, an seiner Vergangenheit oder seiner Geschichte. Ich weiss nicht was es genau ist. Aber ich habe in meinem Leben noch nie so wohl wollende, freundliche und hilfsbereite Menschen getroffen wie in Bosnien. Vor allem in Sarajewo. Wie zum Beispiel dieser Engel der mich auf der Strasse zusammen gelesen hat als ich vor Schmerzen wimernd am Boden vor einer geschlossenen Apotheke kauerte und nicht mehr weiter wusste. Ich hatte eine allergische Reaktion und geriet in Atemnot und dementsprechend in Panik. Dieser Mann nahm mich am Arm, fuhr mich in die Notaufnahme und bezahlte die ganze Rechnung, fuhr mich zurück ins Hostel und gab den Angestellten Geld, damit sie auf mich aufpassten. Einfach so.

Wenn man so in die Welt hinaus schaut sieht man sehr viel Schlechtes. Trauriges. Herzzerreissendes. Bedrohliches. Angsteinflössendes. Viele Menschen machen sich und ihre Umwelt kaputt. Schätzen nichts und niemanden, haben nichts mehr zu verlieren, haben keine Hoffnung mehr. Aber einige wenige haben diese reine Seele. Sie sehen auf den ersten Blick aus wie du und ich. Es liegt in ihren Augen. Diese Menschen, Engel oder was immer sie auch sind, sie sind es die die Herzen der Menschen wärmen. Sie sind es, die uns an das Gute glauben lassen. Oder besser noch: die uns Hoffnung geben. Sie machen uns stark. Aber vor allem machen sie eines: Dankbar. Ich bin dankbar um jeden von ihnen, den sie halten die Menschen zusammen.

Donnerstag, 22. September 2011

PAIN IN THE ASS WITH LOVE


Es ist echt schwierig einen Satz nicht mit dem Wort "Ich" zu beginnen wenn man über sich selbst oder seine Erfahrungen schreibt. Aber als ich nun wieder mal einen Satz mit "Ich sitze hier gerade..." beginnen wollte, ist mir aufgefallen, dass ich fast jeden Text so beginne und da ich kein Freund von Einfältigkeit bin lasse ich den ersten Satz dieses Mal einfach ganz weg. So. Man lernt ja einiges über sich selbst beim Reisen, speziell wenn man dies alleine tut. Einiges mag erfreulich sein, einiges eher befremdlich und gewisse Erkenntnisse können einem gar richtig Angst machen.

Angst. Eines der vielen Schlüsselwörter meiner Reise. Ich würde mich generell nicht als ängstlichen Menschen bezeichnen. Speziell in den letzten Monaten, in denen ich mich so richtig ins Leben geschmissen habe, war mir Angst eher fremd. Wer Angst hat lebt nicht. Die Angst ist der Feind des Lebens. Ich kann die Ängste die ich bis anhin hatte an einer Hand abzählen:

- Spinnen
- Der Weg von der Bushaltestelle zur Wohnung meiner Mutter bei Nacht
- Die Angst, geliebte Menschen zu verlieren (Tod)
- Höhenangst ab einer gewissen Höhe


Also nichts aussergewöhnliches.

Doch in den letzten Wochen habe ich auf Einmal eine ganz neue Angst entwickelt von welcher ich glaube, das sie die schlimmste überhaupt ist. Es fühlte sich an wie eine Schnur die um meine Kehle gebunden ist und immer enger zu geschnürt wird. Mein Herz währenddessen steckte in einem Schraubenstock fest und fühlte sich an als würde es jeden Moment implodieren. Da war auf einmal diese erdrückende Angst vor der Einsamkeit. Ich fühlte mich Gottverlassen und trieb mich selbst in den Wahnsinn.

Was wenn ich eines Tages ganz alleine sterbe?

Was, wenn ich in meinen Gedanken total abdrehe und mich meine Freunde nur noch schief anschauen weil sie nicht nachvollziehen können was ich da wiedermal für ne Scheisse zusammen labere und dabei denken "Ok, jetzt hat sies definitiv übertrieben mit den Drogen!" ?

Was wenn ich mich innerlich so von meinen Mitmenschen distanziere, weil ich ihnen zu wenig zutraue, weil ich ihnen vorwerfe mich nicht zu verstehen ohne ihnen jemals die Chance dazu gegeben zu haben?

Was, wenn mich die Liebe nie findet? Ich meine wirklich NIE, denn mit meinen 26 bald 27 Jahren noch nie eine Beziehung gehabt zu haben, macht mich doch eher zur Ausnahme. Ich dachte vor kurzer Zeit noch: Ach, Scheiss drauf, ich brauch keinen Mann zum glücklich sein! Ich dachte, mich mit einem Leben mit mir selbst angefreundet zu haben. Ich dachte, ich könnte es akzeptieren weil es doch noch soviel im Leben gibt, dass zu entdecken gilt. So viele Länder, die es sich zu bereisen lohnt. So viele Menschen, die es sich kennen zu lernen lohnt. Mittlerweile habe ich als letzter Mensch der Welt auch noch rausgefunden, dass das alles Quatsch ist. Klar, all diese Dinge sind toll, aber was nützt denn all diese Scheisse wenn man die Erfahrungen die man gemacht hat danach mit niemandem teilen kann. Der dumme Wichser aus INTO THE WILD hatte also doch recht. Ich wollte es nicht glauben. Wahrscheinlich aus, drei Mal raten, ANGST.

Naja, Dumm gelaufen. Also, auch ich brauche Liebe. Verdammt aber auch. Ich will mein Glück nicht von einem Trottel abhängig machen der mir zu Anfang Songs über meine wunderschön grünen Augen widmet die eigentlich blau sind um mich danach mit meiner Schwester zu betrügen. Ok, ich hab zwar keine Schwester. Aber einen Bruder, was die Sache nicht unbedingt besser machen würde. Dann wäre ich nicht nur der Idiot mit gebrochenem Herzen, dann wäre ich der Idiot mit gebrochenen Herzen, welcher ihren Freund in die Homosexualität getrieben hätte. Zu dem würde Weihnachten in Zukunft ausfallen, weil mein Bruder und ich fortan ein gestörtes Verhältnis hätten und meine Mutter müsste ganz alleine das ganze Fondue Chinois essen und dann würde sie an Überfressung sterben und ich will nicht das meine Mutter stirbt! Nie! Und schon gar nicht, weil ich Emodumpfbacke mal eben die Erkenntniss hatte, dass ich vielleicht doch ein wenig Liebe im Leben brauche.

Wieso reicht denn eigentlich Sex nicht? Das sollte doch reichen?! Das schadet keinem und alle sind glücklich. Naja, meistens. Je nach dem. Wenn man dabei gerade von einem Hund erwischt wird, (VON EINEM Hund erwischt, NICHT mit einem Hund) der einem so kurz vor dem Höhepunkt in die Augen starrt ist das schon eher etwas unheimlich. Da geht man dann lieber als zu kommen. Solche Sachen passieren, wenn man in Bosnien mal eben schnell vor einem Hauseingang vögelt. Das ist dann einer der Nachteile des Budget-Travellers mit diesen Mehrbett Hostels. Aber im Nachhinein kann man dann wieder darüber lachen und somit wird meine Theorie wieder bestätigt. Es ist nämlich nie der Sex, der Probleme macht. Es sind immer nur diese beschissenen Gefühle. Vor denen hab ich echt Schiss. Diese verdammten Ängste machen mir langsam echt Angst.

Bis zu meinem nächsten Angstanfall (zb, das der Spiegel im Bad auf dem Schiff zerbricht weil es so rüttelt infolge Sturm und mir die Glassplitter das Augenlicht rauben oder dass mich, während ich um das Schiff schwimme, jenes zufällig überfährt) geniesse ich meine Bevanda (Weisswein mit Wasser) und freue mich auf eine weitere Toga Party in meinem Lieblingsclub in Kroatien, dem DEEP, welcher in einer Höhle direkt am Wasser sein zu Hause hat.

So long...

Ach und nein ich bin nicht verrückt, ich verliere nur langsam den Verstand weil ich zu viel Zeit zum Nachdenken habe. Das Leben eines Reisenden ist schon furchtbar.

Embrio


Irgendwie krieg ich`s nicht hin zu schreiben. Ich dachte, ich hätte endlich genug Zeit um zu schreiben wenn ich wieder alleine unterwegs bin, doch meine Gedanken verstecken sich schön brav in meinem Kopf. Sie versuchen zwar den Weg auf das Papier, oder in diesem Falle; auf den Bildschirm zu finden, aber jedes Mal, wenn ich versuche sie nieder zu schreiben, verstecken sie sich wie kleine Kinder beim Versteckspiel.

Es ist keineswegs so, dass ich nichts zu sagen hätte. Im Gegenteil, die letzten drei Wochen in denen ich unterwegs war, waren auf unterschiedlichste Weise intensiv. An den ersten zwei Wochen kaue ich heute noch. Ich bin weit davon entfernt sie verbal zu verarbeiten, zu tief sitzen diese Erfahrungen in meinem Inneren. Sie haben sich ihr Nest gebaut und klammern sich an mein Innerstes wie Affen an Bäume.

Immer, wenn mir ein Thema durch den Kopf geht, und ich anschliessend versuche darüber zu schreiben sind die vorgängigen Gedanken nicht mehr greifbar. Als wollten sie nur allein bei mir bleiben, als fürchten Sie sich vor der Aussenwelt. Bei mir fühlen sie sich sicher. Gut aufgehoben in den Tiefen meiner Gedanken. Sie scheren sich nicht darum, wie ich mich dabei fühle, es ist ihnen egal, dass ich sie mit niemandem teilen kann und ihnen somit alleine ausgeliefert bin.

Schreiben ist ein Prozess. Ein Prozess der Verarbeitung der Gedanken des Schreibenden. Es ist dieses Gefühl, dass die Gedanken erst ihre vollendete Gestalt annehmen, wenn sie nieder geschrieben sind. Erst wenn ein Gedanke ausgesprochen oder nieder geschrieben wird nimmt er seine finale Form an, alles was zuvor war, ist bloss ein Entwurf. Ein Entwurf dessen, was unsere Gedanken im Begriff sind auszulösen. Eine Skizze des Lebens. Der Menschen. Des menschlichen Denkens. Ja unserer ganzen Existenz. „Achte auf deine Gedanken, sie sind der Anfang deiner Taten“ hat mein Lehrmeister während meiner Ausbildung immer und immer wieder zu mir gesagt. Damals hatte ich noch keine Ahnung, dass ich Jahre später erst wirklich den Sinn dieser Worte begreifen würde. Ich war Achtzehn. Ich hatte keine Ahnung. Keine Ahnung, wie oft ich in meinem Leben noch an diese Worte zurück denken würde.

Deine Gedanken sind alles. Alles beginnt und endet bei deinen Gedanken. Alles Gute, alles Schlechte. Die wahre Schönheit, die tiefsten Abgründe. Sie sind der Mutterleib und unser Sterbebett. Sie sind das Blut, das in unseren Adern fliesst. Sie sind die Luft die wir atmen, die Liebe die uns Berge versetzen lässt. Sie sind die Kinder, die unser Leben lebenswert machen. Sie sind was wir sind. Was wir waren und immer sein werden.

Ja, wir sollten auf sie achten. Sie beschützen wie einen Schatz, auf sie achten wie auf unsere Kinder, und dennoch sollten wir sie sich frei entfalten lassen, genau wie unsere Kinder. Den im Grunde sind sie genau das. Sie sind unser Ebenbild und dennoch besitzen sie eine Kraft, die wir nicht imstande sind zu unterdrücken, zu verändern oder zu beeinflussen. Sie sind wie ein eigenes Wesen, doch im Gegensatz zum Umgang mit unseren Kindern, bestimmen wir, wir alleine, was wir mit ihnen machen. Mit wem wir sie teilen und welchen Weg wir sie gehen lassen. Und genau das ist unsere Herausforderung. Unsere Lebensaufgabe. Die Art, wie wir mit ihnen umgehen, bestimmt schlussendlich unser Leben. Sie vermag uns in die Knie zu zwingen genau so wie sie es vermag, uns unendlich frei zu fühlen. Unsere Gedanken und unser Umgang mit ihnen sind der Samen. Sie schwimmen in uns herum in der Hoffnung auf Leben. Es liegt ganz bei uns, es ihnen zu schenken.

Sonntag, 28. August 2011

SOFIA & BRUCE ODER KEINE LIEBESGESCHICHTE


Bruce Springsteen ist einfach ein geiler Hund. Er schafft es immer wieder mich fühlen zu lassen, als würde ich in THELMA & LOUISE anstelle von Geena Davis an der Seite von Susan Sarandon im Auto sitzen. THELMA & LOUISE sind für mich die Grössten. Schon als Kind waren die zwei Frauen auf der Flucht für mich der Inbegriff von Freiheit, Freundschaft, Sehnsucht und Idealen.

Ich höre also Springsteens SPIRIT IN THE NIGHT und schlendere kreuz und queer durch Sofia, trinke Cola aus der Dose und fühle genau dieses Feeling, welches nur Springsteen zu vermitteln mag. Und auf einmal mag ich diese eher etwas verschlafene bulgarische Hauptstadt. Ich habe mir heute zum Ziel gemacht, dieser Stadt neben dem Büchermarkt und dem gemütlichem Wohnzimmer des Hostels doch noch etwas gutes ab zu gewinnen. Das Sie keine klassische Schönheit ist, ist allseits bekannt und dennoch hat diese Stadt etwas, was mir sehr gut gefällt. Dieses trashige, dieses etwas verkommene vermischt mit Neuem. Diese unterschiedlichen Baustiele als hätten Sie aus jedem umliegendem Land etwas zusammen gepackt und daraus eine Stadt gebaut. Die Strassenbahnen erinnern an eine Zeit, die ich selbst nicht erlebt habe. So stelle ich mir Berlin zu Zeiten der DDR vor. Allgemein erinnert mich diese Stadt etwas an Berlin. Äusserster Ecken Kreuzberg, Sonntags 9 Uhr Vormittag. Sprich: Ausgestorben und ruhig um nicht zu sagen langweilig. Keine Ahnung ob sich hier nun wirklich alle noch an der Schwarzmeerküste den bulgarischen Ballermann geben oder ob der Grossteil der Bevölkerung der angeblich in der Hauptstadt wohnt nun doch die Freuden des Landlebens für sich entdeckt hat aber was mir hier fehlt ist: LEBEN. Dieser Ort ist ruhiger als Luzern und Offenburg zusammen. Dabei hätte die Stadt durchaus potential! Was hier extrem fehlt sind gemütliche, einladende Cafés, Bars und Restaurants. ich habe nach zwei Tagen Fussmarsch im Zik-Zak kein Einziges gefunden. Hier fehlt eine Langstrasse! Ein Ort der Jugend! Im Zentrum ist dieser jedenfalls nicht. Wahrscheinlich ist dieser einfach in Studentskigrad, das Studentendorf, aber da immer noch Ferien sind, ist auch dieses zur Zeit ausgestorben.

Auch ist Sofia nicht wirklich touristen-freundlich, so ist nur an den wenigsten Orten irgendetwas in lateinischen Buchstaben beschriftet. Zumindest am Busbahnhof und am Hauptbahnhof für internationale Züge würde es einiges vereinfachen und man müsste nicht immer jemanden fragen der sowieso kein Englisch spricht.

Die bulgarische Küche trifft genau meinen Geschmack. Viel Fleisch und noch mehr Fleisch. Den Wein allerdings fand ich zum weinen. Habe allerdings nur den einen Hauswein eines Restaurants versucht. Schmeckte wie abgestandener Moscato vom Vorabend. Der Espresso schmeckte auch nach drei Stückchen Zucker immer noch als hätten sie ihn mit Urin gekocht. Als ich den Ober fragte ob das normal sei, dass der so säuerlich schmeckt und darauf bestand, dass er ihn probierte und dieser mich nur belustigend ansah und meinte der sei doch ganz normal, da begann ich mich ernsthaft zu fragen ob nun mit meinen Geschmacksnerven was nicht stimmte oder mit seinen. Ich konnte das Ding beim besten Willen nicht runter würgen, also liess ich es beschämt stehen. Mit der Rechnung kam dann auch noch ein Dessert aufs Haus. Schon als ich dieses pinkige geschlaber sah wurde mir schlecht. Auch das noch! Ich würgte das Ding runter und verschwand in der Nacht.

Im Club mit dem viel versprechenden Namen AT THE END OF THE UNIVERSE kippte ich noch kurz nen Rum-Coke für umgerechnet 2.10 CHF. Unter anderen Umständen hätte das ein gefährlicher Abend werden können. Zum Glück war die Musik schlecht!

Ich hätte gerne mehr von der Bulgarischen Kultur kennen gelernt. Aber da sind die sprachlichen Barrieren noch höher als in der Türkei. Man muss sich schon intensiv mit den Sitten und Bräuchen auseinander setzen um die Menschen nicht aus Unwissenheit aus versehen zu beleidigen oder vor den Kopf zu stossen. So bedeutet hier etwa Kopfschütteln JA und ein Nicken NEIN. Ich wäre heute auch fast wieder darauf reingefallen. Jemandem PROST zu sagen sollte man auch vermeiden, heisst es hier zu Lande nämlich nichts anderes als DUMMKOPF.

Ich sitzte nun noch ein bisschen in meinem Wohnzimmer im Hostel, trinke Tee, welcher hier im Hostel umsonst ist, und quatsche ein bisschen mit dem Russen der schon darauf wartet, dass ich diesen Text hier endlich zu Ende bringe damit er mir eine Frage stellen kann.

Morgen heissts dann ab nach BELGRAD. Zugticket hab ich bereits im Sack. Ich freu mich wie Matze auf seinen 18.ten Geburtstag. ENDLICH FEIERN, ich war schon viel zu lange nicht mehr besoffen. Ich hatte seit Tagen nie mehr als zwei Bier pro Tag. Das soll sich morgen endlich ändern. Ach, ich hol mir jetzt n Bier, da komm ich heute wenigstens auch noch auf zwei. Dieses gesunde Leben bekommt mir nicht. Überhaupt bin ich zurzeit viel zu ausgeglichen, ich öde mich schon fast selbst an. Normalerweise hab ich ja immer mehr als genug mit mir zu tun, aber momentan fühlt es sich fast an als hätte ich Urlaub von mir selbst. Fühlt sich irgendwie seltsam an. Ich bin so ruhig und ausgeglichen drauf, es ist zum verrückt werden!

Freitag, 26. August 2011

Es reist wieder. Auf nach Sofia! Oder wieso man eben doch nicht Alles haben kann


Ich sitze in einem Internetcafe am Istanbuler Otogar. In etwa zwei Stunden geht mein Bus nach Sofia. Wenn ich auf etwas keine Lust habe momentan, dann ist es, wiesoll ich sagen, nun ja: SOFIA! Da kann man sich natuerlich nun fragen, was kauft sich die Alte n Ticket nach Sofia wenn die da eigentlich gar nicht hin will. Das ganze ist etwas kompliziert was widerum bei mir nichts sonderlich Aussergewoehnliches ist, das mit dem kompliziert meine ich.

Ich will wiedermal Alles und nichts. Ich will ueberall sein und nirgends. Ich will frei sein und suche dennoch Naehe. Ich will alles aufsaugen, alles erleben und erfahren aber doch nichts an mich heran lassen. Kurz: Ich hab heftig einen an der Klatsche. Eins am Sender. Ne Meise. Nein ich bin nicht betrunken! Im Gegenteil, ich hatte noch nicht mal ein einziges Bier heute. Ich bin nur ganz normal gestoert. Aber jetzt mal von vorn.

Wie viele wissen, ist Istanbul mein Mekka. Mein Zufluchtsort. Mein Heiligtum und mein Herz. Ich liebe diese Stadt wie keine Andere. Sie ist fuer mich die Eine. Jetzt zum Beispiel, groesste Hektik und Geschrei hier am Otogar, das Gebet ertoent, ich fuehle Frieden und Geborgenheit. Es hat etwas so friedvolles wie die Stimmen aus den Minaretten erklingen. Wie auch etwa die kurdischen Klagelieder vermitteln mir die Gebete wenn sie so schoen langgezogen werden eine Art inneren Frieden. Momentan ist Ramadan und desswegen eine besonders schoene Zeit in Istanbul. Da bis vor Sonnenuntergang nicht gegessen werden darf versammeln sich nach Einbruch der Dunkelheit ganze Familiensippen zum Picknik um die Hagia Sofia. Die Stimmung ist so friedvoll, man moechte sich sofort dazu setzen.

Wenn ich jetzt noch darueber schreibe fuehl ich mich gerade doppeld dumm das alles schon so frueh wieder zu verlassen. Aber wie gesagt ich bin im Klinsch.

Eigentlich wollte ich ja Ende August zurueck auf mein geliebtes Schiff, auf welchem ich im Juni so zu sagen die Zeit meines Lebens verbracht habe. Doch dann kam wieder die Sehnsucht nach Istanbul, meiner Liebsten. Ich wollte Sie unbedingt dieses Jahr noch sehen, zu gross war das Verlangen. Also beschloss ich von Istanbul nach Split zu reisen. Die ganze Zeit schon schmiede ich Plaene um sie dann wieder zu verwerfen, wer mich kennt, der weiss, das ich ganze Aktenschraenke mit Plaenen vorweisen koennte welche ich nur dazu erstellt habe um sie danach wieder zu verwerfen. Das selbe gilt fuer Vorsaetze, Regeln, Berufswuensche und so weiter. Sie dienen hauptsaechlich der Beschaeftigung meiner selbst und dem Selbsttrug sich vorzuspielen seine Zeit sinvoll zu gestalten. Aber Plaene sind auch etwas fuer Langweiler. Wenn etwas schon zu fest geplant ist und die Spontanitatet auf der Strecke bleibt schlaeft mir das Gesicht ein. Desswegen muss man da eben manchmal etwas vom Weg abweichen um wieder Spannung ins Spiel zu bringen. Man steigt beispielsweise einfach mal Hals ueber Kopf in einen Bus nach Kroatien oder man buche mal aus lauter Panik vor Naehe und Langeweile ein Ticket nach Sofia. Aus Istanbul versteht sich. Der schoensten Stadt der Welt.

Nun gut, ich hatte schon immer eine etwas masochistische Ader. Vielleicht finde ich auch desswegen so grossen Gefallen an einer Kultur in der sich die Frauen den Maennern unterwerfen und sich selbst und ihre Traeume aufgeben sobald sie mal einen Braten in die Roehere geschoben bekommen haben.
Auf jeden Fall verlief eigentlich alles wie geschmiert um nicht zu sagen perfekt. In Istanbul angekommen legte ich mich erstmal fuer einen kleinen Powernap im Hostel hin num danach etwas durch die Strassen zu schlendern und an jeder Ecke was zu Essen. Wie schon so viele male zuvor liess ich mich wider auf einen Cay bequatschen und folgte dem Herrn in einen Teppichladen um die Ecke. Das ist immer eine gute Moeglichkeit um umsonst Tee zu trinken und wenn man ablehnt sind die Haendler auch immer so beleidigt also geh ich bei einem von drei jeweils auf einen kurzen Smalltalk und einen Cay in ihren Laden. Als ich wieder auf der Strasse war strahlte mich ein junger Herr an und begruesste mich. Ich setzte mein charmantestes kleines Maedchen Laecheln auf und fragte mich sogleich wesshalb. Bei genauerem Hin sehen sah ich, dass ich diesen jungen Herrn kannte. Die Haare waren anders aber er war es zweifels los. Deniz arbeitete im Hostel als ich vor einem Jahr hier war. Damals waren wir beide betrunken und haben uns gekuesst. Am nachsten Tag war es uns beiden peinlich und somit zeigten wir uns gegenseitig die kalte Schulter. Aber jetzt strahlten wir uns nur beide an. Der Zufall, das wir uns ein Jahr spaeter in einer der groessten Staedte der Welt mal eben so per Zufall auf der Strasse begegneten hielt ich dann irgendwie doch fuer Schicksal. Deniz lud mich auf eine Tasse Cay ein und wollte wissen was ich hier mache. Ich erzaehlte ihm ich sei hier auf Arbeitssuche. Diesen Entschluss hatte ich erst Minuten vorher gefasst und frag mich jetzt keiner Warum! Ein Plan halt.

Er war wirklich der Beste, ueberlegte wirklich angestrengt wie er mir helfen koennte. ging mit mir Jobs durch, schaute mit mir im Internet Annoncen durch und legte fuer mich sogar ein Profil auf einer tuerkischen Stellenseite an. Er wollte mich ab heute bei sich wohnen lassen solange ich moechte und zudem wollte er mir eines seiner Handys schenken damit ich fuer die Jobsuche erreichbar und mit ihm in Kontakt bleiben kann solange ich bei ihm wohne und er in der Zwischenzeit im Sueden seine Familie besucht. Er hat mit mir ein Budget erstellt wieviel Geld ich hier monatlich brauchen wuerde und bot mir an tuerkisch bei zu bringen. Ich wuerde dafuer ca 3 bis 5 Monate brauchen. Im Gegenzug sollte ich ihm Deutsch beibringen. Ich hatte den sechser im Lotto gezogen, wollte ich doch schon immer mal fuer laengere Zeit in Istanbul bleiben. Leider hatten wir dann aus Versehen Sex. Wobei leider eigentlich das falsche Wort ist und ein Versehen war es nun auch nicht wirklich. Wir waren nicht mal betrunken. Danach qualmten wir noch ein bisschen sein kleines Zimmer voll, schauten irgend nen Film und das Leben war schoen. Doch als ich heute morgen aufwachte verspuehrte ich auf Einmal den dringenden Wunsch das Weite zu suchen. Also versetzte ich den netten Kerl am vereinbarten Treffpunkt und fuhr stattdessen zum Busbnahnhof und da es keinen Bus mehr nach Varna gab, von wo aus ich nach Vama Veche, das kleine rumaenische Hippiedorf an der Schwarzmeerkueste gab, kaufte ich ein Ticket nach Sofia. Der einzige Weg der heute noch aus der Tuerkei raus fuehrt. Und nun sitze ich hier auf meinem verfickten Ticket nach Sofia und frage mich wann ich eigentlich genau verrueckt geworden bin. So long...see you in Sofia...

Mittwoch, 17. August 2011

GEDANKEN UND SO

Ich habe lange nicht geschrieben. Obwohl, geschrieben habe ich schon aber ich war mir nicht sicher ob das, was ich geschrieben habe für Andere nachvollziehbar ist. Gedanken können ganz schön einsam machen. Und frei. Dennoch stellte ich mir in letzter Zeit oft die Frage: Ist das der Preis, den ich dafür bezahlen muss? Ist die absolute Freiheit, diejenige die nur in deinen Gedanken stattfinden kann, welche dich aber so frei macht das du vor lauter Freude weinst, ist diese Art von Freiheit automatisch mit dieser Einsamkeit verbunden, welche nur durch deine Gedanken hervor gerufen kann? Wie fest stehen Freiheit und Einsamkeit im Kontext und wie ist es möglich, sich darüber hinweg zu setzen? Muss man erst die absolute Einsamkeit finden um endlich frei sein zu können?

Diese Fragen gehen mir, seit meinem Kroatien Trip im Juni andauernd durch den Kopf. Ja, ich habe lange nicht geschrieben, aber ich hatte soviel zu sagen! Doch habe ich es nicht aus mir heraus gebracht. Aus Angst. Aus Angst, mit meinen Gedanken immer noch alleine zu sein nach dem ich sie geteilt habe. Ich denke, einsamer kann ein Mensch nicht mehr werden, als wenn er sich fühlt, als haben ihn alle für verrückt erklärt. Vieles wird in Frage gestellt. Freundschaften. Lebensarten. Lebenseinstellungen- und Auffassungen.

Als ich am 31. Mai 2011 Hals über Kopf in einen Bus in Richtung Kroatien gestiegen bin habe ich einen Entschluss gefasst:

ICH WILL MEHR!

Ich habe 26 Jahre damit verbracht, zu versuchen, verschiedenste Erwartungen zu Erfüllen, mich an zu passen, mich irgendwo rein zu quetschen, mich verbogen und verleugnet um es der Welt recht zu machen. Aber was gibt mir die Welt?

Dinge werden genormt, was von einer grossen Masse vertreten wird, wird als RICHTIG angesehen und alles wird da und dort nachgeplappert und akzeptiert weil es eben nun mal SO IST. Ideale gehen verloren, vergessen oder werden mit einem Lächeln abgetan. "Jaja, früher, da hatte ich noch Visionen." Ein oft gehörter Satz. Sind wir einfach zu Faul?

In Zürich werden höhere Bussen für Feierein im Frein verteilt, alles wird eingepfercht und verboten. Alles wird klein gemacht und in den Boden gestampft. SPASS HABEN VERBOTEN!

Und alles wird ohne weiteres akzeptiert und nicht hinterfragt. REVOLUTION WAR GESTERN.

Das stimmt mich traurig. WANN HABEN WIR EIGENTLICH ANGEFANGEN AUFZUGEBEN?

Ich mag mich damit nicht mehr abfinden! Und ich mag mich auch nicht mehr anpassen. Und ich mag meine Zeit auch nicht damit verschwenden, mich mit Dingen auf zu halten die mich nicht weiter bringen oder mir gar im Weg stehen.

Ich habe genug, von Intoleranz und von Menschen die sich über andere Stellen und dabei vergessen ihr eigenes Leben zu leben.

Und ich habe auch so was von genug von dieser Intoleranz in der Zürcher Technoszene, von welcher ich mir einiges mehr versprochen habe. Hier einen auf Hippie machen aber rücklings die totale Intoleranz. Dabei hat es so viele spannende Menschen. So viele verschieden Charakteren. Aber ja nicht die Kontrolle verlieren.

ZÜRICH, VERLIER DOCH BITTE MAL DIE KONTROLLE! WAS SOLL DAS GANZE DENN SONST?

STEH MAL FÜR DICH EIN, DEINE IDEALE, DEINE VISONEN UND TU WAS DU MAGST. AUCH WENN DER PREIS DAFÜR DIE EINSAMKEIT IST MACHEN SIE DICH DENNOCH FREI!

Freitag, 24. Juni 2011

TO SAY GOODBYE


Mickey steht an der Reling angelehnt und schaut mit gesenktem Blick aufs Meer. Als er mich kommen hoert hebt er seinen Kopf, schaut mich mit diesem Blick an. DIESEM Blick. DER Blick. Dieser eine spezielle Gesichtsausdruck den ich, bevor ich Mickey kennen lernte nur von einem Menschen kannte. Von meiner Freundin Celina. Es ist ein Blick, ein Ausdruck, der mehr sagt als es Worte je tun koennten. Es ist dieser eine Blick, der deinen ganzen Koerper durchfaehrt und dir ein Gefuehl von Liebe vermittelt. Von aufrichtiger, erlicher Liebe. Ich meine nicht Liebe im Sinn von romantischen Gefuehlen. Ich meine diese Liebe zwischen den Menschen. Die Zwischenmenschliche Liebe.

"Oh Steph" sagt er und wendet seinen Blick wieder dem Meer zu. Ich hoere wie er leise weint. Innerlich. Ich gehe einen Schritt auf ihn zu und nehme ihn in den Arm, druecke ihn ganz fest an mich. Wir loesen uns wieder aus der Umarmung und schauen beide aufs Meer.
"How do you say in english eeeh, eeeeehhhh.." -
"I dont know..." antworte ich
"Do you mean how to say ITS HARD TO SAY GOODBYE?"
"Yes"
" I dont know how exactly they call that, but yes, it is. it allways is. You remember me last sunday?"

Er schaut mich mit seinem herzensguten Blick an und schmunzelt.
"Yes"

Letzen Sonntag verliess ich das Schiff. Als das Festland immer naeher rueckte wurde ich sehr sentimental. Ich liess die letzten Wochen nochmals revue passieren und lief auf dem Schiff herum, setzte mich nochmals an all meine lieblings Plaetze, fing an mich zu verabschieden. Um halb elf Uhr Vormittags kam Mickey mit Jaegermeister, Big Daddy brachte mir ein Bier. Ich konnte nicht mehr und die Traenen liefen nur so runter, da stand die ganze Crew in eine Reihe und sang STAND BY ME fuer mich, Sie lachten, tanzten, johlten ...I WONT CRY, I WONT CRY, I WONT SHED A TEAR...

Ja, es ist verdammt hart Abschied zu nehmen.

Ich will nicht an Morgen denken.

Mittwoch, 18. Mai 2011

WER BIST DU DENN?


Man lernt sich selbst ja immer besser kennen. Das kommt mit den Jahren und mit den Erfahrungen die man macht. Durch Dinge die man erlebt, erlebt man sich auch irgendwie selbst. Was mag ich? Worauf lege ich besonders viel Wert? Bin ich eher der Traditionelle Typ oder eher der unkonventionelle?

Ich hatte bis anhin diverse Theorien darüber, wozu das Leben denn da sei. Mal abgesehen davon, sich einen reichen, gut aussehenden Kerl zu schnappen, sich einen Braten in die Röhren schieben zu lassen und den ganzen lieben langen Tag Basilikum anzupflanzen, Kuchen zu backen, dem Alten seine Wäsche zu Waschen und so richtig fett zu werden weil seine Mutter dich jeden Sonntag mit diversen Köstlichkeiten voll stopft.

Zum Einen habe ich für mich definiert, dass das Leben da zu da ist, ein besserer Mensch zu werden. Oder ein guter Mensch. Da stellt sich natürlich die Frage: WANN IST MAN EIN GUTER MENSCH? Diese Frage ist sehr gross und begibt sich auf ein unendliches und schwieriges Terrain aus Ethik und Moral. Ich für mich, finde diese Thematik genau so spannend wie gefährlich, denn schlussendlich kann darauf nur jeder für sich selbst antworten, denn jede Theorie wird von einer weiteren widerlegt. Ich denke wir werden, wenn wir im Sterbebett auf unser Leben zurück blicken eine Antwort darauf haben. Diese Aussage lässt vielleicht darauf schliessen wie ich darüber denke. Vielleicht auch nicht.

Zum Anderen, bin ich neulich zu der Erkenntnis gekommen, dass es im Leben vor Allem auch darum geht, sich selbst kennen zu lernen. Ständig lernen wir neue Menschen kennen, wollen Sie näher kennen lernen weil Sie auf uns Faszination ausüben oder weil wir das Gefühl haben, dass Sie uns ähnlich sind. Wir suchen Verbindungen und Parallelen. Sei es in der Wahl des Partners, der Freunde oder der Geschäftspartner. Wir suchen Menschen, die unsere Interessen decken. Oder solche, die uns fordern. Oder aber solche, die uns ein gutes Gefühl geben.

ABER WAS GEBEN WIR UNS SELBST? WIE GUT KENNEN WIR UNS SELBST? Ich bin manchmal erstaunt, wenn mir auf einmal auffällt, wie gut mir etwas gefällt und ich mir denke: "Ich steh eigentlich total auf Tante Emma Läden". Das ist mir beispielsweise gestern aufgefallen, als ich in einem solchen kurz Zigaretten holen ging. Der Duft, das laute Brummen der Kühlregale, die mit Liebe gemachten Sandwiches. Die urchigen Produkte die an eine andere Zeit erinnern. An eine Zeit, in der wir noch Kinder waren und uns im Quartierlädeli Süssigkeiten oder ein Eis aussuchen durften.

So kleine Dinge – wie etwa, dass man solche Läden mag – lassen einen doch das Eine oder Andere über sich selbst erfahren. Aus dieser Laden-Geschichte lässt sich etwa daraus schliessen, dass ich nostalgisch bin, um nur ein Beispiel zu nennen.

Ja, sich selber kennen lernen. Eine der Definitionen, wozu das Leben da ist. Find ich schön. Immer interessant, woraus unser Wesen, unser Charakter zusammen gesetzt wird. Uns selbst kennen zu lernen ist vielleicht eine etwas egoistischere Variante der Selbstwahrnehmung. So machen wir es für uns selbst. Für uns allein. Wogegen es bei der Selbstwahrnehmung mehr um die Anderen geht: Wie wirke ich auf Andere? Wie kommt mein Verhalten an? usw. Bleiben wir doch einfach zuerst mal bei uns, und lernen uns selber kennen.

Ich wünsche euch viel Spass dabei. Es werden wohl noch so einige Überraschungen auf uns zu kommen. Gute. Und Schlechte. Aber darum geht es ja.

Mit Liebe.

Freitag, 8. April 2011

ES HAT GENUG MUSIK FÜR ALLE - EIN ANLIEGEN AN DIE DJ`S


Ich bin genervt. Also eigentlich scheint mir gerade die Sonne aus dem Arsch. Ich sitze leicht bekleidet mit einem Glas Eistee auf dem Balkon, räkle mich in der Sonne und höre grossartige Musik. Was will man mehr. Dennoch gibt es etwas, dass mir irgendwie keine Ruhe lässt. Es geht um Musik. Und wenn es um Musik geht verstehe ich keinen Spass. Da hörts auf. Nicht mit mir!

Letztens habe ich auf Soundcloud einen Kommentar eines Berliner DJ`s zu einem Set gelesen. Ich muss ihn zitieren, damit ich dem Herrn nicht aus Versehen falsche Worte in den Mund lege.

"so, erstmal "tolles set"! und ich frag jetzt mal nicht nach einer ID - muss auch sagen das es mich total ankotzt das die konsumenten nicht einfach entspannt geniessen können ohne immer wissen zu müssen welcher track und von welchem künstler!"


ALTER, HAST DU CRACK GERAUCHT ODER WAS ZUR HÖLLE STIMMT NICHT MIT DIR?!

So ging Gott (DJ) von dannen und liess die Sterblichen (Konsumenten) unwissend zurück.

Diese Aussage löste in mir ein grosses Fragezeichen aus. Unverständnis. Wut. Ich könnte ihm pausenlos die Fresse polieren. OK, werden wir wieder sachlich. Wie kann jemand so eine Aussage machen? GERADE ein DJ! GERADE einer, der selbst der Musik verfallen ist, einer der wissen sollte, wie es sich anfühlt, wenn man einen grandiosen Track hört und unbedingt wissen will von wem der stammt! Was ist bloss passiert? Ist das der Sinn der Musik? Sind das die Ambitionen eines DJ`s? Was bringt es dem Interpret? Hat der nicht auch mehr davon, wenn den Leuten sein Name ein Begriff ist? Klar, die Exklusivität geht verloren, die Musik wird - desto öfter sie gespielt wird - kommerzieller. Doch was ist aus dem Gedanken "MUSIK VERBINDET" geworden?

Ist es nicht eine der Aufgaben eines DJ`s, neue oder rare Tracks dem Volk näher zu bringen? LIeben wir sie nicht unter anderem genau für DAS? Ist dem Interpret nicht mehr geholfen? Und ja, wir geniessen diese Sets. Und wir lieben es wenn wir eine Perle heraus picken können, die wir noch nicht kennen. Doch wir wollen sie gerne kennen lernen. Wir wollen sie feiern. WIR WOLLEN SIE TEILEN. Und wir wollen wissen, was dieser Artist sonst noch für Werke vollbracht hat. Denn nicht nur ihr, werte DJ`s seit an Musik interessiert. Wir – die Konsumenten – sind es auch. Wären wir es nicht, würdet ihr nicht solchen Erfolg mit eurem Schaffen haben, welches wir im Übrigen sehr wohl schätzen und geniessen.

Ich verstehe diese ewigen Diskussionen über Bekanntgabe der Track-ID`s nicht. Wir finden euch nicht mehr oder minder gut ob ihr nun eins auf Underdog macht oder nicht. Wir wollen gute Musik und wir wollen wissen woher sie stammt.

Musik soll Menschen zusammen führen und sie nicht trennen. Klar, trennt sich auch hier die Spreu vom Weizen, aber bitte distanziert euch nicht so extrem vom Konsumenten. Er ist euch nämlich näher und ähnlicher als ihr vielleicht denkt.

Und wenn es euch nervt, bei jedem Set, 20 Fragen über Track-ID`s und Release Date etc zu beantworten, nehmt euch doch ein Beispiel am Herrn Kollmann. Im Übrigen ein ganz tolles Set.

RalfKollmann Jan2011 TheGoldenEra by ralfkollmann

SUPPORT THE GOOD ONES.

LOVE.

Donnerstag, 17. März 2011

Herz vs. Verstand


Es gibt diese Geschichten von zwei Menschen, die sich verlieben und man bekommt umgehend Lust aus dem Haus zu gehn, auf die Strasse zu treten und sich zu verlieben.

Dann gibt es diese Songs von gebrochenen Menschen die ihre kaputte Liebe besingen. Der Schmerz und die Melancholie springt sofort auf uns über und wir schwören uns, uns nie nie nie mehr zu verlieben.

Wir sehen Menschen auf der Strasse. Jeder hat eine Geschichte, trägt die Überreste seiner vergangenen Liebschaften mit sich rum. Manche sind gerade noch in einer glücklichen Beziehung und ahnen noch nicht, was alles auf sie zu kommen wird. Sie ahnen nicht, dass sie ein halbes Jahr später als gebrochener Mensch die selbe Strasse entlang gehen werden. Sie können Sich nicht vorstellen, dass der momentane Zustand, das momentane Glück ein Ablaufdatum hat. Und das ist auch gut so. Mit jeder neuen Liebe kommt die neue Hoffnung, das es nun DAS ist. Das Ewige. Die Liebe des Lebens. Und jedes Mal, wenn man erkennen musste, dass es nun doch nicht DAS war, stirbt etwas in einem ab. Man kann sich nicht vorstellen, je wieder so zu fühlen. Man zieht sich zurück, kapselt sich ab, baut die Mauer noch etwas höher und man meint, nächstes Mal besser abzuwägen, besser auf zu passen, an wen man sein Herz verschenkt. Doch wenn wir uns verlieben werden wir weder irgendetwas abwägen noch werden wir besser aufpassen, am wenigsten auf unser Herz. Wir werden uns vielleicht Dinge einreden, uns Vorsätze nehmen. Wir meinen der Vernunft eine Stimme geben zu müssen, doch meistens, wenn man an diesen Punkt kommt, wo man Dinge abwägen will, im Gedächtnis Pro und Kontra Listen erstellt, ist es längst zu spät. Das Herz hat kein Interesse an Vernunft und die Liebe hat schon gar nichts mit ihr gemein.

Viele Menschen laufen ihr Leben lang an die gleiche Sorte Mensch heran. Vielleicht ist es eine Prüfung. Vielleicht widerspiegeln diese Menschen Dinge in uns, welche wir mit uns selbst noch klären müssen. Vielleicht suchen wir uns aber auch deswegen die falschen Partner aus, weil wir noch nicht bereit sind für den RICHTIGEN. Vielleicht müssen wir zuerst lernen. Mit jeder Liebe lernen wir etwas über uns selbst und das Beste was wir tun können ist, diese neu gewonnenen Erkenntnisse mit zu nehmen und daran zu arbeiten.

Man kann sich fragen: Warum lernen die Menschen nicht aus ihren alten Beziehungen und laufen wieder genau an die selbe Sorte Mensch heran? Ich denke der Schlüssel ist die HEILUNG. Ist ein Herz erst geheilt, ist es umgehend wieder bereit sich in das nächste Abenteuer zu stürzen. Während des Heilungsprozesses sind wir vorsichtig. Wir sind ängstlich, zerbrechlich und flüchten vor Allem, was uns zu nahe kommen und somit verletzen könnte. Aber ist der Heilungsprozess erst abgeschlossen sind wir wieder empfänglich für alles. Für das grosse Glück, die Liebe des Lebens, der abgrundtiefe Schmerz – wir nehmen wieder alles in Kauf. Alles von Vorn. Und das ist das schöne an der Liebe: Kein Schmerz, kein Verlust, ja nichts kann uns daran hindern, das alles erneut in Kauf zu nehmen, zu gross ist die Hoffnung, dass es dieses Mal DAS ist. Und das ist gut so.

Dienstag, 15. März 2011

ROCK N ROLL BABY


So, ich bin mal wieder aus dem Loch gekrochen. Hallo. Gott war das dunkel da unten. Wären Spruch-Shirts noch IN wäre auf meinem in den letzten Wochen eher DYING OUT FOR ATTENTION an Stelle von CRYING OUT FOR ATTENTION gestanden. Nach Mauritius hatte ich den totalen Durchhänger. Ich hab genau nullkomanichts auf die Reihe gekriegt. Ausser Feiern. Und Schlafen. Aber das kann ja jeder. Gut, beim Feiern lass ich mich eh nicht lumpen, das ist jahrelanges Training. Oder vielleicht ist es auch einfach eine Begabung. Wie dem auch sei, auf jeden Fall kam mir wieder die ganze Kotze hoch. Aber wen wunderts, wir emotional verkrüpelten Mitzwanziger haben auch nichts besseres zu tun, als uns in unsere selbstgebastelten goldenen Käfige zu sperren. Ist ja auch einfacher als mal den Arsch hoch zu kriegen und einfach mal SPASS zu haben. Das Leben zu geniessen, mit den Mitteln die uns halt zur Verfügung stehen. Die Decke über den Kopf zu ziehen und das Handy aus zu schalten kann sehr verlockend sein, doch wird es immer schlimmer. Mit jeder Stunde, jedem Tag. Es wird nicht besser. Es wird nur später. Und schlimmer. Dazu kommt das schlechte Gewissen. Sich selbst gegenüber. Seinem Arbeitgeber gegenüber und natürlich den Freunden und der Familie gegenüber die Hilflos mit an sehen müssen, wie du dich langsam selbst aufgibst und vor die Hunde gehst. Du quälst dich mit deinen Gedanken, Vorwürfen, Selbstzweifel. Verrennst dich. Verlierst dich. Und ehe du dich versiehst ist dir auf Einmal alles egal. Du hast vor nichts mehr Respekt, am wenigsten vor dir selbst. Du kämpfst mit Sehnsüchten und aus der Hilflosigkeit heraus entstehen plötzlich Verhaltensweisen die du so gar nicht von dir kanntest. Du stehst neben dir und denkst: WER ZUR HÖLLE IST DIESE FRAU DIE AUSSIEHT WIE ICH UND WAS ZUM TEUFEL TUT DIE DA?!

Ja, so weit geht das. Auf Einmal bist du EINE VON IHNEN. Ihr wisst schon, die Psychotanten. Die Jammerlappen. Die Nervenbündel. Früher hast du dich über diese Weiber lustig gemacht. Du dachtest nur: OH GOTT! DIE ARMEN FREUNDE! Und PENG RÄTSCH bist du eine Ihresgleichen. Diese Erkenntnis schmerzt. Du möchtest dir ein Loch buddeln und dich lebendig darin begraben um nie mehr in den Spiegel sehen zu müssen. Oder eben du begehst Bettflucht. Stürzt dich ins Nachtleben. Da darfst du dich wenigstens offiziell daneben benehmen. Darauf hin folgt wieder das schlechte Gewissen. Decke über den Kopf. Zwischendurch THIS BITTER EARTH auf Repeat hören damit du auch ja nicht auf den Gedanken kommen würdest, das Bett jemals wieder zu verlassen. Das kann man dann beliebig so weiter spielen. Langweilig wirds bestimmt nicht, es fallen dir bestimmt jeden Tag wieder neue Gründe dafür ein. Doch eines Tages fällt dir plötzlich ein Grund ein, um dich wieder auf das Leben zu freuen. DAS LEBEN nämlich. Und dann kannst du wieder lachen. Als erstes ab deiner eigenen Dummheit. Dummheit ist so lustig, ich musste heute viel über Dummheit lachen. Ich finde sie macht mich schon fast wieder ein wenig sympathisch. HAHA.

Auf jeden Fall will ich nun nur noch von Dienstag bis Donnerstag arbeiten, Musik hören, tolle Bücher lesen und Ausgehen. Keine Party ist auch keine Lösung. Ich bin Jung und ich will Spass haben. Ich erwarte nichts vom Leben, ich geh einfach raus und schaue was passiert. Ich will keinen Erfolg ausser er ergibt sich weil ich gerade Bock habe was zu machen, was Erfolg mit sich bringt. Aber ich will nichts für den Erfolg machen. Nicht seinetwegen. Ich habe keinen Anspruch auf Selbstverwirklichung und ich will auch nicht eine gute Partie als Beziehungspartnerin sein. Nicht jetzt. Klar will ich mal Kinder, ein Haus und einen hübschen Garten, aber das hat Zeit. Jetzt will ich Feiern. Ich will Rock n Roll. Und vor Allem: ICH WILL NICHTS BEREUEN! ROCK N ROLL BABY, LETS GET WASTED!

Donnerstag, 17. Februar 2011

VON INNEN NACH AUSSEN


Wenn ich meinen Blog so durchlese fällt mir auf, dass ich irgendwie immer dasselbe erzähle. In anderen Worten verpackt. Gehts mir gut, schreibe ich von Glück und Zufriedenheit. Von den kleinen wundersamen Momenten im Leben. Gehts mir schlecht, schreien die Texte förmlich nach Liebe und Sehnsucht. Ich wäre wohl eine schlechte Kolumnistin. Doch sind es nunmal die Themen, welche mich beschäftigen. Welche uns wohl alle beschäftigen. Schreiben ist für mich Therapie. Meine Gedanken auf zu schreiben hilft mir, mit ihnen um zu gehen. Schon als Kind hatte ich des öfteren das Gefühl, meine Gedanken würden mich eines Tages um den Verstand bringen. Es war nicht die Art der Gedanken, viel mehr der Gedankenfluss. Es war zu viel. Ich wusste nicht wohin mit ihnen.

Jeder braucht ein Ventil. Ein Ventil, um seine Gedanken, seine Emotionen oder seine Kreativität aus zu leben. Manche finden es in der Musik, manche im Sport, ich schreibe sie auf.

Mir ist bewusst, dass meine Seelenkotze nicht jedermans Sache ist, und sich vielleicht auch eher das weibliche Geschlecht damit identifiziern kann. Ich wurde auch schon mehrmals darauf angesprochen, warum ich mein Inneres so nach Aussen kehre. Die Antwort ist: Es beruhigt micht. Gedanken welche ich in die Welt hinaus gesendet habe geben mir mehr Freiheit. Sie sind für mich dann irgendwie realer weil ich sie festgehalten habe. Und dass sie für jedermann ersichtlich sind machen sie für mich echt. Das heisst, dass ich selbst mit meinen Gedanken Frieden geschlossen habe, dass ich hinter Ihnen stehe.

Ich mache mich damit verletzlich. Ich ziehe mich aus. Für mich ist es ein kleiner Teil davon, etwas zu machen, dass mich mir selbst näher bringt. Ein kleines bisschen ungeschminkte Wahrheit. Ein kleiner Einblick einer mitzwanzigerin die mit den täglichen Herausforderungen des Lebens kämpft. Eine kleine Ansammlung an Gedanken die ein Stadtmädchen in dieser leistungsorientierten Gesellschaft wie unserer bewegen.

Ich lasse euch an meinen Erkentnissen teilhaben, in der Hoffnung, das es vielleicht den einen oder Anderen oder die Eine oder Andere in irgendweiner Form bewegt, anspricht oder auch nur mal zum Nachdenken anregt.

Wie schon öfters erwähnt, suche ich DAS ECHTE. Was das ist weiss ich nicht. Ich denke für mich sind es die Momente, in denen Gespräche von Tiefgang stattfinden. Für mich ist das hässliche oft mehr von Belang. Es ist echter. Ich bin an den Abgründen der Menschen interessiert. An den Dingen, die uns vielleicht nicht zu einem Guten Menschen machen, oder uns zumindest auf den ersten Blick nicht danach aussehen lassen. Doch sie sind erlich. Und sie machen uns menschlich. Und vielleicht ist die Menschlichkeit das Einzige was wir haben. Ich möchte die dunklen Seiten der Menschlichen Seele sehen. Ich möchte Dinge ergründen. ich möchte sie verstehen. Ich möchte die Beweggründe der Menschen nachvollziehen können. Ich möchte das Leben ein kleines bisschen mehr verstehen. Und ich brauche SOULFOOD. Meine Seele nährt sich von dem Austausch.

Zum Thema SEELE möchte ich euch noch einen Film empfehlen. ALLES WAS WIR GEBEN MUSSTEN. Unbedingt anschauen!



Ach ja, meine neuste Erkenntnis lautet: DAS GLÜCK LIEGT IN DER EINFACHHEIT.

WITH LOVE.

Sonntag, 13. Februar 2011

WERE JUST TWO LOST SOULS SWIMMING IN A FISHBOWL


Mauritius, 13.2.2011
18.55 Uhr

Ich sitze am Meer. Der Himmel erstreckt sich in weichen Pastell-Farben ueber dem Wasser. Die Formen der Wolken erzaehlen allesamt eine Geschichte. Ein Wunder der Natur, ein faszinierendes Gemaelde der Schoepfung.

Ich bin gluecklich. Und Melancholisch zugleich. Meine Fuesse spielen im wohlig warmen Sand. Ich habe ein Schlupfloch gesucht. Gefunden habe ich Frieden, Ruhe und eine Ahnung dessen, was Freiheit sein kann. Fuer mich.

Es daemmert bereits. Eine Gruppe Einheimischer tollt im Wasser herum, als waere es das erste Mal, dass sie das Meer sehen wuerden. Oder das Lezte.

Kinder lachen, spielen im Sand. Strahlen diese vollkommene Waerme aus, wie es nur Kinder koennen.

Ich trinke Bier und betrachte das rege Treiben. Wellen. Wolken. Menschen. Versuche alles aufzusaugen. Atme tief ein und wieder aus. In zwei Tagen um diese Zeit bin ich bereits wieder zu Hause. Oder zumindest an dem Ort, den ich aus Gewohnheit so nenne.

Ich merke wie meine Augen glasig werden. Aus den Kopfhoerern singen LIA ICES und JUSTIN VERNON (BON IVER) von DAPHNE. Die Stimmung des Songs kommt jener des Augenblicks sehr nahe.

Ich habe mich langsam an das Leben hier gewoehnt. Nicht zu wissen, wie spaet es ist, in den Tag hinein zu leben, einfach die Augen zu schliessen und den Duft der Leichtigkeit ein zu atmen. Menschen auf der Strasse gruessen wie damals, als kleines Maedchen, als ich noch im Dorf gewohnt habe. Mangos aus dem Garten. Kaffee trinken auf der Veranda. Am Meer tanzen, mitten am Tag, nuechtern, nur trunken ab dem Moment, der Stimmung. Die Arme in die Luft zu strecken und den Kopf in den Nacken zu werfen. Sand am ganzen Koerper zu haben und sich trotzdem reiner als je zuvor zu fuehlen.

JUSTIN VERNON'S Part beginnt und das Klavier setzt ein. Ich schliesse die Augen. Bewege meinen Koerper zu der Musik. Ich vergrabe meine Haende im Sand.


21.45 Uhr

Wir sind erneut in der KENZIBAR. Die Jungs vom letzten Sonntag spielen wieder. Die meisten Songs sind die selben wie letzte Woche. Doch dann spricht der Saenger irgendwas in unsere Richtung, was ich aufgrund der Lautstaerke nicht verstehen kann. Ich hoere nur: SPECIAL FOR YOU. Und dann ertoent PINK FLOYDS WISH YOU WERE HERE. Ich bin geruehrt. Hat der Saenger uns doch lezte Woche gefragt ob wir einen Musikwunsch haetten. Wir wuenschten eben diesen Song, welcher er leider nicht beherrschte. Er hat ihn extra fuer uns einstudiert. Nach einigen Songs war ich so in die Musik vertieft, dass ich auf dem Stuhl zu trommeln anfieng und mitgesungen habe. Ich hatte meinen persoenlichen Musikalischen Hoehepunkt erreicht. Ich war EINS MIT DER MUSIK. Ich konnte meinen Koerper nicht mehr kontrollieren, er war durchdringt von dem Sound und ich fuehlte mich als wuerde ich schweben. So stelle ich mir Liebe vor.

Samstag, 12. Februar 2011

DAS ist Freiheit!


Freiheit. Vor einigen Tagen hab ich mich noch gefragt, was das denn eigentlich genau ist. Freiheit. Ein schoenes Wort. Ich habe sie gestern gefunden. Sie ist wunderschoen. Fuer jeden auf eine andere Weise. Lasst mich euch von meiner erzaehlen:

Ich sitze in einem Gelaendewagen. Es ist 08.30 Uhr morgens. Jemand drueckt mir ein kaltes Bier in die Hand. Ich hoere FOALS - SPANISH SAHARA und schaue aus dem Fenster. Wir fahren vom Westen der Insel in Richtung Norden. Beim Refrain verspuehre ich schon dieses wohlige Kribeln im Bauch und ich weiss, dass dies einer dieser Tage werden koennte. Bei CHROMATICS Interpretation von SPRINGSTEENS I'M ON FIRE habe ich schon dieses seelige Laecheln auf dem Gesicht. Ich schaue zu Oona rueber und wir laecheln uns an. An der Anlegestelle angekommen muessen wir dringend aus Klo. Natuerlich ist keines weit und breit, desswegen pissen wir in einen verwildetern Garten an einer Strassen Ecke.


Wir sitzen auf einem Boot und zwei Jungs spielen Gitarre. Es beginnt zu regnen und jemand bietet mir ein Handttuch als Schutz an. Ich lehne ab. Ich will den Regen spuehren. Auf offenem Meer,total durchnaesst macht sich erneut das Glueck bemerkbar. Ich bin am Leben und das fuehle ich mit jedem Tropfen der meine Haut beruehrt.

Wir legen auf einer unbehwohnten kleinen Insel an. Ausser uns sind nur noch drei weitere Menschen auf der Insel. Das Meer ist klar und ich lege mich auf eine Sandbank. Halb im Wasser, halb im Sand. Ich moechte mich im nassen Sand raeckeln und meine Arme und Beine strecken, lasse es aber um niemanden unnoetig zu provozieren.

Wir essen grillierten Fisch und die zwei Jungs spielen erneut Gitarre. TRACY CHAPMAN. Oona trommelt und ich trinke Rum mit eingelegter Passionsfrucht und bewege meinen Koerper zur Musik.

Ich bin Frei.

Mittwoch, 9. Februar 2011

I ASK MYSELF

Wann ist man wirklich Frei?

Hindert uns das Streben nach Glueck am eigentlichen Glueck?

Hat es einen Grund, dass einem bestimmte Dinge nicht los lassen oder wollen wir schlicht und einfach nicht los lassen?

Kann man Vertrauen lernen?

Kann man eine Luege leben, oder ist es doch einfach die Wahrheit, die eigene Wahrheit, solange man nur glaubt?

Kann man so festgefahren sein, so dass es unmoeglich wird den Blick fuer das Reine, das Echte, das Wesentliche zurueck zu erlangen oder gar erstmals zu finen?

Montag, 7. Februar 2011

FLASCHENPOST AUS MAURITIUS TEIL 2: were you happy?


Ich bin jetzt eine Woche von zu Hause weg. Habe erste Krankheitsanfaelle ueberstanden, mich langsam an das Klima gewoehnt und komme mehr und mehr in den sogenannten Insel-Flow. Vieles wird unwichtig. Vieles ist weit weg. Grosses erscheint ploetzlich klein. Die Fesseln beginnen sich langsam zu loesen. Dein Geist ist mal eben an der Ecke Rechts in Richtung FREIHEIT abgebogen. Die Strasse rauf laufen und die Arme hoch in die Luft. Einatmen. Ausatmen. Dem Himmel ein Laecheln schenken. Fruehstuecken auf der eigenen Veranda. Wunderschoenes Licht am Meer. Schoenste Abendstimmung. Begegnungen. Unsere zuckersuesse Vermieterin, welche ein Jahr juenger ist als wir und bereits seit drei Jahren verheiratet ist, praktiosch nur zu Hause rum sitzt aber einfach gluecklich ist. Der Glanz in ihren Augen wenn sie von ihrem Mann spricht oder von ihren Kindheitstagen auf der Insel Rodrigues wo sie aufgewachsen ist. Wie sie von der Zeit erzaehlt, als sie jeden Morgen vor der Sonne aufgestanden ist, um sich am Strand den Sonnenaufgang an zu schauen um einen schoenen Start in den Tag zu haben. Und jetzt sehe sie auf Mauritius jeweils den Sonnenuntergang. Aber das sei nicht das selbe. Die Sonne aufgehen zu sehen, ja das vermisse sie schon. Ob wir gerne hier leben moechten wollte sie wissen. Vielleicht. Fuer eine gewisse Zeit durchaus vorstellbar. Um ehrlich zu sein, ist mir gerade alles andere nicht vorstellbar. Wieder Schuhe an zu ziehen zum Beispiel. Oder warme Kleidung. Ich will kotzen wenn ich daran denke.

Wir sprechen ueber Glueck. Ueber grosse Haeuser, Autos. Ueber Dinge, die wir nicht brauchen. Weder Sie, die lebensfrohe Mauritianische Schoenheit, noch ich. Wir sprechen ueber Familie, ueber Religion und dann sagt sie was vom schoensten, was ich je gehoert habe: WHEN TIME HAS COME AND YOU GO UP THERE, HOW WOULD YOU BRING YOUR BIG HOUSE AND YOUR FAST CAR UP THERE? Sie zeigt mit der Hand gen Himmel und hatte dieses zufriedene Laecheln im Gesicht. THE ONLY QUESTION IS: WERE YOU HAPPY?

Mir kommen schon fast die Traenen wenn ich diese Worte aufschreibe. Und als haette der gestrige Abend nicht noch erfuellter werden koennen gingen wir noch in die KENZIBAR wo zwei Mauritianer Cover Songs zum besten gaben. Wir waren fast die einzigen Besucher und am Schluss gabs eigentlich nur noch uns und die Band. Und die Musik natuerlich. Vor Allem die Musik. Dieser Typ hatte eine Stimme wie ein Chamaeleon. Wandelbar. Stark. Elegant. Kraftvoll. Wir waren so von Glueckseeligkeit erfuellt, Oona tanzte um die Tische herum und ich lag halb mit Traenen in den Augen und halb tanzend in einem Sessel und war von Kopf bis Fuss mit der Magie der Musik durchflutet. Als er diese wunder, wunderschoene Interpretation von U2's WHIT OR WHITOUT YOU brachte, dachte ich kurz mein Herz wuerde aufhoeren zu schlagen. Ich bekomme jetzt noch Huehnerhaut wenn ich daran denke. Und als er dann noch OASIS's WONDERWALL oben drauf sezte war unser Glueck vollkommen. Zum Glueck hat er nicht noch SKINNY LOVE gespielt, ich waer auf der Stelle vor Ergriffenheit und Liebe gestorben. Nach WONDERWALL verliessen wir die Bar um noch mit Musik im Ruecken den Heimweg antreten zu koennen. Man soll gehen wenn es am schoensten ist. Mit den Haenden gen Himmel gerichtet gingen wir wie in Trance durch die ruhige Strasse nach Hause. Die Blicke waren eindeutig. Wir haben gefunden was wir gesucht haben.

Sonntag, 6. Februar 2011

FLASCHENPOST AUS MAURITIUS TEIL 1: Erwartungen kann man nicht ficken!


4. 2. 2011 - Es ist Nacht. Ich liege wach. Wie bereits in den letzten vier Naechten kann ich nicht schlafen. Die erste Nacht im Flugzeug aus mangelndem Komfort, die zweite wegen der Klimaanlage, die dritte aus Angst vor einem Vogel (wenn es denn ueberhaupt einer war, man weiss es nicht) und gestern, weil ich im Fieberwahn das Gefuehl hatte, mein Kopf wuerde gleich explodieren und mein ganzer Koerper wuerde bald in Flammen aufgehen. Ich geriet leicht in Panik, weil wir am Tag zuvor jemanden getroffen haben, der sich in Madegaskar mit Hepatitis A (Gelbsucht) angesteckt hatte und er meinte zwar die Ansteckungsgefahr sollte vorueber sein aber ja, wohl war mir trotzdem nicht. Zudem war die Klimaanlage auch noch kaputt, also heisser wirds nur noch in der Hoelle.

Jetzt ist alles wieder gut und ich fuehle mich wieder halbwegs nicht ganz normal. "It's Flu" meinte die Frau die sich als Aerztin verkleidet hatte mit strengem Blick. Nach dem ich den Bluttest abgehlehnt habe lud sie mich zur Nachkontrolle ein und entliess mich mit einem Medikamentenvorrat fuer eine ganze Schulklasse und einem wesentlich leichteren Portemonnaie.

Jetzt muss ich aufs Klo. Doch ich trau mich nicht. Oona schlaeft und Kaki - einer unser Mitbewohner - haengt gerade an der Wand. Kaki ist unsere Kakerlake. War im Preis inbegriffen. Genau so wie Fredi. Fredi war unser Gecko. Ja, er war. Leider habe ich ihn aus versehen zweimal getoetet. Fredi hatte sich einen etwas unvorteilhaften Platz zum relaxen ausgesucht. Ich hab mich schon gewundert wo er wohl gerade ist, als ich die Badezimmertuer aufriss um Oona nach dem Conditioner zu fragen, PLAP, lag er am Boden. Wer legt sich schon auf die obere Kante einer geschlossenen Tuer?! Naja, Fredi halt.

Anfangs dachten wir Fredi wolle uns nur einwenig verarschen und Tot spielen. Aber als er da nach 10 Minuten immer noch keinen Wank machte, mussten wir der Wahrheit ins Auge blicken und so stellten wir ein Glas ueber ihn, um ihn danach raus zu bringen. Als wir uns darueber stritten, wer von uns beiden denn nun diese feierliche Angelegenheit ausfueheren soll, schrie Oona ploetzlich auf. Fredi lag nicht mehr wie urspruenglich auf dem Bauch, sondern hatte nun eine aeusserst dramatische Pose auf dem Ruecken, mit gespreizten Armen und Beinen eingenommen. Er war erstarrt. Ich hatte einen Doppelmord begangen. Wir warten auf den Tag, an dem Fredis Familie sich an uns raechen wird.

Seit meiner Abreise habe ich mir oft Gedanken zum Thema ERWARTUNGEN gemacht. Ich finde Erwartungen doof. Welcher Idiot kam eigentlich eines schoenen unerwarteten Tages auf die bescheuerte Idee irgendetwas zu erwarten?! Und vor allem: WOZU?! Unerwartetes ist doch viel spannender. Und ueberhaupt: Unerwartetes kann auch nicht nicht erfuellt werden. Erwartungen hingegen schon.

Ich glaube allmaehlich, Erwartungen sind geradezu da, um nicht erfuellt-, oder zu hoch gesteckt zu werden. Sie sind fordernd. Sagt zb. jemand zu dir: "Ich erwarte von dir das und das..." hat das irgendwie immer etwas drohendes. Etwas, dass nichts mit Vertrauen zu tun hat. Missgunst. Mangelnder Glaube. Es klingt mahnend. Oder dient als Selbstschutz. Doch wie sieht ein gesunder Umgang mit Erwartungen aus?

A) zu jenen, die einem gestellt werden?

B) jene, die man selbst an andere hat?

Oft hab ich schon erlebt, dass ich dachte, oder zumindest vorgab, gar keine Erwartungen an bestimmte Personen zu haben. Entweder weil mir diese Personen keine Rechenschaft schuldig sind, oder aber weil sie mich schon zu oft enttaeuscht haben. Solche Menschen gibt es. Es gibt Menschen, an die wollen wir keine Erwartungen haben, um uns selbst zu schuetzen weil wir wissen, dass sie die Erwartungen nicht erfuellen koennen. Von diesen Menschen ist das auch keineswegs boese oder missachtend gemeint, nein, sie setzen nur unterschiedliche Prioritateten und sind sich unserer Erwartung ihnen gegenueber auch gar nicht bewusst. Wie sollten sie auch? Wir kommunizieren sie ja nicht, weil wir sie gar nicht haben wollen. Doch haben tun wir sie trotzdem. Das ist das Beschissene mit diesen verdammten Erwartungen. Ich moechte mich von ihnen loesen. Ich will ihnen keine Macht eingestehen und dann auch noch enttaeuscht sein. Am meisten vor mir selbst, weil ich nicht Herr der Lage bin. Jetzt erwarte ich schon von mir keine Erwartungen zu haben. Seht ihr worauf ich hinaus will?

Ich denke die Beschissenheit des ERWARTENS hat garantiert auch etwas mit dem darin enthaltenen Wort WARTEN zu tun. WARTEN ist ja auch einfach mal nur aetzend. Ausser, - und daran glaube ich - man ist mit sich selbst im reinen, man ist gluecklich. Gluecklich warten ist kein Thema. Und wisst ihr wesshalb? WEIL ES SICH NICHT WIE WARTEN ANFUEHLT! Bist du in Frieden mit dir, gibt es kein warten. Es gibt nur kostbare, freie Zeit, die es zu geniessen gilt.

Aber so richtiges, zaehes, auf die Uhr schauen und die Tage zaehlen, das ist beschissen. Doch oft soll sich ja warten auch ausbezahlen. Wie in der Geschichte von dem Jungen und dem Apfel. Der Junge pflueckt einen Apfel und die Mutter ermahnt ihn, er solle sich gedulden und ihn noch nicht essen. Ungeduldig wie Kinder halt so sind, isst der Junge den Apfel trotzdem. Danach kriegt er fuerchterliche Bauchschmerzen weil der Apfel noch nicht reif war. Immer wenn er in seinem Leben mit Ungeduld und damit verbundenem Warten konfrontiert wird, wird er sich an diesen einen Apfel und die Worte seiner Mutter erinnern und es wird ihm nie mehr schwer fallen zu warten.

Oder Redewendungen. Etwa GUT DING BRAUCHT WEILE. Kann sein, doch was hat das mit warten zu tun? Definier erstmal WARTEN! Fuer mich ist es wohl ein Zustand der absoluten reglosigkeit. Stillstand. Doch stehen wir jemals ueberhaupt wirklich still?

Warten kann sich also lohnen, warten beruht auf GEDULD, doch vor allem auf GLAUBEN und VERTRAUEN. Wenn ich daran glaube, dass der Bus in 10 Minuten kommt, dann werde ich warten. Doch wenn ich keine Ahnung habe, ob ueberhaupt noch einer faehrt, werde ich wohl einige Minuten warten und danach zu Fuss gehen.

Wenn wir in eine Sache vertrauen haben, ja an sie glauben, dann faellt warten nicht schwer, ja vielleicht fuehlt es sich dann genau wie beim gluecklich sein, nicht wie warten an. Aber, und hier kommt die Gefahr: Wenn wir auf etwas vertrauen, an etwas glauben, dann traegt das automatisch wieder diese bloeden ERWARTUNGEN mit sich. Sind wir durch den GLAUBEN und das VETRAUEN auch noch so frei, legen sich die ERWARTUNGEN wie FESSELN um unsere Knoechel. Sie machen aus uns Sklaven unserer Selbst. UND FICKEN KANN MAN SIE AUCH NICHT. Und meinem momentanen Living la vida loca Mood entsprechend: Essen auch nicht.

ESSEN. FICKEN. SCHLAFEN.

Mehr erwarte ich gar nicht.

Freitag, 21. Januar 2011

A LOVE STORY


Ich war Vierzehn. Es war im Sommer 99. Wir waren in den Ferien in Italien und einer der Jungs mit denen wir rum gehangen sind hatte einen Ghettoblaster dabei. Bis dahin war mir höchstens 2 Pac oder Puff Daddy ein Begriff, und auch diese nur, weil der eine ins Grass gebissen hat und der andere diesen Riesenhit seinem Freund Biggie Smalls widmete, welchen ebenfalls das Zeitliche segnete. Ich kannte also nur tote Rapper und solche welche es wohl besser wären.

Bis zu diesem Sommer. Bis ich YOU GOT ME von THE ROOTS FEAT. ERYKAH BADU durch den Ghettoblaster dröhnen hörte. Da war es um mich geschehen. Ich war verliebt. Verliebt in diesen Song, verliebt in THINGS FALL APART. Verliebt in Rap. In eine Jugendbewegung die für mich bald zur Religion wurde. Ich habe nie eine Szene erlebt, die so vielfältig, so kreativ und so mächtig war wie Hip Hop. Aber auch ungemein kritisch, arrogant und besserwisserisch. Aber das kam erst später. Wie bei jeder Liebesgeschichte, sieht man die negativen Dinge immer erst später.

Ein neues Lebensgefühl war entstanden. Ich verbrachte Stunden damit, Tapes aufzunehmen und später, CD`S zu brennen. Ich konnte mich in der Musik regelrecht verlieren. Für mich war es DAS ECHTE. Für mich war Hip Hop UNITY. FAMILIE. Wir waren noch Kinder, doch fühlten uns so mächtig, so gross. Hip Hop war das Blut, dass durch unsere Adern floss. Es war weit mehr als ein paar kiffende Jungs und ein paar Schlampen die sich im Bikini auf einem Auto räckeln. Es war unser Leben.

Hand in Hand mit Hip Hop kam Natalie. Natalie und ich waren die zwei neuen in der Klasse des letzten Schuljahres. Durch sie kam ich auch mit Graffiti in Berührung. Mir fehlte zwar jegliches Talent mit der Dose umzugehn aber Natalie war fest davon überzeugt, dass alles nur eine Frage der Übung wäre. Also wurde geübt. Obwohl ich immer so kritisch war, so dass ich mich schämte, vor anderen zu zeichnen, hiengen wir zig Abende in ihrer WG rum und es wurde gezeichnet, Bier getrunken und Writerfilme geschaut. Natalie wohnte zusammen mit ihrer Schwester direkt neben einer Zuglinie am Stadtrand unseres kleinen Städtchens. Wir drei, wir hielten uns für die coolsten Mädels der Stadt. Alle anderen, ausser einigen wenigen Ausnahmen fanden wir doof. Wir nannten sie alle nur Chicks. Wie hingegen trugen allstars und airmaix, secondhand addidas Jacken und die Hosen trugen wir irgendwo unter dem Arsch. Kurz gesagt, wir waren einfach Arschcool. Dachten wir zumindest damals. Die WG wurde zum Zentrum der lokalen Writerszene (oder was davon übrig geblieben ist). Ich erlebte etwas, dass man eine verdammt geile Jugend nennt. In dieser Zeit war jeder Tag ein Abenteuer.

Es gab eine Nacht, die werde ich nie vergessen. Ich war wiedermal bei den Mädels in der WG, überhaupt war ich mehr dort als zu Hause. Es war mitten in der Nacht und Melanie (Natalies Schwester) und ich tranken Rotwein und rauchten einen Joint. Es lief diese eine WAXOLUTIONISTS Scheibe. Und dann ertönte MANUVA MC`S NACHTSCHATTENGEWÄCHS. Unser Blick haftete auf den Zuggleisen, keiner sagte ein Wort. Nur dieser Song und die Gleise. Ich glaube ich habe Hip Hop nie wieder so intensiv gefühlt wie in diesen 6.27 Minuten. Wenn es Nacht wird über deiner Stadt...

Wir sind auf jedes, und damit meine ich wirklich jedes Konzert gerannt. In der ganzen Schweiz. Natürlich hatten wir kein Geld aber wir fanden immer einen Weg. Ob wir nun Harassen klauten um das Depot der Flaschen ab zu kassieren oder ob wir mit einer Mitleid erregenden Geschichte Betteln gingen. Uns konnte nichts aufhalten. Wir gehörten zu der Sorte Konzertbesucher die irgendwo hinten in der Ecke standen und mit seeligem Gesichtsausdruck und gesenktem Kopf den Lyrics lauschten und dazu mit dem Kopf nickten. Diese Anfangszeiten wo Hip Hop noch ein Lebensgefühl war, waren etwas vom schönsten, was ich in meinem Leben bis anhin erlebt habe.

Das ist nun alles über zehn Jahre her. So wie sich Hip Hop veränderte, hab auch ich mich verändert. Ab und zu denke ich Wehmütig an diese Zeit zurück. Und ab und zu muss ich schmunzeln ab unserem damaligen Grössenwahn. Ob unserer Verbissenheit. Unseren Scheuklappen. Doch meistens zaubert mir die Erinnerung an diese Zeit ein zufriedens Lächeln auf die Lippen. Wir hatten Visionen. Wir waren Idealisten. Wir haben an etwas geglaubt, und dass hat uns zusammen geschweisst. Wir alle hatten eine Leidenschaft. Die Jungs und Mädels im Übungsraum beim Freestylen. Ich, welche ihnen mit meinen verkackten Übergängen die Instrumentals auflegte und jewils von den vielen Platten im Regal in den Bann gezogen wurde. Die Writers mit ihren Jeansjacken und dem Namen hinten drauf, welche mich immer an ODEM aus dem Buch ODEM ON THE RUN erinnerten. Die Produzenten, welche unmengen an Zeit in das Gebastel von Beats investiereten, oder auch Geduld, als ich es lernen wollte. Ich kann den ELEANOR RIGBY Sample von den BEATLES nun nach etwa acht Jahren endlich wieder hören. All diese Passion, diese Leidenschaft die die Leute in Hip Hop gesteckt haben. Das mit anzusehen hat mich, glaube ich, immer am meisten fasziniert.

Alles geht seinen Weg. Hip Hop ist den seinen gegangen, und ich den meinen. Manchmal gibt es Tage da sehe ich ihn noch kurz vorbei huschen und manchmal kann ich unter seiner faltigen Haut noch die Schönheit von damals erkennen.


Dienstag, 18. Januar 2011

I WISH


Ich wünschte, wir könnten zurück. Zurück in die Zeit, in der alles anders war. In die Zeit der Unschuld. Zurück in eine Zeit, in der alles leicht war.

Ich wünschte, ich könnte die Worte zurück nehmen. Worte die mir über die Lippen kamen ohne an deren Auswirkungen zu denken.

Ich wünschte, ich hätte mich selbst zensiert.

Ich wünschte, ich hätte mich nicht von meinen Gefühlen leiten lassen, sondern auf meinen Verstand gehört.

Ich wünschte, mein Verstand und mein Herz wären Freunde gewesen.

Ich wünschte, mein liebstes Lied für mich behalten zu haben.

Ich wünschte, die einstige Unschuld nicht zerstört zu haben.

Ich wünschte, wieder auf dieser Bank zu sitzen an diesem lauen Abend im Oktober. Frei von jeglichem Schmerz, frei von Vorwürfen und alles was mich umgibt, ist das Gefühl, eines sich langsam davon machenden Sommers.

Ich wünschte, wir hätten uns danach nie wieder gesehen und die kurze Magie des Augenblicks in Erinnerung behalten.

Ich wünschte, ich könnte in diese Zeit zurück. Ich würde die Zeit anhalten, diesen Moment geniessen und danach auf mein Fahrrad steigen, in der Nacht verschwinden und diese Augenblicke mit der Leichtigkeit eines Kleinkindes im Herzen tragen.

Alle paar Jahre würde ich mit dem Fahrrad an dem Platz vorbeifahren und mich fragen wie es wohl gewesen wäre, wenn wir uns wieder gesehn hätten. Ich würde einen melancholischen Nachgeschmack im Magen fühlen und weiter fahren. Doch mir wäre der Schmerz erspart geblieben.

Es wird leichter. Die Zeit trägt den Schmerz davon und was bleibt ist dieser fade Nachgeschmack des Schmerzes. Diese Leere, welche von Bedauern ausgefüllt wird und der Wunsch, ja der innige Wunsch, in die einstige Zeit zurück zu können und alles anders zu machen. Mein Gesicht zu bewahren und mich selbst in einem besseren Licht zurück zu lassen.

Montag, 17. Januar 2011

I BELIEVE


Das Leben meint es gerade sehr gut mir mir. Speziellen Anlass dazu gibt es keinen. Ich bin einfach zufrieden. Seit langem wieder einmal zufrieden mit mir selbst. Glücklich für mich.

Letzte Woche bin ich im Regen durch die Strassen der Nacht spaziert, hab mir die Ohren mit THE CINEMATIC ORCHESTRA - TO BUILD A HOME und das Gesicht vom Regen berieseln lassen. Ich hab die Arme ausgestreckt und bin mit einem Lächeln im Gesicht durch die dunklen Gassen geschwebt. Glück. Für mich allein. Durch gute Musik. Durch neue Erkentnisse. Durch erlangen an Gelassenheit (Ein bisschen zumindest). Zwar bin ich immer noch auf der Suche. Werd ich wohl immer sein. Was ich suche? Keine Ahnung. Ok, das war gelogen. Mittlerweile weiss ich wohl genau was ich suche. Die Wahrheit ist, ich will das Echte. In Allem. Ich will mich selbst spühren. Ich will Liebe. Nicht auf Teufel komm raus, aber ich will Liebe. Irgendwann. Und ich will lieben. Natürlich möchte ich auch geliebt werden, aber vor Allem will ich lieben.

Ich will stundenlang Musik hören und dich festhalten. Ich will meine Hände in deinen Haaren vergraben. Ich will deinen Adamsapfel fühlen. Dich küssen ohne Ende. Dich festhalten. Dich auffangen. Ich will dir die Welt durch meine Augen zeigen. Ich will dir Briefe und Gedichte schreiben. Ich will mit dir Reisen. Mit dir am Frühstückstisch sitzen und Zeitung lesen. Mit dir Schweigen. Mit dir betrunken nach Hause stolpern. Ich will mit dir Einkaufen gehen und mich mit dir darüber streiten, ob wir nun das 3-Lagige Klopapier kaufen oder ein anderes. Ich will Tage mit dir im Bett verbringen als gäbe es die Welt nicht mehr. Ich will dir Brote schmieren und deine Wäsche waschen. Ich will deine Schwächen lieben weil sie dich genau so ausmachen wie deine Stärken, oder sogar noch mehr. Ich will mit dir im Regen spazieren und ich will zu alten französischen Chansons mit dir tanzen. Ich will dich lieben. Von ganzem Herzen. Ohne Angst vor Emotionen. Ohne Angst dich eines Tages nicht mehr an meiner Seite zu haben. Ich will dich lieben als wäre diese Liebe ein einziger Moment. Ein kurzer Augenaufschlag. Ich will dich lieben ohne an den nächsten Tag zu denken. Ich will dich aufrichtig und ehrlich lieben. Und du wirst meine Liebe ohne Furcht empfangen. Du wirst auf sie Acht geben wie auf einen kostabren Schatz. Du wirst sie nicht als Last empfinden sondern sie mit offenen Armen empfangen. Irgendwann. Irgendwann werden sich unsere Wege kreuzen. Ich hoffe wir werden uns erkennen.

Vielleicht gibt es doch einen Anlass für meine aktuelle Zufriedenheit. Letzte Woche ist mir noch etwas anderes, sehr schönes, wundersames wiederfahren. Ich habe einem Menschen etwas aus meinem Leben erzählt, eine Kurzfassung der letzten Jahre so zu sagen. Als ich fertig war, sah mich diese Person mit einem wissenden Lächeln an und meinte: "Du bist auf der Suche. Du suchst dein zu Hause. Aber du bist auf einem guten Weg."

Ich fand es einfach nur schön, dass gewisse Menschen dich einfach SEHEN. Wie sie zwischen den Zeilen lesen können. Und wie sie bedingungslos hinter dir stehen. Wie meine Freunde. Ihr macht mich besser. Es wird sich alles fügen. Die Liebe wird ihren Weg finden und Freundschaften werden dich begleiten. Ein Leben lang.
I BELIEVE.

Der Song des Tages ist übrigens TANITA TIKARA - HEAL YOU. Grossartig!

Montag, 10. Januar 2011

Gömmer doch eifach wider zrugg in Club

Scheiss auf Ramadan. Scheiss auf Januar und scheiss auf gemütliche Abende vor dem TV. Scheiss auf nicht mehr Trinken unter der Woche. Scheiss auf geregeltes Leben. Scheiss auf mal früher nach Hause gehn. Scheiss auf den letzten Bus, den letzten Zug. Scheiss auf den ersten Zug. Scheiss generell mal auf Züge. Scheiss auf Taxis. Scheiss auf deine das-hat-noch-soul-musik an After Hours. Scheiss auf keinen Jägermeister mehr trinken. Scheiss auf in-vier-jahren-bin-ich-dreissig-und-ich-fühl-mich-immernoch-wie-sechzehn. Scheiss auf reiss dich mal zusammen. Scheiss einfach auch mal auf deine innere Stimme. Scheiss auf nimm dir was du willst wenn es nicht genommen werden will. Scheiss auf Montage. Scheiss auf Verzichten für Andere. Scheiss auf Leute die kein Taktgefühl besitzen. Scheiss auf mal früher ins Bett gehn. Scheiss auf ich muss morgen Arbeiten. Scheiss auf das ist der letzte Song. Scheiss doch einfach drauf. Gömmer doch eifach wider zrugg in Club!

Freitag, 7. Januar 2011

Was willst du werden wenn du mal gross bist? ROCKERBRAUT!


Ich will eine Rockerbraut sein! Eigentlich wäre ich ja gerne eine Geliebte Gainsbourgs gewesen und hätte schöne 50er Jahre Kleider getragen, Zigaretten mit Zigarettenhalter geraucht und unmengen Rotwein getrunken. Leider aber bin ich irgendwie vergessen gegangen und habe es erst in den 80er Jahren auf die Welt geschafft. Vielleicht war ich aber auch betrunken und hab mich irgendwo verlaufen. Auf jeden Fall wird es nun wiedermal Zeit für ein neues Ich. Rockerbraut. Find ich geil. Mein Alter (sagt man doch so im Rockerslang oder?) fährt Motorrad und trägt ausgewaschene Jeansjacken. Oder Lederjacken. Hach, Lederjacken. Wo ist eigentlich meine geliebte Lederjacke? Egal. Ich sitze auf dem Rücksitz seines Motorards und meine Haare wehen ihm ins Gesicht. Natürlich tragen wir keinen Helm, das ist unsexy. Wir fahren in der Dämmerung durch die Gegend und er schaut mich durch den Rückspiegel verliebt an. Ich schmeige mich fest an ihn und umschlinge ihn mit meinen Armen. Wir hören laute Musik die einfach so von irgendwo herkommt. Unsere persönliche Filmmusik. Wir trinken Bier aus der Dose und fahren auf Konzerte wo wir betrunken miteinander tanzen bis wir es nicht mehr aushalten. Trunken ab der Musik und unserer eigenen Geilheit ficken wir hinter dem Club im Stehen bevor wir zufrieden nach Hause fahren und ich ihm versalzene Spaghetti koche. Das wäre ein schönes Leben.

Montag, 3. Januar 2011

AUF DEN SPUREN DER MUSIK


Es gibt ja so Leute die sich Vorsätze fassen. Und dann gibt es noch Leute die sich Vorsätze fassen und diese keine zwei Tage durchziehen. Ich gehöre natürlich zur zweiten Gattung. Bei mir geht das die ganze Zeit so, ich hab mich daran gwöhnt, oder besser gesagt: Ich kenne es gar nicht anders. Ich gehöre nicht zu der Sorte Mensch, die ein grosses Talent besitzt, Dinge durch zu ziehen. Meine Zielstrebigkeit habe ich nach der Abschlussprüfung (welche ich im Übrigen zwei Wochen zuvor noch in den Sand setzen wollte) in der Berufsschule zurück gelassen und die einzigen Worte die mir von meinem Typografie-Lehrer in Erinnerung geblieben sind, bestätigen nur meine flatterhaften Verhaltensweisen. "Regeln sind dazu da, um gebrochen zu werden." In der Typografie ist das ein sehr schmaler Grat. Entweder befolgts du strikt die Regeln und wähnst dich auf der Sicheren Seite (Note 4.5-5) oder aber du verstösst dermassen gegen ALLE Regeln und wagst dich somit aufs Glatteis (Note 1 oder 6). Ein bisschen gegen Regeln verstossen geht nicht. Entweder ganz oder gar nicht, darin liegt die Kunst. Vielleicht ist es auch mit dem Leben an sich so. Verbote, Regeln und all dieses Zeug löst aber auch grosse Faszination aus. Wenn ich Sätze höre wie "Das verstösst gegen die Vorschrift" oder "Missachtung der blabla hat eine sofortige blablabla zur Folge", da geht bei mir innerlich sofort der Alarm los und ich fühl mich wie ein sabbernder Köter der ungeduldig darauf wartet, dass sein Herrchen ihm endlich den Stock wirft. Ich habe schon Dinge nur desswegen getan oder gesagt weil sie verboten waren. Wären sie nicht verboten gewesen, hätten sie mich gelangweilt oder ich hätte nicht mal von deren Existenz gewusst. Für mich war alles, was nicht erlaubt war, schon einmal grundsätzlich interessant. Oder Polizisten. Ich weiss nicht ob das allen Menschen so geht, aber ich komme irgendwie nie umhin Polizisten nicht zu provozieren. Einmal wurde ich aus dem Bullenposten rausgeworfen weil der Papa Moll Polizist auf mich los gehen wollte weil ich ihn so rasend gemacht habe. Ich hab das gar nicht mit Absicht getan, es ist einfach so passiert. Aber die 900.- Beamtenbeleidigung warens allemal wert, zu sehen wie ein Polizist dermassen die Fassung verlieren kann wegen mangelnder Sozialkompetenz.

Wie dem auch sei, genug über Verbote. Verbote sind sowieso total 2010. Ab heute wird wieder mit dem Feuer gespielt.

Zurück zu den Vorsätzen. Diese haben aber nicht wirklich was mit dem neuen Jahr zu tun, der Jahreswechsel ist purer Zufall. Aber ich habe mir etwas für mein Leben vorgenommen, etwas ganz tolles. Es ist kein Vorsatz wie "aufhören zu Rauchen" oder "weniger Trinken", nein, es ist etwas schönes, etwas wunderbares. Ich nenne ihn AUF DEN SPUREN DER MUSIK. Klingt das nicht toll? Ich will der Musik auf den Grund gehen. Ich will sie spüren. Überall, am ganzen Körper. Ich will dort sein, wo Musik entsetht. Dort wo sie geboren wird. Ich will Gesichter sehen wie Jón Thór Birgisson von Sigur Rós im wunderschönen Film HEIMA. Ich will solche Gesichter live sehen. Ich will fühlen was sie fühlen. Ich will Musik nicht mehr nur auf dem Plattenteller serviert, ich will sehen wie sie entsteht, wie sie sich entwickelt. Ich will Musik ohne Grenzen. Und ich werde ihr folgen. Beginnen werde ich hier in Zürich. Ich werde kleine Konzerte besuchen, ich werde den Klangwelten lauschen und mich mit Musikern unterhalten.

Das erinnert mich an einen Montag Abend vor einigen Monaten. Ich war zum Abendessen mit meiner Mutter verabredet. Es war ein beschissener Tag, ich war Müde vom Wochenende, emotional nicht ganz auf der Höhe und ich fühlte mich sehr einsam. Trotzdem hab ich mich aufgegrafft, weil ich meine Mutter nunmal nicht gerne versetze. Wir haben gegessen und die Ablenkung tat mir gut. Danach beschloss ich, vom Niederdörfli über die Langstrasse nach Hause zu spazieren. Irgendetwas in mir wollte nicht nach Hause, also ging ich noch ins Rossi auf ein Bier. Ich setzte mich nach draussen um zu Rauchen bis mich jemand mit französischem Akzent nach Feuer fragte. Nach dem Feuer kam die Frage nach dem Buch, was ich denn da am lesen sei. Wir sprachen über Bücher, über französische Schriftsteller, über seine 16 Jährige Tochter und über sein Neugeborenes. Er war Jazzmusiker und stammte aus Paris, lebt aber seit einigen Jahren in Zürich. Wir haben geraucht, getrunken und geredet. Er hatte dieses Funkeln in den Augen. Ich hätte sehr gerne ohne ein weiteres Wort zu verlieren sofort mit ihm geschlafen um ihn danach nie wieder zu sehen. Da war er wieder, der Reiz des Verbotenen. Glücklicherweise blieb ich mit meinem Gewissen im Reinen und ich war wiedermal ab solchen Begegnungen fasziniert. Mit jemandem eine Unterhaltung führen ohne über Namen und Telefonnummern zu sprechen, mit dem Wissen, dass du diese Person nie wieder sehen wirst hat schon etwas sehr magisches. Geniesst solche Momente! Sie sind die kleinen Perlen unter den Wundersamen Momenten im Leben. Und folgt der Musik. Oder wie AUGUST RUSH im gleichnamigen Film sagt: MUSIC IS ALL AROUND US, ALL YOU HAVE TO DO IS LISTEN!