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Mittwoch, 29. Dezember 2010

Nächster Halt: 2011


Ich habe mir in letzter Zeit oft den Kopf darüber zerbrochen, wie ich endlich gelassener werden kann. Es kann einem schon in den Wahnsinn treiben, immer tausend Gedanken im Kopf zu haben welche einem nicht schlafen lassen.

Oder Erinnerungen. Gute wie schlechte. Den guten trauert man nach und die schlechten möchte man am liebsten löschen. Manchmal möchte man sogar die guten löschen. Manches wäre einfacher. Ich wünsche mir regelmässig eine Gehirnwäsche wie sie Jim Carrey in VERGISS MEIN NICHT bekommt. Wäre die Festplatte einfach gelöscht wäre man der Zukunft gegenüber viel zuversichtlicher.

Doch gibt es nunmal keine Zukunft ohne Vergangenheit. Wie ich in einem älteren Beitrag bereits mal geschrieben habe, ist unsere Erinnerung wohl das Einzige was wir wirklich besitzen, was nur uns gehört, was uns keiner nehmen kann. Und doch ist sie manchmal unser grösster Feind, unser grösstes Hindernis, weil wir durch sie immer vorsichtiger werden.

Irgendwo zwischen Vergangenheit und Zukunft warten wir wie verwaiste Kinder an einem Bummel-Bahnhof. Die Gegenwart rast im Schnellzug an uns vorbei.

Ohne Kompass rennen wir durch die Gegend und fragen die Leute nach dem Weg. Doch keiner wird uns den Weg weisen können. Nur wir selbst. Also rennen wir weiter im Kreis. Jeder für sich, so lange bis seine Grenze erreicht ist, bis ihm klar wird, das es nur einen Weg gibt: Den Weg zu sich selbst. An dir selbst kommst du nicht vorbei.

Du musst mit deinen Gedanken und deinen Erinnerungen Frieden schliessen um wieder auf den Zug auf zu springen. Du musst mit dir selbst Frieden schliessen und du musst dir selbst vergeben. Dieser Prozess ist unabdingbar.

Hast du erst deinen Seelenfrieden zurück erlangt kannst du dich mit der neu gewonnen Gelassenheit dem HIER UND JETZT widmen ohne dich wegen deiner Vergangenheit oder deiner Zukunft verrückt zu machen.

Oft haltet man sich mit falschem Stolz auf. Man ist nicht bereit anderen zu vergeben, weil man sich selbst nicht vergibt. So können Jahre vergehen. Wertvolle Jahre. Man ist wütend. Enttäuscht. Man sucht Schuld. Entweder bei sich oder dem Anderen. Doch manchmal trifft keinen die Schuld. Nur den falschen Stolz. Und auch wenn jemand Schuld hat, muss man dem Schuldigen vergeben. Schuld hält auf. In jeder Hinsicht.

Zum Jahresabschluss habe ich nun mit mir selbst Frieden geschlossen. Ich habe in diesem Jahr mit allen Menschen welche mir nahe sind oder eine Verbindung zu mir haben Frieden geschlossen. Ich habe falschen Stolz überwunden und ich habe vergeben. Ich habe auch um Vergebung gebeten. Und zu guter letzt, am dritt letzten Tag des Jahres, habe ich mir selbst vergeben. Ich habe meinen Rucksack in die Ecke geschmissen, ihn aus gepackt und aus sortiert. Einige Dinge habe ich weg geschmissen und einige wieder ein gepackt.

In drei Tagen ist dieses verdammte Drecks Jahr endlich zu Ende und ich kann jedem nur raten, in den verbleibenden Tagen - solltet ihr es nicht schon gemacht haben - euren Rucksack zu entrümpeln und mit aussortiertem Rucksack pünktlich zum Jahreswechsel am Hauptbahnhof zu stehen um auf den Gegenwartexpress in Richtung Zukunft auf zu springen. 2011 WE`RE COMMING!

Mittwoch, 22. Dezember 2010

Montag, 20. Dezember 2010

Neues Spiel, neues Glück. Mögen wir alle gewinnen!


Es gab da diesen Tag im Sommer. Die Sonne scheint, es ist heiss und die Schweissperlen glänzen auf der Haut. Du trittst im luftigen Sommerkleid auf die Strasse, gute Musik im Ohr und du bist gespannt was du heute alles erleben wirst. Du hast dieses Kribbeln im Bauch, etwas ungewisses, etwas schönes und es lässt dich auf der Strasse hüpfen. Du erfreust dich ab dem Leben. Diesem wundersamen Leben welches du irgendwie nicht greifen kannst, was dir so unfassbar ist wie das Universum. Du freust dich auf dein Leben. Auf die guten Momente die du erleben wirst, auf die Menschen die du treffen wirst, auf die Länder die du bereisen wirst. Auf Orte, Lieder, Beziehungen und Begegnungen die dir Glück bringen werden, die dich weiter bringen, die dich fordern, die dich lieben werden und solche die dich lieben lassen werden.

Ich erinnere mich an den Tag an dem ich mit diesem Gefühl in den Tag hinaus tritt. Ich habe keine Ahnung was danach passiert ist, ob ich nun Baden gegangen bin oder ob ich mich mit jemandem getroffen habe. Ich weiss auch nicht, ob ich mit dem selben Gefühl wieder nach Hause gekommen bin. Wahrscheinlich nicht. Aber darum geht es auch nicht.

Dieses Jahr war für viele Menschen in meinem Umfeld ein sehr schwieriges Jahr. Vieles ging kaputt, Beziehungen, Freundschaften, Familien, Seelen. Auch für mich war diese Jahr nicht einfach. Ich führte einen Kampf. Diesen Kampf führte ich zwar schon seit Jahren aber in diesem Jahr war es zum Duell gekommen, eins gegen eins. Ich gegen mich. Der Kampf kam zu keinem Ende, mit hingebungsvoller Ausdauer wurde ein unermüdliches Gefecht geführt. In meinem Jungen Leben bin ich in diesem Jahr an meinem persönlichen Tiefpunkt angekommen. Und anscheinend muss es mir da irgendwie gefallen haben. Keine Ahnung, vielleicht gab es viel zu Essen oder die machten gute Drinks oder aber es lief schöne Musik. Das ist schon die halbe Miete. Aber das spielt eigentlich keine Rolle, der Punkt ist, dass ich dann doch wieder die Treppen hoch gestiegen bin um mal im Erdgeschoss zu klingeln aber entweder war da grad keiner zu Hause oder ich rutsche auf einer Bananenschale aus und landete rücklings wieder auf dem kalten Kellerboden. In diesem Moment gab es weder was zu Essen, noch war da irgendwie eine Bar zu sehen und an Musik war nicht einmal zu denken. Da war nur dieser harte, kalte Boden und die Dunkelheit. Stille. Furchtbare, erdrückende Stille. Aber mit der Zeit lebst du dich im Kellergeschoss irgendwie ein. Du arrangierst dich, findest dich mit der Situation ab. Du denkst, du hast nichts besseres verdient, manche Menschen gehören halt einfach in den Keller und damit meine ich jetzt nicht diejenigen, die da runter gesperrt werden. Ich meine diejenigen, die sich keine Wohnung im Erdgeschoss oder in der zweiten Etage gönnen. Es muss ja nicht immer gleich die Dachwohnung mit Terrasse sein. Es ist Krank, wir Menschen sind krank, die einen sperren Menschen in den Keller, andere werden in den Keller gesperrt und wiederum andere sperren sich selbst in den Keller. Irgendwie sind wir alle ein bisschen Kellerkinder. Jedenfalls die blinden unter uns und davon gibt es viele. Wie dem auch sei, ich will auch gar nicht weiter auf diese Thematik eingehen, sie ist zu gross, zu Komplex, vielleicht schreib ich mal ein Buch drüber wenn ich mich von meiner Blindheit erholt habe. Mittlerweile leide ich nur noch an einer niedrigen Sehschwäche, der Augenarzt meint, es heile sehr gut und bald könne ich die Brille abnehmen. Ich bin sehr froh, denn wenn ich endlich richtig gut sehen kann, dann kann mir das auch nicht mehr passieren, auf so einer bescheuerten Bananenschale aus zu rutschen.

Ich freue mich zu entdecken, zu sehen, zu lieben, zu lachen, zu weinen. Ich freue mich darauf, was das Leben mir zu bieten hat. Ich werde nicht einer dieser Emotionaler Krüppel werden, denen einst das Herz gebrochen wurde und die sich desswegen selbst nichts gönnen und sich der Liebe, ja gar dem Leben verschliessen. Ich werde nicht alle diese schönen Momente verpassen aus Angst davor verletzt zu werden. Ich werde mich nicht den Menschen gegenüber verschliessen. Ich werde nicht kalt werden. Ich habe diese Selbstzerstümmelungs-Kultur zwar quasi mitbegründet und sie ist immer noch total gefragt aber ich denke es ist Zeit für neue Mode. Das Motto ist: Lebe. Jetzt. Liebe. So viel du kannst. Immer wieder. Zeig Gefühl. Lebe Gefühl. Und zensier dich ja nicht. Glaube nicht, andere mit deinen Gefühlen zu überfordern, die richtigen Menschen werden sie mit Freude empfangen. Sage was du denkst. Sprich. Schreib. Lass deine Gedanken raus. Teile sie, aber bleib bei dir. BLEIB EINFACH IMMER BEI DIR. Den du wirst dein Leben mit dir verbringen und kein anderer. Du wirst dein ganzes Leben immer da sein, du darfst es dir mit dir nicht verscherzen. Menschen werden kommen und gehen, manche werden dich lange begleiten, andere kreuzen kurz deinen Weg. Manche Verluste werden schmerzhaft sein, andere befreiend. Aber egal wie schmerzhaft sie auch sein mögen, gib dich dem Schmerz nicht zu lange hin, denn du bist noch da und du musst auf dich aufpassen. Du musst dafür sorgen, dass es dir gut geht damit du wieder neue Liebe erfahren wirst. Damit du wieder lieben kannst. Und du wirst es. Und wie. Aber nur wenn du bei dir bleibst.

Ja, viele Dinge gingen Kaputt in diesem Jahr. Einige waren leider nicht mehr zu retten, andere konnten repariert werden und einige konnten dadurch sogar noch besser werden. Die Karten wurden neu gemischt. Ich hoff ich hab gute Karten, ich freue mich auf jeden Fall schon sehr auf das Spiel! Mögen wir alle gewinnen!

Montag, 13. Dezember 2010

Was bleibt


Am Ende bist es du. Nur du. Am Ende geht es um dich. Um dich allein. Wenn nichts mehr bleibt, bist DU da Einzige was bleibt. Desshalb pass auf dich auf. Trage sorge. Tu dir gutes. Du hast das BESTE verdient. Gibt dich nicht mit weniger zufrieden. Verkaufe dich nicht unter deinem Wert. Sei dir dein Wert bewusst. Tu das was du liebst. Kämpfe für deine Träume, sind sie auch noch so abwegig. Stehe ein für deine Visionen, auch wenn sie von anderen als Illusionen abgetan werden. Kämpfe für das was du liebst, für das, an was du glaubst. Lass dich von deinen Emotionen leiten, auch wenn dich die Leute belächeln. Weine. Lache. Soviel du magst. Bis du nicht mehr kannst. Leb für den Moment. Vergiss die Zeit. Vergiss die Welt. Am Ende bist es du. Nur du.

Freitag, 10. Dezember 2010

Dramaqueen vs. Kumpeltyp oder eidg. dipl. Alkoholiker


Ich glaub ich werde nun professionelle Alkoholikerin. Schwerpunkt: Rotwein und Jägermeister. Ich bin zurzeit so von Rotwein fasziniert, dass ich ihn einfach in Unmengen zu mir nehmen muss. Seit gestern bin ich wieder Fan von den Italienern. Die Italos wissen eben schon wo es lang geht. Eine ausgesprochen gute Kombination ist natürlich auch Rotwein, Prosecco (Oder war es andersrum?) und Jägermeister. Das sind dicke Freunde. Momentan meine liebsten, also neben meinen echten Freunden mein ich. Ich habe beschlossen meine Drama-Queen Krone ab zu legen und wieder Spass am Leben ( Trinken) zu haben. Also kam ich heute mit einer Visitenkarte von einem Finanzberater den ich garantiert niemals anrufen werde nach Hause, hab meinen Schlüssel einem Mann und einer Frau gegeben damit immerhin mein Bett wenigstens mal zu Sex kommt und hab mich bei einem Freund einquartiert. Diesen habe ich dann liebevoll mit versalzenem Essen bekocht und meine Jacke brav am Hacken für die Abtrocknungstücher aufgehängt. Und das beste daran: ich hatte nicht mal einen Kater. Das liegt an der Professionalität. Jahrelange Übung und Zielstrebigkeit ist der Schlüssel. Richtig Trinken will gelernt sein. Ich mach das schliesslich nicht zum Spass! Wieso sind eigentlich die guten Männer immer entweder vergeben oder langweilig? Und warum verdammt such ich mir immer die kompliziertesten Fälle aus? Ist das mein Unterbewusstsein dass im Grunde doch ein Mann ist und seinem Jägerinstinkt folgt oder hab ich einfach nur eine scheiss Angst auch mal Glücklich zu sein (oder verletzt zu werden?) und suche mir desshalb immer genau das aus, was ich nicht kriegen kann, weil ich innerlich schon genau weiss, dass ich mich so auf sicherem Terrain befinde? Oder brauch ich gar dieses ganze Drama um mich am Leben zu halten? Gott bewahre! Lass mich nicht eine von diesen Frauen sein! Ich bleibe wohl besser der Kumpeltyp. Mit dem hat man Spass. Mit dem geht man Trinken und zieht um die Häuser. Der Kumpeltyp hält sich von jeglichen Dramen und gefährlichen Situationen fern. Der Kumpeltyp ist so ganz easy going ( dieser Ausdruck ist einfach GOTT. easy going. Herrlich!). Der Kumpeltyp macht keinen Stress, er sagt dir nicht wenn du nach Hause gehen musst und er fragt dich auch nicht wo du letzte Nacht warst. Der Kumpeltyp hat viele Freunde aber keinen Freund, er ist nämlich zu sehr damit beschäftigt, nun ja, KUMPEL zu sein. Als Kumpeltyp trinkts sich auch viel angenehmer. Er muss nämlich nicht darauf achten, dabei noch irgendwie sexy aus zu sehn. Der Kumpeltyp kann sich mit gutem Gewissen voll laufen lassen, in der Gegend rum torkeln und wenn er versucht zu flirten wird das als kumpelhafte Geste abgetan. Der Kumpeltyp ist meist auf Parties an zu treffen und hat meist schon einen Sitzen, so dass es mit ihm garantiert nie langweilig wird. Er ist in seiner Professionalität was das Trinken anbelangt äusserst unterhaltsam. Siehst du also irgendwo in einer Ecke so einen Kumpeltyp rumliegen, dann bring ihm einen Jägermeister, stoss mit ihm an und sprich mit ihm über belanglose Dinge an die er sich morgen nicht mehr erinnern wird. Mach ihm ab und zu ein Kompliment wie cool er doch sei und sag ihm er wäre die Schwester die du niemals hattest und halte ihn bei Laune damit er sich auch ja nie mehr daran erinnert, dass es auch noch so was wie Liebe gibt. Ansonsten kann es vorkommen, dass sich der Kumpeltyp umgehend in eine Dramaqueen verwandelt. Da hilft dann auch professionelles Trinken nichts mehr.

Dienstag, 7. Dezember 2010

Hörig

Ich bin in einer Bar. Ich lache, trinke, bin in einer Unterhaltung mit irgendwem. Ein Mann kommt, hinter ihm eine Frau. Er hält ihre Hand, zieht sie nach vorne. Das ist Anschu. Meine Frau. Ich schaue den Mann und seine Frau irritiert an. Ich verstehe nicht. Ich kenne den Mann nicht. Lass uns gehn sagt er mit strengem Blick an mich gewandt. Gehen? Wohin? Wesshalb? Der Mann wird ungeduldig, packt mich am Arm. Niemand hilft mir. Sie nehmen mich einfach mit. Die Frau ist zierlich und scheint ihren Mann sehr zu lieben. Der Mann sperrt mich in ein Zimmer. Ich werde dieses Zimmer lange nicht verlassen. Der Mann kommt ein mal Täglich ins Zimmer. Ich bin seine Sexsklavin. Anfangs versuche ich noch mich zu wehren doch bald merke ich dass es keinen Zweck hat. Ich muss machen was er will. Mit seiner Frau schläft er. Mich fickt er. Mit der Zeit beginne ich gefallen daran zu finden. Ich drehe denn Spiess um. Mache ihn von mir abhängig. Er kommt immer öfter ins Zimmer. Kann nicht genug kriegen. Ich entwickle eine Strategie. Die Sehnsucht nach der Freiheit wird immer schlimmer. Ich treibe einen Keil zwischen den Mann und die Frau. Immer wenn er mit ihr schlafen will rufe ich ihn zu mir ins Zimmer, so dass er keine Kraft mehr hat danach noch mit der Frau zu schlafen. Die Frau will mich loswerden. Sie verhilft mir zur Freiheit. Ich trete hinaus in einen wunderschönen Garten. Ich habe keine Ahnung wo ich bin. Dann wache ich auf.

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Männer sind die neuen Frauen!


Also erstmal, Mama, Papa, falls ihr das hier lest ist nun für euch hier Schluss. Also nicht weiter lesen bitte, hier gehts nämlich um Sex und ich will nicht riskieren, mein kleines Mädchen Image bei euch zu verlieren. Also Adieu. Danke.

Für alle Anderen: Ich muss Dampf ablassen. Und nein, ich will hier nicht einen auf Sexkolumnistin machen, aber dieses Thema beschäftigt mich nun doch schon seit längerer Zeit und da ich gerade eine Diskussion mit einer Freundin über nachfolgendes Thema hatte, muss ich nun hier einfach mal Klartext reden weil es offenbar nicht nur mir so geht. Immer öfter klagen Frauen über mangelnden Sex. Nicht über zu wenig Sex. Auch nicht über schlechten Sex. Nein, über KEINEN SEX. GAR KEINEN. NADA. Da kann man jetzt sagen, gut dann geht doch los und schnappt euch einen, "ist doch kein Problem als Frau" hört man Männer gerne sagen. Und mal abgesehn davon, dass es das ist, gehts hier gar nicht darum. Diesen Frauen mangelt es nämlich nicht an einem Mann, es mangelt ihnen nur an Sex.Hä? Wie geht das denn? Und genau das ist der springende Punkt. JA, WIE GEHT DAS DENN?! Diese Frage stellen wir uns allerdings auch. In letzter Zeit gibt es immer mehr Frauen, die damit ein Problem haben. Besser gesagt, die Männer haben ein Problem. Sie wollen nicht mit uns schlafen! Nicht mit uns ficken, uns nicht bumsen, es uns nicht besorgen, sie wollen nicht vögeln, nicht nageln, was weiss ich. Ich verwende hier absichtlich mehrere Begriffe, damit hier keine Missverständnisse entstehen.

Ein Beispiel: Karin war seit anderthalb Monaten mit ihrem Freund zusammen. Sie hatten keinen Sex. SIE HATTEN KEINEN SEX! (Ja, das ist Schreien, ich schreie, so unfassbar und absurd finde ich das Ganze). Sie machten zwar rum, verstanden sich super, aber jedesmal wenn es kurz davor war, um zu Sex zu kommen und Karin dachte, so, jetzt gehts ab, drehte sich der Alte um und wünschte ihr eine Gute Nacht. SAG MAL GEHTS NOCH?! Wie sadistisch ist dass denn? Du kannst doch das arme Mädchen nicht zuerst am Braten riechen lassen und ihn danach aus dem Fenster schmeissen! Karin und der Gute-Nacht-Mann sind heute nicht mehr zusammen. (Na, Hoffentlich auch nicht!)

Ein weiteres Beispiel: Ich war mal auf einer Party, da hab ich nen Typen kennen gelernt, wir haben uns ein wenig (Betonung auf WENIG) unterhalten und er fragte ob ich mit ihm nach Hause kommen möchte. Wollte ich. Also gingen wir zu ihm nach Hause, machten ein bisschen rum und ja, das wars. Nach einer halben Ewigkeit rum knutschen und als mein Mund langsam wund von seinem Bart war legten wir uns schlafen. Ich war irritiert aber dachte mir irgendwie nichts weiter dabei. Ich habe besagten Typen dann noch zwei mal getroffen und jedes mal wieder das selbe Szenario. Beim dritten mal riss mir langsam aber sicher der Geduldsfaden und ich war das rum knutschen langsam leid, also flüsterte ich ihm mit erregter Stimme ins Ohr, ob wir nicht mal nen Schritt weiter gehen wollten. Wollte er nicht, denn seine Antwort war, er hätte keine Kondome im Haus. Hallo?! Welcher halbwegs hetero-sexuelle Mann nimmt denn eine Fraue mit nach Hause wenn er keine Kondome hat?! Dieser Mann sollte mir lange Zeit ein Rätsel bleiben und ich nannte ihn von nun an liebevoll MR. UNFUCKABLE.

Oder da war da noch Oliver. Oliver und ich hatten so ne Art freundschaftliche Affäre. Wo bei das Wort Affäre nicht wirklich passt. Beim Wort Affäre stelle ich mir nämlich immer vor, wie es klingelt, ich die Tür öffne und mich ein Mann mit gierigen Blicken ansieht, mich hochhebt und direkt an die Wand da hinter knallt, mit der einen Hand die Tür zu knallt und mir mit der anderen Hand an den Haaren reisst bis mein Kinn in der Horizontalen ist. Beim Wort Affäre denke ich an Begriffe wie Feuer, Leidenschaft und Unersättlichkeit. Ich denke an Sex an allen Möglichen Orten, nur nicht umbedingt im Bett. Naja, wie auch immer, bei Oliver weit gefehlt. Die einzigen zwei Male bei denen wir Sex hatten waren eher, naja wie soll ich sagen, ich hätte ein Buch nebenher lesen können. Und beide Male musste ich die Initiative dazu ergreifen. Ich kam nicht dahinter wieso das so war, denn er erzählte mir früher immer seine aufregend versauten Sex Stories und nun das. Ich suchte den Fehler natürlich bei mir. Findet er mich sexuell nicht attraktiv, und all die Fragen die sich Frauen halt in solch einer Situation stellen würden. Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus und als ich ihn darauf ansprach meinte er, bei irgendwelchen Frauen sei das kein Problem, da mache er was er wolle aber bei mir traue er sich irgendwie nicht. HALLO?! Ich verstand die Welt nicht mehr.

Müssen wir Frauen nun also das dumme Naivchen spielen damit ihr uns auch nichts, aber rein gar nichts aus uns macht und dafür wilden, ungezähmten Sex haben könnt? Müssen wir uns jetzt Männern an den Hals werfen, bei denen wir sicher sind, dass sie uns nicht im entferntesten Sinn irgendwie mögen damit wir auch mal in den Genuss von körperlicher Zuneigung kommen? Habt ihr Angst vor uns? Läuft bei euch die Gefahr, ihr würdet den Respekt vor uns verlieren? Idealisiert ihr uns und wollt uns (oder euch selbst?) nicht "beschmutzen"? ODER WAS ZUR HÖLLE STIMMT NICHT MIT EUCH?

Ich kriegs echt nicht gebacken. Es will mir nicht in den Kopf. Oben erwähnte Freundin zum Beispiel, die liebe Karin, eine sehr gut aussehende, intelligente und starke Frau, hat nur mit solchen Männern zu tun. Ist das nicht frustrierend? Was machen wir falsch?! Haben wir nicht auch ein Recht auf guten Sex? Oder müssen Frauen wie Karin und ich uns nun für den Rest unseres Lebens mit Blüemlisex (wenns hoch kommt) und mit Kuscheln begnügen? Oder müssen wir allen Ernstes unsere Schauspielkünste aus dem Nähkästchen holen und euch das dumme, billige Luder vorspielen? Nur weil wir Bücher lesen und nicht zu allem ja und Amen sagen, heisst das noch lange nicht, dass wir nicht auch Bedürfnisse haben, das wir nicht auch mal Hure und nicht immer nur Heilige sein wollen. Wieso verdammt, kann MANN nicht mit Menschen die man mag sich richtig ausleben? Denn wenn man sich doch mag, und eine Vertrauensbasis vorhanden ist, dann heisst das doch nicht, dass der Respekt danach verloren geht!? Ist es nicht um so besser, wenn man mit einer Person die man mag und respektiert auch die Sexuellen Fantasien teilen kann? Ihr wisst schon, Heilige und Hure zugleich. Sowie in einer Beziehung auch Kumpel und beste Freundin darin enthalten sein sollten. Ich finde diese neue Mode der Männer nicht nur frustrierend, sie ist auch verletzend. Frau fühlt sich nicht mehr sexuell Attraktiv und sucht den Fehler natürlich bei sich. ALSO WO LIEGT EUER PROBLEM? LIEGT ES DOCH AN UNS?

Und wie gesagt, es geht nicht nur mir so (es kann also nicht nur an mir liegen). Der Fall Karin und Oliver sind nicht erfunden. Lediglich die Namen wurden geändert. Nein, es geht vielen Frauen so. Attraktiven Frauen. An dem kanns auch nicht liegen. Sind Männer die neuen Frauen? Ich hätte wirklich gerne mal ein EHRLICHES STATEMENT aus der Männerwelt!

Montag, 29. November 2010

Ein Traum oder das Konzert meines Lebens


Der Wein erfüllt seinen Zweck. Leider ist die Flasche nun leer. Mir ist nun aber gerade mein Traum von letzter Nacht eingefallen und da ich dermassen ab dieser Szene fasziniert bin komme ich nicht um hin darüber zu berichten.

Es war am Meer. Hinter dem Strand erstreckte sich ein Berg und auf diesem Berg spielten Depeche Mode ein Konzert. Sie spielten meinen lieblings Song SWEETEST PERFECTION. Ich war per Zufall an diesem Berg vorbei gekommen und war auf dem Weg zum Strand. Ich kletterte den Berg runter und drehte mich immer wieder um weil ich diesen Song unbedingt hören wollte aber irgend etwas liess mich trotzdem immer weiter runter klettern. Die Musik war aber laut genug, so dass ich sie auch noch hören konnte als die Band ausser Sichtweite war. Und dann kam plötzlich Dave Gahan den Berg runter geklettert, immer noch am Singen. Der Song schien gar nicht mehr aufzuhören, er dauerte mindestens schon 20 Minuten. Dave kam also diesen Berg runter und ging aufs Meer zu, das Mikrophon in der Hand, immer noch am Singen. Er stand im Wasser, sang diesen Song und danach gab die Band noch einen mindestens genau so langen Instrumentalen Part zum besten. Ich konnte mein Glück kaum fassen und war in einem Trance zustand. Trunken von den Klängen, der Melodie, diesem unglaublichen Sound. Ich dachte das sei das grösste was ich je an Musik erlebt habe. Ich wollte mich ins Meer legen und mit diesem Sound davon schwimmen.

Es war der schönste Traum den ich je hatte und ich verfluche meinen Wecker.

Und ich fange gar nicht erst an diesen Traum zu analysieren. Er ist perfekt. Alles andere würde ihm nur seinen Glanz stehlen.

Rotweinphilosophie


Ich kann nicht schlafen. Also tue ich was Bukowski tun würde. Ich trinke. Ich trinke Rotwein, rauche wie ein Loch und denke über mein Leben nach. Ich denke über das vergangene Jahr nach und ich analysiere was sich alles verändert hat. Die Antwort ist: Es hat sich rein gar nichts verändert. Und dennoch ist alles anders. Seit Jahren hab ich das Gefühl, dass sich das Rad einfach nicht mehr weiter dreht. Ich begehe die selben Fehler zum x-ten Mal, ich bin meinen Zielen und Träumen keinen Schritt weiter gekommen und Dinge die ich einst liebte und mich am Leben erhielten sind nun Dinge geworden, die ich zutiefst verabscheue. Grundlegende Dinge. Mein Beruf zum Beispiel. Meine ewige Rastlosigkeit. Meine Gedanken. Was einst eine meiner lieblings Beschäftigung war – meinen Gedanken nach zu hangen – bringt mich heute um meinen Schlaf. Wenn ich keine Probleme mit einschlafen hab dann kann ich sicher sein, dass ich mitten in der Nacht aufwache und nicht mehr einschlafen kann. Was ich früher als luxus sah – mich in meine eigene Welt zu flüchten – wirkt heute zunehmend apatisch.

Wieso trinken eigentlich alle immer nur Rioja und Primitivo? Ich möchte an dieser Stelle mal an den Blauburgunder appellieren. Auch wenn zurzeit keiner Stolz auf die Schweiz ist muss man doch mal sagen, dass wir nen echt guten Wein haben. Speziell der Zürcher Staatsschreiber Wein. Schweizer Wein wird total unterschätzt. Aber das ist wohl eine typische Krankheit des Menschen: Immer zu weit suchen. Zu weit denken. Man muss uns zuerst eins auf die Fresse hauen damit wir mal die Augen öffnen.
Passend dazu trinke ich heute einen Kroaten. Der Balkan wird ja auch immer gerne unterschätzt. Die haben aber echt tollen Wein!

Ich versuche nun gerade mich an meinen grössten Glücksmoment in diesem Jahr zu erinnern. Er scheint mir so weit weg und ich erinnere mich nur noch vage, was ich damals gefühlt und empfunden habe. Ich erinnere mich, nach Adjektiven gesucht zu haben, damit ich mich später mal genau an diesen Moment erinnern kann. Sie fallen mir nicht mehr ein. Das Einzige was noch an nährend besagtes Glücksgefühl wieder geben kann ist FREIHEIT. Ich dachte an Freiheit. Es war ein Samstag. Ich war auf meiner Reise in der Türkei. Ich war am Meer und habe mir ein Fahrrad gemietet und bin durch die Gegend der Küste entlang gefahren. Musik im Ohr und der Wind in den Haaren. Bei einem Strand welcher mit einem Sportstand ausgerüstet war wollte ich eine Pause einlegen. Dort wurde ich mit offenen Armen empfangen und zu einer gratis Katameran-Fahrt eingeladen. Und da draussen, weit draussen auf dem Meer, als ich dieses Seil in den Händen hielt und wir dem Horizont entgegen gleiteten, ganz nah am Wasser, da sagte ich zu mir selbst: An diesen Moment wirst du dich immer erinnern. Das ist der schönste Tag deines Lebens. Und das schönste daran: ich war alleine. Ich war im Frieden mit mir selbst. Ich war glücklich. Einfach so. Alles andere erschien mir so belanglos. Da waren nur ich und meine Gedanken. Und die waren gut. Die waren verdammt gut. Ich habe wahres Glück empfunden. Es gehörte mir allein und das wichtigste: Es war von niemand anderem abhängig. Ich glaube das ist das wahre Glück. Wenn man so im Einklang mit sich selbst ist, dass Glück allein daraus entstehen kann, weil man einfach zufrieden mit sich und dem Moment ist. Und dass man dafür dankbar sein kann. Dankbar ein neues Level erreicht zu haben und du nimmst dir vor dich mehr auf das Wesentliche zu konzentrieren, dich nicht immer selbst in den Wahnsinn zu treiben und Glück einfach mal passieren zu lassen. Du nimmst dir vor, den Gedanken, dass man sich sein Glück zuerst verdienen muss ab zu legen. Du fragst dich, wieso du immer alles so schwarz gesehen hast, wieso du dir immer das Leben selbst zur Hölle machst und du kannst beim besten Willen nicht nachvollziehen warum du nicht immer so glücklich warst.

Einige Monate später kannst du dich nicht mehr in diesen einen Glücksmoment hinein fühlen. Du kannst darüber berichten, aber du kannst ihn nicht mehr fühlen.

Die Zeit vergeht so schnell und innerhalb einiger Sekunden kann sich dein Leben grundlegend verändern. Durch falsche Entscheidungen, verpasste Busse, gesagte Worte und nicht gesagte Worte. Wir hangen der Vergangenheit nach und zerbrechen uns den Kopf über verpasste Chancen, gescheiterte Beziehungen, falsche Entscheidungen und den ganzen Lauf der Dinge. Doch machen all diese Sachen uns zu dem was wir sind. Doch wollen wir so sein wie wir sind? Dient es nicht viel mehr der Rechtfertigung all unserer Taten? Vielleicht. Doch auch wenn wir nicht sind wer wir sein möchten müssen wir uns dennoch selber all diese Dinge verzeihen. Tun wir es nämlich nicht, werden wir uns unser Leben lang mit den selben Hürden auseinander setzten müssen. Und wir werden wütend werden. Und Wut im Herzen zu haben ist wohl das schlimmste für einen Menschen überhaupt. Schlimmer noch als Trauer. Sie hinterlässt ein Loch im Herz. Desshalb sind diese Glücksmomente so wichtig. Auch wenn wir das Gefühlte hinterher nicht mehr nachvollziehen können. Die Gewissheit, es erlebt zu haben schöpft dennoch Hoffnung eines Tages wieder so zu fühlen wie damals.

Run Baby Run



Ich renne durch die Gegend, renne umher. Bin rastlos. Ausser Atem. Ich brauche Kraft, drohe um zu fallen. Ich renne. Renne ohne Pause. Hab keine Zeit. Bin falsch abgebogen und finde den Weg nicht mehr. Anstatt vor mir selbst davon zu rennen, renne ich nun meinem eigenen Schatten hinter her. Ich komme an der nächsten Kreuzung an und kann mich für keine Richtung entscheiden. Rechts? Links? Geradeaus? Oder einfach wieder umkehren? Darf nicht stehen bleiben. Renne im Kreis. Werde langsamer. Mag nicht mehr. Meine Beine drohen unter mir zusammen zu brechen. Wo geht's lang? Wo will ich hin? Ja nicht stehen bleiben, immer schön weiter rennen. NICHT stehen bleiben. Auf einmal wird alles ganz hell, ich öffne die Augen und merke dass ich hingefallen bin. Meine Knie bluten, alles schmerzt. Ich kann nicht aufstehn, bin zu erschöpft. Die ganze Last, der ganze Schmerz meines bisherigen Lebens überfährt mich wie ein rasender Schnellzug. Ich schliesse die Augen. Ich will Schlafen. Nur noch schlafen. Doch muss aufstehn. Darf nicht liegen bleiben. Muss weiter. Immer weiter. Mit letzter Kraft erhebe ich mich vom Asphalt und realisiere, dass mein Bein gebrochen ist. Der Schmerz dessen erinnert mich daran, dass ich am Leben bin. Ich lebe. Ja verdammt. Ich mache mich auf allen vieren auf den Weg und frage mich an welcher Ecke ich mir selbst abhanden gekommen bin.

Donnerstag, 25. November 2010

Für ein Alkoholverbot an Firmenfeiern


Stell dir einen Tag vor an dem du die Welt nicht so fest hasst wie an anderen Tagen. Ein Tag, der gemütlich mit Kaffee und Frühstücken in der Küche beginnt. Du begibst dich in den Bus, bist guter Dinge, auf dem Weg zur Arbeit. Sogar die Hardbrücke lässt dich heute (fast) kalt. Du kommst nach längerer Zeit wieder ins Büro, kämpfst dich durch all die Mails während deiner Abwesenheit durch und fasst dir schon das erste Mal an den Kopf bei den Mails deines Chefs. Nicht aufregen. Er kann nichts dafür, er ist einfach so. Nachdem du den E-Mail-Berg bewältigt hast machst du dich auf in die Cafeteria wo du dich mit Kaffee eindecken willst. Leider bist du nicht die Einzige, die diesen Gedanken hatte und somit stehst du Gedanken versunken in der Schlange vor der Kaffeemaschine. Doch leider, und ich meine wirklich LEIDER wirst du die ganze Zeit von diesen (ich kanns nicht anders sagen) behinderten Smalltalk-Gesprächen deiner Kollegen abgelenkt. DU WILLST KOTZEN. Und du fragst dich wie die immer über so belanglose Scheisse die echt KEINEN MENSCHEN interessiert quatschen können, um die Wette strahlen und hähähihi da und dort machen können.

Also stehst du da, bemüht deine Augen nicht allzu sehr zu verdrehen als die beiden Damen neben dir bemerken dass sie die selbe Bluse tragen und die dritte noch um die Ecke kommt und den beiden beteuert, dass die Bluse aber auch wirklich sehr schick sei. Es ist wieder einer dieser Augenblicke in denen du dich fragst, was zum Teufel du hier eigentlich verloren hast. Du fragst dich ob du auch eines Tages deinen Mitarbeitern von den Zahnschmerzen deines Freundes berichten wirst oder ob du einfach von Grund auf asozial und nicht fähig bist dich anzupassen. Du denkst daran wie du das Ganze an Parties handhabst. Da kannst du das Gut. Aber da bist du zum Glück betrunken.

Apropos betrunken. Heute Abend steigt die Grosse Firmenweihnachtsfeier. Ich habe Angst. Noch viel schlimmer als der alltägliche Firmen-Smalltalk in der Cafeteria ist der „Jetzt-sind-wir-endlich-mal-betrunken-und-erzählen-uns-intime-Details-aus-unserem-Privatleben“-Smalltalk. Und Morgen sind wir alle verkatert und hoffen nicht allzu sehr aufzufallen und dem Typen aus dem 5. Stock mindestens drei Monate, am besten ein Jahr (bis zu der nächsten Weihnachtsfeier) nicht über den Weg zu laufen. Natürlich begegnet er dir aber genau als du total beschissen aussiehst in der Cafeteria und du schaust beschämt zu Boden und tust so als hättest du ihn nicht gesehen und schwörst dir nie mehr Alkohol zu trinken. Arbeit und Alkohol verträgt sich einfach nicht. Und Arbeit, Alkohol und DU, schon gar nicht. Der besoffene Chef der dich in der Ausbildung an gegraben hat, wie er sein Hemd ausgezogen hat und durchs Büro getanzt ist. Pfui. Oder damals als du den Typen aus der Informatik (aus der INFORMATIK!!) mit nach Hause geschleppt hast und wie es am nächsten Tag das GANZE BÜRO wusste und du danach noch raus gefunden hast, dass der Alte ne Freundin hat. Oder vor zwei Jahren, als du dermassen betrunken warst und du deinen Kopf nur noch in den Händen gehalten hast und fast im Restaurant auf dem Tisch eingepennt bist. Und da wäre dann noch letztes Jahr. Mein Gott. Zuerst flirtest du den IT-Typen an (was hab ich immer mit diesen IT-Nerds?!), überredest ihn, mit dir noch ins Hive zu gehen um danach unbemerkt mit dem Typen aus dem 5.ten dort hin durchzubrennen um danach in einer wilden Taxi-Knutscherei zu enden. Jägermeister hat auf einer Firmenfeier aber auch wirklich nichts, REIN GAR NICHTS verloren verdammt!

Also habe ich mir für die heutige Firmenfeier einige Vorsätze gefasst: Kein Alkohol, keine Flirts, keine Knutschereien, kein ausgelassenes Tanzen zu schlechter Musik, kein gar nichts! Ich werde, wie es sich für eine Dame gehört an meinem Orangensaft nippen und mich früh verabschieden. Morgen kann ich dann erhobenen Hauptes stolz wie ein Kind, dass zum ersten Mal in die Toilette gemacht hat durch die Cafeteria stolzieren, mich ab dem Smalltalk meiner Kollegen erfreuen und den „wer-mit-wem“-Geschichten lauschen.

Donnerstag, 18. November 2010

Kalte Fliege


Kälte macht sich breit. Sie erstreckt sich wie eine rollende Lawine übers Land. Hüllt dich ein, füllt dich aus. Von den Zehenspitzen über deine Knöchel klettert sie an dir hoch wie eine gierige Schlange hinauf bis in dein Herz. Sie umgarnt es wie eine Spinne die ihr Netz spinnt. Ganz vorsichtig, langsam, bedacht.

Kannst du es fühlen?

Die eisige Kälte, wie sie immer tiefer in dich eindringt wie tausend kleine Nadelstiche?

Du frierst und hoffst in deinen Träumen Schutz zu finden. Flüchtest dich in sie hinein wie in eine sichere Höhle. Hoffst. Ja hoffst in ihr Zuflucht zu finden. Geborgenheit. Erlösung. Doch die Schlange ist dir auf der Schliche, sie kann dich riechen: dein Pulsschlag, dein Blut, diesen kleinen Rest den du Leben nennst.

Doch weder die Schlange noch die Spinne sind dein Feind. Auch nicht dieser kalt gewordene Klumpen den du aus einem früheren Leben als dein Herz kanntest. Du allein. Du hast die Schlange gerufen, und mit ihr die Spinne. Du hast dich als Fliege getarnt weil du der Spinne ins Netz gehen wolltest. Du hast diesen Weg gewählt, auf der Flucht vor der Kälte mit der Spinne in den Kampf zu treten. Du hast diese Rolle mit offenen Armen entgegengenommen. Dich ihr hingegeben. Und das nur desshalb, um durch diese atemlose Flucht vor der Kälte ein wenig Wärme zu empfinden.

Im Netzt gefangen – in einer anderen Welt, ja vielleicht in einem Traum – hast du dich in einen Goldammer verwandelt. Die Fliege die du einst warst, tief und sicher in deinen Federn verborgen, hast du deine jungen Flügel gespreizt und bist gen Süden davon geflogen.

Freitag, 12. November 2010

Nichts

Ich würde gerne irgendwas schreiben. Irgendwas. Ganz egal. Ich verspüre keinen Mitteilungsdrang. Ich würde lediglich gerne ein wenig in die Tasten hauen. Eigentlich könnte ich auch einfach einen Text abtippen. Ich glaube ich wäre eine gute Sekretärin. Oder auch nicht. Ich beherrsche ja nicht einmal das 10-Finger System. Und das ist mir nicht mal peinlich. Ich haue gerne so idiotisch auf den Tasten rum und wenn mich jemand fragt habe ich auch eine plausible Erklärung dafür parat. Ich habe es nie gelernt. Simpel. In meinem Beruf arbeiten wir hauptsächlich mit der Maus. Immer wenn ich in die Tasten haue verrät mich das eigentlich schon bei meinen Arbeitskollegen, dass ich nicht wirklich am arbeiten bin. Ich tue dann immer so als würde ich etwas abtippen. Aber eigentlich ist auch das total überflüssig, denn in unserem Beruf muss man eigentlich auch nie was abtippen. Zum Glück spinnt aber mein MICROSOFT OFFICE die ganze Zeit (ja, ich ziehe dieses Produkt gerne durch den Dreck) und so kann ich dann jeweils behaupten, dass ich doch was abtippen musste. Aber eigentlich ist auch das alles total belanglos. Wie dieser ganzer Text. Ich dachte ich mach mal eine Übung. Einen Text über nichts schreiben. Einen Text ohne Kernaussage, ohne Inhalt, am liebsten sogar ohne Punkt und Komma. Aber dazu war ich dann doch zu feige. So ganz ohne jegliche Interpunktion zu schreiben, dass überlasse ich dann doch lieber denjenigen, die die Sprache wirklich beherrschen. Denjenigen die mit Worten spielen als wären sie Bausteine von Kappla. Denjenigen, bei welchen man nicht das Gefühl hat einen endlosen Haufen aneinander gereihter Wörter, sondern eine fliessende Geschichte zu lesen. Oder noch besser: Sie zu hören. Sie zu fühlen. So weit bin ich noch nicht. Bei Weitem nicht. Deswegen wollte ich irgend etwas schreiben. Einfach als Übung. Um mit den Wörtern zu spielen. Sie zu erkunden, sie abzutasten, in der Hoffnung eines Tages einen Text über Nichts zu verfassen ohne euch dabei zu langweilen.

Mittwoch, 10. November 2010

Diese Tage


Es sind diese Tage, an denen du dich an Momente aus deiner Kindheit erinnerst.
Es sind diese Tage an denen du für einen kurzen Augenblick wieder sieben Jahre alt bist und mit deinem Bruder auf dem Rücksitz Gameboy spielst während ihr mit euren Eltern in Richtung Italien fährt.

Oder damals, als ihr die Jacken getauscht habt und ihr im Ernst dachtet eure Eltern würden euch verwechseln wenn ihr nur die Köpfe unter die Jacken gezogen habt.

Es sind diese Tage, an denen du daran denkst, wie du deine Mutter ausgeschlossen hast und deine kleinen Finger danach zu wenig Kraft hatten, die Schlüssel erneut umzudrehn und euer Nachbar am Balkon hoch klettern musste um dich zu befreien.

Oder dieser eine Tag im Winter an welchem die anderen Kindern dich dick nannten und du in Tränen ausgebrochen bist und ihnen verzweifelt zu erklären versucht hast, dass das doch nur die dicke Daunenjacke sei und du nicht dick seist. Und wie du danach Jahre lang gelaubt hast du seist es doch. Wegen dieser blöden rosaroten Daunenjacke.

Es sind diese Tage, an denen du dich daran erinnerst, wie du mit Nicole die Katzen im Quartier eingefangen – sie in einen Kinderwagen gesteckt – und sie in der Nachbarschaft spazieren gefahren hast. Oder wie ihr die ganze Wohnung in ein Restaurant – mit Tischen aus Büchern gebastelt – verwandelt habt. Wie ihr stundenlang mit den imaginären Gästen rumgetratscht habt. Oder die Bibliothek. Die Bank. Die Post. Oder diese Mittwoch Nachmittage an denen dir vor lauter Risoletto in dich rein stopfen schon ganz übel wurde. Oder wie du Nächte lang nicht schlafen konntest wegen dem roten Stier aus DAS LETZTE EINHORN.

Es sind diese Tage, an denen du ganz weit zurück greiffst in die hintersten Ecken deiner Erinnerung deines kleinen Lebens. Weisst du noch, als du an diesem einen Sonntag im Frühling als deine Grosseltern zu Besuch waren, du warst vielleicht knappe vier Jahre alt, und deine Mutter in den Keller ging und du ihr ins Treppenhaus hinterher gelaufen bist und dir dort eine Katze begegnete? Du bist ihr durchs ganze Dorf hinterher gelaufen und deine Eltern hatten Todesangst um dich. Deine Mutter hat dich dann irgendwo an einer Kreuzung im Dorfkern wieder eingefangen. "S Büsi" hast du gesagt und mit dem Finger auf das kleine Tier gezeigt.

Es sind diese Tage. Diese Tage an denen du an diese Katze denkst. Es sind diese Tage, an denen du dich in all diese Erinnerungen aus Kindheitstagen flüchtest. An denen du versuchst einen roten Faden zu finden. Eine Verbindung zwischen diesem kleinen Mädchen zu finden, welches damals der Katze nachgelaufen ist und dieser Frau, die du heute bist. Es sind diese Tage, an denen du dich fragst wo die Jahre hin sind. Wo ist die Zeit geblieben? Und wo hat sich dieses kleine Mädchen versteckt?

Es sind diese Tage, an denen du dir wünschst dieses kleine Mädchen eines Tages wieder zu sehen. Es in den Arm zu nehmen und um die Zeit zu weinen die du verschwendet hast in dem du vor ihm davon gelaufen bist. Und dir wird auf einmal klar, dass DU die Katze bist. Du warst es schon die ganze Zeit.

Dienstag, 9. November 2010

Montag, 8. November 2010

20 Fragen


Wenn wir die Antwort auf eine Frage bereits kennen wieso stellen wir sie dann trotzdem?

Wo haben wir eigentlich gelernt uns so gut selbst was vor zu machen?

Wieso schmerzt die Wahrheit mehr als die Erkenntnis eine Lüge zu leben?

Wieviell hält ein Herz aus?

Gönnt man sich immer soviel wie man sich selbst wert ist?

Wieso erkennen wir Glück erst immer wenn es bereits der Vergangenheit angehört?

Gibt es etwas schöneres und herzzerissenders als die Aussage von Alain Delon über die Liebe seines Lebens, Romy Schneider nach deren Selbstmord: «Sie war hoffnungslos einsam. Ich wusste, dass sie an gebrochenen Herzen sterben würde.» ?!

Wesshalb verstrickt sich eigentlich jedes mal das verdammte Kabel der Kopfhörer in der Tasche als wäre es ein sich selbst fickender Bandwurm?

Wesshalb braucht der Mensch drei viertel seines Lebens um den ersten Viertel zu verarbeiten?

Wieso machen wir Glück immer von äusseren Einflüssen abhängig?

Weshalb wird uns in der Schule beigebracht wie man einen Frosch seziert anstatt uns beizubringen mit dem Leben klar zu kommen?

Warum haben Kinder und Alte Menschen den Blick für das Wesentliche und werden trotzdem für unmündig erklärt?

Wieso müssen wir immer alles hinterfragen anstatt einfach mal zu akzeptieren und uns das Leben nicht noch unnötig schwerer zu machen?

Kann man es sich zur Lebensaufgabe machen seinen Platz zu finden?

Was, wenn der Platz bereits besetzt ist?

Wird die Verfechtung der Monogamie vielleicht nur als Ausrede benutzt weil man den falschen Partner hat oder würde der Mensch allen ernstes die Liebe seines Lebens betrügen?

Wo beginnt Liebe und wie unterscheidet man sie von der Gewohnheit?

Kann man sich zweimal in die selbe Person verlieben oder hat man sich nur endlich eingestanden nie aufgehört zu haben sie zu lieben?

Vergibt man einer Person, vergibt man dann nicht im eigentlichen Sinne sich selbst?

Haltet Sehnsucht einem am Leben oder richtet Sie einem eigentlich zu Grunde?

Donnerstag, 4. November 2010

AUTUMNLOVE




Die warmen Farben der Blätter und Bäume

Sonnenstrahlen im Gesicht

Mädchen mit dicken Strumpfhosen und zierlichen Jupes

Cat Power – The Greatest

Friedhof Sihlfeld

Verträumte Menschen auf langen Spaziergängen

Der Duft von heissen Marronis

The Whitest Boy Alive – Island

Khaled Hosseini`s Roman "Drachenläufer"

Cardigans

Phoenix - Love Like a Sunset

Auf Wolldecken in der Sonne liegen

Luftsprünge

Chäferberg

Earl Grey Tea mit Milch

Get Well Soon

Kerzenlicht

Rotwein-Melancholie

Lauer Wind

Währschaftes Essen

Jungs mit Schal

Kings Of Convenience

Türkische Linsensuppe

Die letzten Tage auf dem Spielplatz

Villa Nah

AUTUMN I LOVE YOU!

Mittwoch, 3. November 2010

Live on the island


When I got back along my road,
All the trees had come out the screen.
Nobody called for many days.
I was left in my little world.
Lived through the smell of painted floors,
Echoing the sound.
Off running water through the pipes,
And posters falling down.

When I woke up the second day,
All the noises have disappeared.
Down the street I chose a path,
And walked to the end of it.
Of all the words you sent to me,
There was one that I couldn't bear.
One that for me meant everything,
I think you got mixed up with care,
Taking care, taking care.
Live on the island.
Live on the island.
Live on the island.
Live on the island.

Mittwoch, 27. Oktober 2010

One Day It'll All Make Sense


Wie kann dieses Gefühl, diese unglaubliche Sehnsucht so stark sein? Versetze ich mich in Gedanken an bestimmte Orte in der Vergangenheit, welche ich bereist habe, empfinde ich für einen kurzen Moment dieses Gefühl von damals. Darauf folgt ein Klumpen im Magen der dermassen schmerzt, dass ich mich kaum noch auf irgend etwas anderes konzentrieren kann. Beispielsweise auf die Arbeit. Mir kullern Tränen in die Augen und ich fühl mich so leer, dass ich das Gefühl habe mich bald aufzulösen. Was zum Teufel mach ich hier eigentlich?
Ich sitze hier und warte. Und wie lange ich schon warte! Mein Leben besteht aus warten. Seit ich denken kann begleitet mich diese Sehnsucht durch mein Leben. Die Sehnsucht nach der weiten grossen Welt. Nach den Menschen dieser Erde. Nach dem Austausch. Nach den unendlich vielen Entdeckungen und Schätzen die diese Welt zu bieten hat.

Und dann habe ich etwas gefunden, was all diese Sehnsüchte in einem vereinte. Istanbul. Mein Märchen. Meine Zuflucht. Mein anderes ich. Mein wahres ich. Die Liebe meines Lebens.

Doch ich kann nicht dort sein. Ich bin hier in diesem verdammten drecks Zürich wo ich irgendwie versuche das Leben nicht so sehr zu hassen. Wo ich irgendwie versuche meine Arbeit zu machen, irgendwelchen Hobbies nach zu gehen und mich am Wochenende irgendwo ins Nirvana zu schicken.
Und es tut mir leid. Es tut mir leid für meine Freunde. Es tut mir leid, dass mir ihre Freundschaft nicht ausreicht, um hier glücklich zu sein. Denn das sollte sie. Wenn ich etwas habe, dann sind es gute Freunde. Die besten! Doch würde ich es dennoch vorziehen, alleine in Istanbul zu sein. Ich würde sie sicher vermissen wenn ich erstmal da wäre, aber wenn ich hier mit ihnen nicht glücklich werde, mit was dann?

Ich muss dahin, ich muss so sehr dahin. Wären mir nicht die Hände gebunden, ich würde sofort aufstehen und gehen. Ich würde nicht einmal zurück blicken. Es gibt nichts, wirklich nichts was mich hier hält. Alles was mir hier wichtig ist, ist grösser als Distanzen.

Jeden Tag könnte ich mich dafür Ohrfeigen, dass ich in meiner Jugend so leichtsinnig und naiv war. Ich hasse mich dafür, dass ich mir so früh meine besten Jahre ruiniert habe. Und ich hasse meine Umwelt dafür, dass mir keiner gesagt hat wie das nun alles geht. Ich hasse sie dafür, mir keine Bedienungsanleitung gegeben zu haben. Und ich hasse mich dafür, soviel Wut und Hass im Herzen zu haben. Ich verfluche meinen 18. Geburtstag. Ich verfluche mich dafür, nicht stark genug gewesen zu sein. Seit diesem verdammten 18. Geburtstag ging mein Leben bergab. Alles wurde zum Kampf. Alles war nur noch anstrengend und das schlimmste daran: das Bewusstsein, selbst an allem Schuld zu sein. Und ich büsse immer noch. Seit 8 Jahren büsse ich für meine Fehler und werde es auch noch einige Jahre tun müssen bis ich endlich frei bin.

Es ist schon seltsam. Du wirst geboren, hast die besten Voraussetzungen ein guter Mensch zu werden, doch dann wird dein Charakter geformt und du glaubst an etwas, an was es eigentlich nichts zu glauben gibt. Jedenfalls nicht von der Sicht der Masse. Der Norm. Du glaubst und du bist der Überzeugung, dass das was du glaubst richtig ist, und all die anderen Idioten einfach keine Ahnung haben. Doch du bist sechzehn, bist ein Idiot und hast keine Ahnung. Doch keiner wird dir das sagen weil du selbst lernen musst. Du lernst und du machst Fehler. Oder umgekehrt. Eines führt zum anderen, es ist wie Domino spielen. Und wenn dir damals mit sechzehn jemand gesagt hätte, dass du acht Jahre später im Büro sitzen, mit dieser Sehnsucht und diesem Schmerz des Bedauerns im Bauch zum Fenster hinaus schauen- und das hier schreiben wirst, hättest du dich dann anders entschieden? Wohl kaum.

„One Day It'll All Make Sense“

Wie ich bereits sagte: ich warte.

Donnerstag, 21. Oktober 2010

Der Dreschboden der Liebe


Ich habe über Freundschaft geschrieben, über die Stadt meines Herzens, über das Reisen, über Musik, über Glück, Entscheidungen, Schmerz, nervige Menschen, dumme Menschen, tolle Menschen. Ich habe über Wertvorstellungen geschrieben, über Dankbarkeit, über die Stock-im-Arsch-Generation, über Suchende, über Parties. Ich habe über die leidenschaftliche Selbstzerstümmelungs-Kultur geschrieben, über Emotionen und über Empathie, doch über eines habe ich nie geschrieben: Über die Liebe. Handeln doch etwa 80% aller Songs von ihr, wurden abertausende von Büchern über sie geschrieben und zig Filme gedreht. Vergeht doch kein Tag, an dem ich mir nicht den Kopf über sie zerbreche, mir nicht vorstelle, wie sie wohl ist, wie sie sich wohl anfühlt.

Die meisten Texte haue ich schnell während der Arbeit in die Tasten. Bei fast allen habe ich am Anfang des Textes eigentlich noch keine Ahnung, was ich genau schreiben will. Ich schreibe einfach mal drauf los, weil ich dieses Zucken in den Fingern verspüre oder weil mir meine Arbeit mal wieder dermassen auf den Sack geht, dass ich mir durch ein paar Worte wieder etwas Energie verschaffe. Selbsttherapie. Es geht dabei oft weniger um das Geschriebene selbst, als um die Tätigkeit zu schreiben.

Doch über die Liebe zu schreiben erschien mir immer als etwas Grosses, als etwas, dass mit Bedacht geschrieben werden muss. Man macht sich nackt, entblösst sein Innerstes. Auch dachte ich immer, über die Liebe zu schreiben sei irgendwie langweilig, wie oben erwähnt wurde sie ja schon mehr als genug wiedergekaut und schlussendlich kommt ja doch praktisch jede Liebesgeschichte auf einen gemeinsamen Nenner: Sie zerbricht.

Ich möchte hier nun aber nicht die 3824597862te Liebesgeschichte nieder schreiben. Kann ich gar nicht. Ich möchte die Liebe auch nicht analysieren, auch zu dem bin ich nicht im Stande. Die Wahrheit ist, ich feier in zwei Monaten meinen sechsundzwanzigsten Geburtstag und ich habe noch nie geliebt. Klar war ich schon diverse Male verknallt, fasziniert, was weiss ich, doch ich habe nie geliebt. Ich habe weder eine Ahnung davon, was es heisst zu lieben, noch wie es sich anfühlt, geliebt zu werden. Ja, ich liebe meine Freunde und ich werde von meinen Freunden geliebt und für diesen kostbaren Schatz bin ich unendlich dankbar. Auch für die Liebe meiner Eltern und jene meines Bruders, obwohl er diese nicht wirklich zeigen kann, weiss ich doch, dass sie da ist. Doch ich spreche hier von einer anderen Liebe. Von der Liebe zwischen Mann und Frau. Von der aufrichtigen und von tiefstem Herzen kommenden, innigen Liebe. Ich spreche von dieser Liebe, die nicht nur auf einem Abkommen, einem Kompromiss mit sich selbst basiert. Diese Liebe, die nichts mit dem Nicht-allein-sein-können zu tun hat. Ich spreche von dieser Liebe aus den Songs, den Filmen und den Büchern. Diese Liebe, die über alles hinausgeht, die grösser ist, als alles was man an Gefühlen bis anhin kannte. Nicht diese Liebe, die einem Sicherheit gibt. Ich meine diese Art von Liebe, die Menschen in den Wahnsinn treibt.

Und dann sehe ich all diese gebrochenen Menschen. Menschen, welche die Liebe zu Grunde gerichtet hat. In diesen Momenten bin ich froh, nie geliebt zu haben, nie diesen unglaublichen Schmerz eines solchen Verlustes gefühlt zu haben. Doch dann stelle ich mir selbst die Frage: was ist besser, nie geliebt zu haben, nie zu erfahren, wie sich Liebe anfühlt und dafür nicht verletzt zu werden und diesen schlimmen Schmerz zu empfinden, oder aber mit Haut und Haaren zu lieben, Achterbahn zu fahren, vom himmlischen Hoch bis hin zu den tiefsten Abgründen der Menschlichen Seele zu pendeln und dafür alles in Kauf nehmen, koste es was es wolle? Oder seit bestehen der Menschheit auch eine beliebte Variante, die Sicherheitsnummer zu wählen, die gradlinige „Liebe“, kein Rauf, kein Runter, Harmonie ohne zu grosse Emotionen, dafür nicht allein sein.

Letztere Variante kommt für mich nicht in Frage, könnte ich doch selbst nicht in den Spiegel schauen. Wurde ich gefragt, antwortete ich stets mit Variante A, doch eigentlich weiss ich, dass Variante B, also die schmerzvolle Variante, die einzig Wahre ist. Trotzdem will ich mein Glück nicht von der Liebe abhängig machen. Ich habe gelernt, allein zu sein, Dinge für mich selbst zu machen, meinem Leben einen anderweitigen Sinn zu geben und wenn ich all die Beziehungen um mich herum beobachte, bin ich selten neidisch. Es gibt wenige Beziehungen, die wirklich funktionieren. Doch sehe ich dann ein altes Ehepaar, welches immer noch die Liebe im Herzen trägt und diese sogar für mich als Aussenstehende sichtbar ist, dann kommt auf einmal die ganze Leere in mir hoch und übergibt sich direkt auf meine Füsse. Und auch wenn solche Szenen für unsere Generation eher unrealistisch sind, und ich mir selbst einrede, längst nicht mehr an die Liebe zu glauben, so wird mir doch in solchen Momentan klar, dass es einzig und allein darum geht. Um die Liebe. Unser ganzes Sein, all unser Schaffen und Tun beläuft sich schlussendlich auf die Liebe. Alles was wir machen, tun wir im entfernten Sinn doch nur deshalb, um uns für andere Menschen attraktiv und liebenswert zu machen. So schliesst sich der Kreis. Der Anfang ist das Ende.


Es ist wie Khalil Gibran sagte:

„Wenn die Liebe dir winkt, folge ihr, sind ihre Wege auch schwer und steil. Und wenn ihre Flügel dich umhüllen, gib dich ihr hin, auch wenn das unterm Gefieder versteckte Schwert dich verwunden kann. Und wenn sie zu dir spricht, glaube an sie, auch wenn ihre Stimme deine Träume zerschmettern kann wie der Nordwind den Garten verwüstet. Denn so wie die Liebe dich krönt, kreuzigt sie dich. So wie sie dich wachsen lässt, beschneidet sie dich. So wie sie emporsteigt zu deinen Höhen und die zartesten Zweige liebkost, die in der Sonne zittern, steigt sie hinab zu deinen Wurzeln und erschüttert sie in ihrer Erdgebundenheit. Wie Korngarben sammelt sie dich um sich. Sie drischt dich, um dich nackt zu machen. Sie siebt dich, um dich von deiner Spreu zu befreien. Sie mahlt dich, bis du weiss bist. Sie knetet dich, bis du geschmeidig bist. Und dann weiht sie dich ihrem heiligen Feuer, damit du heiliges Brot wirst für Gottes heiliges Mahl.

All dies wird die Liebe mit dir machen, damit du die Geheimnisse deines Herzens kennen lernst und in diesem Wissen ein Teil vom Herzen des Lebens wirst. Aber wenn du in deiner Angst nur die Ruhe und die Lust der Liebe suchst, dann ist es besser für dich, deine Nacktheit zu bedecken und vom Dreschboden der Liebe zu gehen. In die Welt ohne Jahreszeiten, wo du lachen wirst, aber nicht dein ganzes Lachen, und weinen, aber nicht all deine Tränen.“



In diesem Sinne, JA! Ich will das Echte, mit allem Drum und Dran. Ich nehme den Schmerz in Kauf. Denn wer nie geliebt hat, hat nie richtig gelebt.

Dienstag, 19. Oktober 2010

The Truth is...

„ A Baby is born, crying out for attention“. Ja, ich will Aufmerksamkeit. Wer nicht? Ich stehe mit dem Namen CRYING OUT FOR ATTENTION sogar dazu, einfach damit dieses Thema mal erledigt ist. (Ja, auch für dich werter Herr Vater). Und Ja, ich musste auch noch einen Blog haben. Und jetzt?! Mir ist bewusst, dass es mittlerweile mehr Blogs im WORLD WIDE WEB als Fotogeile TILLLATE-Schlampen im KAUFLEUTEN gibt. Mir ist auch bewusst, dass es vielleicht gerade mal knapp 5 Leute gibt, die meine Seelenkotze überhaupt regelmässig lesen, geschweige denn, das es jemanden überhaupt ernsthaft interessiert was in meinen Gedanken gerade so abgeht, ist doch jeder schon genug mit seinen eigenen beschäftigt. Und überhaupt , wer bin ich schon? Niemand.

Ich arbeite weder bei 20 Minuten, noch bin ich DJ, ich bin keine Stylistin, ich bin kein Model und kein IT-Girl. Ich habe kein Praktikum bei einem berühmten Designer gemacht und ich kann weder singen noch besitze ich sonst irgend ein musisches Talent. Ich bin in keiner Tanzgruppe und ich besitze auch kein Rennvelo. Ich war noch nie an einer Modeschau und ins RIMINI gehe ich nur an der Streetparade. New York kenne ich nur aus Filmen und Cupcakes sind mir irgendwie zu süss. In der ZUKUNFT bin ich nach fünf Minuten gelangweilt und zudem ist mir der Raum zu niedrig. Stattdessen bin ich Stammgast im HIVE. Ich hab weder die DACHKANTINE richtig miterlebt noch konnte ich mich zu den Stammgästen der HERMETSCHLOO zählen. Ich hatte auch nicht 1991 schon „eis Hosebei dobe gha“. Für mich war weder BIG L noch NOTORIOUS BIG best Rapper alive. Ich bin keine Besitzerin eines Cafes in Wiedikon und ich wohne auch nicht in der Langstrasse (leider). Ich studiere weder Modedesign noch besitze ich einen Master of Arts. Mein Lieblingsessen ist nicht Sushi und abgesehen von dem wirklich guten Alpenkräuter Eistee könnt ihr mir mit eueren BIO/ÖKO/WEISSDERTEUFELWAS-PRODUKTEN mal schön nach Guantanmo auswandern. Ich hab eine Abneigung gegen die Bäckeranlage und Männer mit hautengen Röhrenjeans, kariertem Hemd und Kulturbeutel lösen bei mir Brechreiz aus. Ich trinke Dosencola für mein Leben gern und AFRICOLA würde ich höchstens als Wurfgegenstand benützen. Mein Lieblingssender ist nicht ARTE, dafür schaue ich jede noch so dumme Amerikanische Seifenoper. Ich verliebe mich regelmässig in fiktive Serienstars oder Filmfiguren, man nehme zb. Jack aus LOST oder Peter aus HEROES. In diesen Darsteller war ich übrigens schon bei GILMORE GIRLS verliebt. Ganz unten in der dunklen Schublade sitzt noch PAUL KALKBRENNER der meine Libido in BERLIN CALLING aufblühen liess. Auf Konzerten schaue ich meistens nach fünfzehn Minuten auf die Uhr und frage mich wie lange die mich da vorne auf der Bühne noch langweilen wollen und wünsche mich insgeheim in die Bar gegenüber vom Club. Ich verstehe den Hype um dieses BARBRA STREISAND Teil von DUCK SAUCE hinten und vorne nicht (Danke Janine Yvette!) und höre dafür heimlich LADY GAGAS „ALEJANDRO“. Ich kaufe Kleider im TALLY WEIJL und in der MIGROS weil ich nicht einsehe, dass ich für eine Leggins das 8-Fache im AMERICAN APPAREL ausgeben soll.

Ich bin also ein ganz normales Mädchen aus Hinterpfüpfelshausen am Kackpiss welches gerne einfach mal in die Welt hinaus schreien möchte. Ja, ich will Aufmerksamkeit. Ja ich will gehört werden und ja ich habe was zu sagen. Nicht immer, nein. Manchmal bekommt ihr auch einfach nur die Ergüsse meiner vom Alltag gelangweilten Hirngespinsten ab. Doch manchmal hab ich was zu sagen, etwas das ich für wichtig halte gesagt zu werden. Und wenn es auch nur eine einzige Person gibt, die durch diese Worte berührt wird oder vielleicht sogar ähnlich denkt, dann hat sich das Ganze für mich mehr als ausreichend gelohnt. Und falls nicht, so lohnt es sich trotzdem. Für mich. Denn es ist raus und die Worte fliegen nun irgendwo in der grossen weiten virtuellen Welt herum, und wer weiss, vielleicht fängt sie ja jemand ein und behaltet sie eine Weile bei sich.

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Gefühle auf dem Riesenrad oder die verweichlichung der Gesellschaft

Es sticht. Und dann das Riesenrad. Ich weiss nie ob ich es nun lieben oder doch einfach hassen soll. Jetzt hass ich es gerade. Oder nein, eigentlich mag ich es. Oder auch nicht. Ich kann mich nicht entscheiden. Das ist die Gratwanderung der Melancholie. Es ist wie Seiltanzen, man balanciert, schwankt immer ein bisschen rechts, ein bisschen links. Ich meine dieses Gefühl in der Bauchregion wenn du einen Song hörst mit dem du viel verbindest. Nebst der Aktivierung des Kopfkinos werden dir feine Nadelstiche in den Bauch versetzt, bei mir ist es meistens etwas unterhalb der rechten Brust in der Rippen-Gegend. Piecks. Aua. Und dann eben das Riesenrad. Dein Magen fühlt sich an wie ein Tag auf dem Rummel. In der Gondel, dieser Moment auf der Kippe, da wo es wieder runter geht und dein Magen sich ganz komisch, aber irgendwie aufregend an fühlt. Ein bisschen wie verliebt sein. Wo andere Schmetterlinge im Bauch haben, hab ich ein Reisenrad im Bauch. "Schmetterlinge im Bauch" – das ist doch irgendwie abartig. Das waren einst Raupen. Welcher halbwegs vernünftige Mensch will schon Raupen im Bauch? Und wer will schon vernünftig sein? Ich hasse vernünftige Menschen. Die sind so... na so vernünftig halt. Egal ich schweife ab. Ich höre heute wieder mal ZWICKER FEAT HEIDI HAPPY - WHO YOU ARE in rotation. Ich sollte es mir endlich mal verbieten. Während ich hier nämlich die ganze Zeit gestochen werde und mir vom Riesenrad fahren schon zum kotzen zu Mute ist, zeigt das Kopfkino Bilder von der einen Stadt. DIE STADT. Ihr wisst schon. Es ist wie ein Verflossener über den ich nicht hinweg komme. Denke ich an die Stadt, werde ich umgehend sentimental, emotional gestört, wehmütig und einfach nur traurig. Doch dann sehe ich die schönen Bilder und ich empfinde wieder diese Gefühle die ich damals hatte und in solchen Momenten bin ich dankbar, dass ich überhaupt noch fähig bin so zu fühlen. Ich bin ein emotionaler Krüpel. Doch jetzt in diesem Moment wo ich das so nieder schreibe merke ich, dass das einfach nur ein Haufen Scheisse ist. Ich bin nämlich sehr wohl fähig Gefühle zu empfinden. Und das schlimme daran: ZU VIEL. Zu viel ist nie gut. NIE. Zu viel Geld, zu viel Macht, zu viel trinken. Zu viel ist schlecht.

Ich habe mal eine Freundin gefragt, ob es sein kann, das mit meinem Herz irgendwas nicht stimmt, denn oft kommen mir gegen meinen Willen die Tränen. Ich beschrieb ihr meine Symptome: Ich bin ab den absurdesten Sachen gerührt. Einmal musste ich weinen weil ich eine Menschenmenge jubeln sah an der WM. Wie sie da jauchzten und diese Freude in den Gesichtern, das war zu viel für mich. Ich heul auch wenn in einem Film die Katze stirbt. Mir tut es im Herzen weh, wenn ich alte Menschen sehe, wie sie mit sich mit ganzer Kraft abmühen um aus dem Bus zu steigen. Oder alte Menschen generell, diese von Leben gezeichneten Gesichter. Meine Freundin sah mich mit verwundertem Blick an und meinte: "Stéphie, das nennt man Empathie". Ich liess mir sagen, dass das keine Lebensbedrohliche Krankheit, sondern die Fähigkeit sei, mit zu fühlen. Ich liess mir auch sagen, dass wenn alle Menschen empathisch wären, wir in einer besseren Welt leben würden. Ich persönlich empfinde diese so genannte Empathie oft eher als Fluch. Sie ist aber wohl der beste Beweis dafür, dass ich doch kein emotionaler Krüppel bin. Doch wären alle Menschen so, mein Gott, man muss sich das mal vorstellen. Dann wären ja alle andauernd am rum heulen. Die WM wäre wortwörtlich zum heulen. Nebst dem Weltfrieden wäre das höchstens noch für die Taschentuchindustrie lukrativ. Oder vielleicht noch für einen Autor der dann ein Buch schreiben würde mit dem Titel DIE VERWEICHLICHUNG DER GESELLSCHAFT. Wie unsexy.

Freitag, 1. Oktober 2010

Entscheidungen


Wann ist der beste Augenblick, der ideale Moment um wichtige Entscheidungen zu treffen? Wann ist eine Entscheidung emotional, wann rational? Wie finde ich den passenden Moment um zu sagen jetzt, ja jetzt kann ich frei von Emotionen eine gute Entscheidung treffen, die mir das Leben erleichtert. Wie gross ist die Rolle des Bauchgefühls mit ein zu beziehen? Wo siegt der Verstand, wo der Affekt? Ist nicht generell das was wir fühlen, oder eben nicht fühlen das Wichtigste, DAS ENTSCHEIDENDE? Andauernd hört man von aussen Sätze wie „Mach nicht etwas was du später bereuen wirst“ oder „Schlaf noch ne Nacht drüber“ was sicher generell ein gut gemeinter Rat ist. Aber ist es nicht dennoch einfach ein Verzögern, ein Durchbeissen? Schläft man nämlich ne Nacht drüber, verblasst die Emotion wieder, die Kreuzung wo eine Entscheidung fällig war oder wäre, rückt wieder in die Ferne. Man resigniert.

Die ganze Sache kann nun also nüchtern betrachtet werden. Alles sieht wieder viel harmloser aus. Ach, so schlimm ists nun ja auch wieder nicht, geht schon noch. Doch einige Zeit später wird man wieder an der alt bekannten Kreuzung stehen. Du kannst zwar die Richtung ändern, doch nicht den Weg.

Also stelle ich mir die Frage, wann lohnt sich dieses Hinauszögern, wann lohnt sich dieses ewige auf-den-nächsten-Knall-warten. Lohnt es sich überhaupt? Ist Vernunft ein ausreichendes Argument wenn dein Seelenfrieden auf dem Spiel steht? Wie wird diese Gleichung berechnet? Wo bleibt die Waage? Oder anders gefragt, WAS stellen wir NICHT über unser Seelenwohl? In einer leistungsorientierten Gesellschaft wie unserer wohl eine etwas erübrigende Frage.

Dienstag, 28. September 2010

Villah Nah – Herbsterguss aus Finnland


Ich bin im Himmel. Glaub ich. Vielleicht auch nicht, und wenn doch, dann ist Petrus wohl grad im Urlaub. Zwar wer sagt das im Himmel stets schönes Wetter herrscht? Steht das in der Biebel? Egal. Vielleicht Träum ich auch nur. Nein, Joaquin Phoenix ist nirgends zu sehen. Leider. Wahrscheinlich hab ich einfach nur eine himmlische, traumhafte, ja grossartige musikalische Entdeckung gemacht.

Ich habe die perfekte Herbstmusik entdeckt. Mit dem neuen lässigen Anorak durch den Josefpark in Richtung Langstrasse schlendern, die orange-gelben Blätter, die (kitschiger gehts nicht) auf mein vom Wind zersaustes Haar fallen und diese Klänge im Ohr. Vor mir das andeutende Gefühl eines neu bevor stehenden Lebensabschnitts, hinter mir ein Sommer mit dem man satte zwei Leben hätte füllen können.

Zwar wurde dieses Piece of Art bereits im Frühjahr releast, aber insgeheim war es sicher für den Herbst bestimmt. Oder es wurde letzten Herbst aufgenommen. Es ist einfach Herbst. Da gibt’s nichts zu rütteln. Dass ein Song auf dem Album AUTUMN GONE heisst ignorieren wir jetzt einfach mal knallhart.

Die zwei wow ich werde immer wieder durch wows und oh`s und ah`s unterbrochen. Vielleicht sollte ich aufhören diese Musik zu hören während ich das hier schreibe. Aber ich kann nicht. Ich kann nicht aufhören mir dieses Album anzuhören. Ich muss seit einer Stunde aufs Klo, eine Zigarette würde ich auch gerne wieder mal rauchen. Aber es geht nicht. Ich kann nicht aufstehen.

Also ich mach sie jetzt aus. Die Musik. Also die zwei Typen sind aus Finnland, haben keine eigene Website, auf Myspace sind nur die Tourdaten bis zum 8. November aufgeführt – was ich schon mal zu Kotzen finde – aber natürlich kommen sie eh erst 2015 mal ins Käseland, wesshalb es eigentlich auch keine Rolle spielt und der Rest interessiert mich momentan nicht. Ok, ich gebs zu, eigentlich will ich einfach nur die Musik weiter hören, denn das ist das Einzige was mich interessiert. Die Musik. Und das sie Skandinavier sind. Also gut, den Namen des Debuts verrate ich euch noch. Es nennt sich ORIGIN. Und es ist, es ist... ich finde keine Worte, hörts euch einfach an . JETZT. LOS. SOFORT! Ach ja und die Jungs nennen sich VILLAH NAH. Imfall.

Hier ein kleiner Vorgeschmack:

Montag, 27. September 2010

Bekentnisse einer Nachtschwärmerin oder der Besuch im Wunderland


Ich war am Samstag im Wunderland. Nein, ich habe kein LSD genommen und ich hab mir auch keine DVD des Kassenschlagers mit einer Dame namens Alice ausgeliehen. Ich war im Hive. Scheisse war das geil! Und ich möchte hier nun mal einige Dinge klar stellen. Man mag das Feiern verfluchen und man mag uns Suchende nennen. Man mag uns von mir aus auch mit „auf der Flucht sein“ beschimpfen. Ich selbst bin regelmässig im Klinsch. Ausgang, Party, durchdrehn vs. Kuchen backen, lesen und Flohmarkt. Aber das eine schliesst das Andere ja nicht aus. Also bin ich am Samstag um neun Uhr aufgestanden, bin Kaffee trinken gegangen, hab nen Brief geschrieben und habe den ganzen Tag in der Stadt verbracht. Wie Erwachsen. Am Abend musste ich aber dann doch das Kind raus lassen und hab mich voll gepackt mit nem Haufen Süssigkeiten und einem Taxi voll mit Freunden in den Hive Club bringen lassen.

Das klingt jetzt nicht wahnsinnig sensationell wenn man bedenkt, dass ich öfter dort bin als zu Hause. Desswegen wird der Club meines Vertrauens auch liebevoll DIHIVE genannt. Dies setzt sich aus den Worten DIHEI und (drei mal raten) HIVE zusammen. An dieser Stelle möchte ich die Wabe an der Geroldstrasse mal richtig loben. Man mag sie Mainstream nennen und sie mag vielleicht auch nicht der Dachkantine das Wasser reichen, aber Fakt ist, dass sich diese Jungs echt Mühe geben und keine Deko-Herausforderung sie davon abhalten kann den Club immer wieder aus neue in einem anderen Licht erscheinen zu lassen.

Somit komme ich nun wieder auf vergangenen Samstag zurück. Das Motto war Wunderland und die Atmosphäre war Märchenhaft. Das eine oder andere Wunder wurde vollbracht, beispielsweise von LEXY, der diesen Wahnsinns Remix gemacht hat von DATA MC`s TOO YOUNG TO DIE. Und natürlich von ADRIAN FLAVOR der dieses Goldstück gegen Ende der Party durch das ganze Wunderland direkt in die Herzen der noch anwesenden Märchengestalten sendete. Es war der Wahnsinn. Ich habe sogar mit gesungen. An einer Technoparty hat man schliesslich nicht oft die Möglichkeit dazu.

Nun also hier das Pendent zu meinem frühren Text NACHTSCHATTENGEWÄCHS. Es kommt ja immer auf die Sichtweise an. Beides entspricht der Wahrheit. Der Punkt ist, wie man differenziert und wo man gerade steht. In welcher Phase seines Lebens, ist man zufrieden mit sich, seinem Leben etc. Und der eigentliche Kern-Punkt ist die Balance. Wichtiges Wort. BALANCE. Ich glaube das ist der Schlüssel. Ein vs. wird es immer geben. Es werden immer wieder Versuchungen auf uns zu kommen. Wir werden noch oft von unserem Gewissen heim gesucht und wir werden auch noch oft Dinge machen die wir später bereuen. Und das ist auch gut so. Ich für meinen Teil bin zurzeit so mit mir im Reinen wie ich es selten war und desswegen kann ich auch ohne mein Gewissen im Nacken feiern. Und ja, vielleicht bin ich doch auf der Flucht. Und ja, ich bin eine Suchende. Werde ich immer sein. Was soll man im Leben wenn nicht Suchen? Ich mag suchen. Aber es muss jetzt einfach mal gesagt sein, und ich habe lange gebraucht, sehr lange bis ich dieser Erkenntnis ins Auge sehen konnte. Die Wahrheit ist: ICH LIEBE FEIERN. Ich mag Parties. Ich bin die Party. Gut, das ist nun ein wenig übertrieben aber Party ist sicher ein Teil von mir. Wenn du nen Mann liebst der auf Fussball steht musst du das auch Akzeptieren. Ich bin halt n Mädel das gerne feiert. Warum auch nicht? Ich habe genug Gründe um zu feiern. Mir fallen auch immer wieder neue ein. Man kann auch mehrmals den selben Grund nehmen. Das geht gut. Zum Beispiel der SPASSFAKTOR, find ich übrigens auch ein gutes Wort. SPASSFAKTOR. Herrlich. Und ganz ehrlich, was soll ich denn sonst? Klar ich steh auf frühes Aufstehn am Samstag Morgen und auf den Flohmarkt zu gehen, Kaffee zu trinken und DAS MAGAZIN zu lesen. Aber ich steh einfach nicht drauf den Abend vor dem Fernseher zu verbringen und mit WETTEN DASS...? oder der MISS SCHWEIZ WAHL zu verblöden. Dann verblöd ich lieber im Club und sauff mir einige Hirnzellen weg. Wennschon dann solls wenigstens Spass machen. SPASSFAKTOR. Da ist er ja schon wieder.
Nur weil ich später mal ne Familie mit zwei gut aussehenden Kindern will, die Welt bereisen und darüber schreiben möchte und ich langsam in nem Alter bin, in dem man sich endlich mal benehmen sollte muss ich doch nicht zu Hause Däumchen drehen. Ich kann das gar nicht. Ich habs versucht, klappt nicht. Ich kann Gäste bekochen, Wäsche machen, lesen und später Fernsehen, aber wenn nicht um Mitternacht das Reissen kommt, dann kommts halt um zwei und dann geh ich eben raus. Basta. Ich könnte locker den Wettbewerb gewinnen als die Person die am meisten Sätze wie „Ez blib doch e mal diheime“ oder „Du musch mal chli zur Rueh cho“ gehört hat. Oder ich geh gleich zu WETTEN DASS...? Ich kanns einfach nicht. Ich brauche Action. Es muss was gehen. Seht es endlich ein. Das ist ein Teil von mir. So bin ich. Ich mag diese Welt in der vieles nicht echt ist. In der jeder seine Rolle spielt. Ich mag die andere Welt. Ja, sie mag oberflächlich sein und ja, das geht mir manchmal auf den Sack und ich finde alles unecht und verlogen. Aber manchmal brauch ich auch genau das. Die Oberfläche ist leicht. Hallo hier, Hallo Da, Jägermeister dort, Tanzen mit ihr und nachher mit ihm. Ich mag diese Leichtigkeit. Ich mag auch die betrunkenen Tiefgründigen Gespräche mit fremden Menschen an Partys an die ich mich morgen nicht mehr erinnern werde. Ist doch egal, das Gefühl, ein gutes Gespräch, einen lustigen Abend oder ne tolle Bekanntschaft gemacht zu haben reicht mir eigentlich völlig aus. Was interessieren mich die Dinge die ich vergessen hab. Und hört bitte endlich mal auf es persönlich zu nehmen wenn ich eure Namen nicht mehr weiss. Das hat nichts mit euch zu tun und an betrunkene Menschen sollte man sowieso keine Ansprüche stellen. Desswegen trinken wir ja, wir wollen keine Erwartungen erfüllen, wir wollen egoistisch sein und das machen worauf wir gerade Lust haben. Das heisst nicht das wir euch nicht mögen. Vielleicht mögen wir euch sogar sehr. Das wissen wir vielleicht nur in dem Moment gerade nicht mehr. Ihr dürft uns aber gerne daran erinnern. Wir wollen Spass haben. Wir sind (noch) jung und wir wollen feiern so lange wir das noch können. Irgendwann sind wir 45 und sitzen am Sonntagstisch bei den Schwiegereltern und denken an diese Zeit zurück. Und wir werden froh sein, sie gehabt zu haben. Wir werden uns an unsere wilden Zeiten erinnern in denen wir um diese Zeit wahrscheinlich erst aus einem Club raus gekommen sind und darüber diskutierten bei wem denn die heutige After Hour stattfinden soll. Dann werden wir unsere Kinder anschauen und wir werden feststellen wie schnell die Zeit ins Land streicht – und wir werden nichts missen.

Und noch was, es geht mir auf den Sack das in unserem Alter nicht mehr an Partys rumgeknutscht wird. Ich will wieder sechzehn sein. Das sollten wir echt wieder einführen. Ich will tanzen, Jägermeister trinken und auf der Tanzfläche von einem fremden gut aussehenden Mann geküsst werden. Das ist etwas das mir an den Technoparties gar nicht gefällt: Da sind die Meisten echt asexuell drauf. Lasst das! Das nervt!
Ach und es ist erst Montag. Und ich sollte mal was arbeiten. Oder zuerst doch noch ne Kippe rauchen gehen und noch ein bisschen vom Wunderland träumen.

Freitag, 24. September 2010

Oh du Liebe


Oh du Liebe.
Du, der es immer wieder vermag mich aufs Neue in seinen Bann zu ziehen.
Du, der meine Freude teilst, mein Weinen unterstreichst.
Du, der mich fühlen lässt, als würde etwas in mir zerspringen,
als würde die Welt in mir explodieren.
Du, der mich Bilder, Farben und Filme sehen lässt, als würde ich
ein anderes Leben führen, als würden wir alle ein anderes Leben führen.
Du, der mich an der Hand nimmt und mit mir durch einen Goldregen tanzt,
bis ans Ende der Zeit. Und noch weiter.
Du, der immer da sein wird, noch lange nach mir.
Du, der schönste von Allen.
Du, der Sound. Meines Lebens.
In guten wie in schlechten Zeiten. Und in allen anderen.
Du warst meine erste und du wirst meine Letzte sein.
Oh du Liebe. Melodie.

Donnerstag, 16. September 2010

Mann mit Gitarre


Ich möchte einen Mann mit Gitarre.
Einer der mir mit Zigarette im Mundwinkel Songs auf der Gitarre vorspielt während ich mit einem Glas Rotwein in der Hand auf dem Bett liege und über das Leben nachdenke. Einer wie Joaquin Phoenix in „Walk the Line“. Voller Leidenschaft. Kaputt. Einer der eher sterben würde als sich den Erwartungen der Gesellschaft unter zu ordnen. Einer der Stühle an Wände schmeisst. Ein Idealist. Ein Visionär. Einer der mir die Welt in lyrischer Form auf seiner Gitarre erklärt. Einer zum durchbrennen. Nur wir zwei. Und die Gitarre.

Mittwoch, 15. September 2010

A Writer's Life


Nach einer Durchzechten Nacht am Samstag entschied ich mich gestern mein Image wieder ins Gleichgewicht zu bringen und mich ein wenig kulturell fort zu bilden. Also besuchte ich eine Lesung im Kaufleuten. Der Autor, ein mittvierziger aus Houston, Texas hat ein Buch namens "The Passage" geschrieben. Dies ist sein dritter Roman. Seine zwei ersten Werke fanden nur wenig Beachtung, so dass er zusätzlich Englisch unterrichten musste um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Und dann schreibt er eben dieses Buch. Es schlägt ein wie eine Bombe. Bestseller weltweit. Übersetzung in 23 Sprachen. Riesige Summen für Filmrechte wurden geboten. Man muss sich das einmal vorstellen. Heute bist du der durchschnittliche Amerikanische Familienvater und morgen kennt dich die ganze Welt.

Mit grosser Faszination habe ich dem Autor gelauscht wie er dem Publikum seinen Werdegang beschrieb. Wie er von seiner Tochter erzählte, mit welcher er sehr viel Zeit verbrachte als er dieses Buch schrieb und ihn dazu inspierierte. "Ich will, dass du ein Buch schreibst, in dem ein Mädchen die Welt rettet" hat sie zu ihm gesagt.
Auch als er erzählte, dass er "Creative Writing" an einer Uni in Philadelphia unterrichtete, wurde ich hellhörig. Wie gerne würde ich doch so einen Kurs besuchen. Nur kann man diesen als normal Sterblicher an der Luzerner MAZ leider kaum bezahlen.

Ich malte mir aus, wie schön es sein muss, um die Welt zu reisen und Lesungen zu geben und ich dachte an Bukowski. Was würde ich dafür geben, einmal an einer Lesung vom Dirty Old Men dabei gewesen zu sein. Wer schon mal einen Bukowski gelesen hat, der weiss, dass seine Lesungen alles andere als gesittete Kulturelle Veranstaltungen waren.

Und ich dachte auch an Özdogan, der in einer seiner Kurzgeschichten davon erzählt, wie einmal nach einer Lesung eine Frau zu ihm kam mit einem Zettel in der Hand. Sie gab ihm den Zettel und bat ihn, ihr etwas gegen Liebeskummer auf zu schreiben. Er war überfordert und gerührt zu gleich. Er fühlte sich dieser Aufgabe nicht mächtig. Ich schreib doch bloss, ich bin kein Therapeut, ging es ihm durch den Kopf. Doch die Frau tat ihm leid und er fühlte sich irgendwie verantwortlich also schrieb er ihr etwas auf den Zettel.

Ich dachte darüber nach, was für ein Gefühl das sein muss, seine Leser mit dem was man schreibt zu berühren und dass da plötzlich ein Schwarm von Menschen kommt, nur um dich lesen zu hören. Ich dachte darüber nach, wie es wohl sein würde, mit dem was man am liebsten tut, seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Ich fand es faszinierend und beängstigend zu gleich. Wenn man von etwas lebt, ist es vielleicht bald nicht länger das, was man von Herzen tut, schliesslich geht es nun darum zu verkaufen, davon zu leben, es kann schnell zum Muss werden und die Liebe daran beeinträchtigen. Was, wenn man eine Schreibblockade hat?

Nichts desto trotz, ist das Leben eines Autors für mich das, was für andere das Leben eines Rockstars ist. Nach Lesungen mit Leuten noch ein Bier trinken, bis in die frühen Morgenstunden anregende Gespräche führen mit Menschen die man nie mehr wieder sehen wird. Fremde Länder bereisen. Jeden Tag eine neue Stadt. Neue Menschen. Neue Sprachen. Neues Glück. Hotelbars. Weisse Laken. Frühstücken in Strassencafés. Menschen inspirieren. Von Menschen inspiriert werden. Einsamkeit. Melancholie. Notizbücher. Der Wellt Hallo sagen.

Montag, 13. September 2010

Freitag, 10. September 2010

Engel


Er fragte sie warum die Kleine immer mit leuchtenden Augen an die Decke starrt und dabei lächelt.

Er erwartete keine Antwort denn eigentlich war es weniger eine Frage als mehr eine Kopfschüttelnde Bemerkung nebenbei.

Doch sie sah die Kleine an und lächelte das selbe Lächeln.

„Sie kann die Engel noch sehen“

Er schüttelte erneut den Kopf.

Er verstand nicht. Wie sollte er auch.